Make 3/2019
S. 104
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Tischrechner Soennecken 1232

Druckende Tischrechner erfreuen sich im Büro immer noch der Gunst einer treuen Anhängerschaft – man verlegt sie ob ihrer Größe nicht so schnell, die Tastatur ist äußerst ergonomisch, und nicht zuletzt erhält man Ergebnisse schwarz (oder rot) auf weiß, die man abreißen und abheften kann.

Unser 1232 vom Büroartikel-Hersteller Soennecken kam 1995 auf die Welt – zu einer Zeit, als viele Office-PCs noch unter DOS liefen und ein Zweitrechner auf dem Schreibtisch ein wenig (manuelles) Multitasking ermöglichte. So ganz obsolet scheinen die Dinger bis heute nicht zu sein, denn einige Modelle sind immer noch am Markt – manche sogar mit den tollen Fluoreszenz-Displays (VFDs).

Aus dem Elektroschrott-Container gerettet: völlig funktionstüchtiger Tischrechner mit Netzanschluss.

Nach dem Lösen von zwei Schrauben kann man den Tischrechner komplett werkzeuglos zerlegen – selbst die grüne Filterscheibe ließ sich seinerzeit bei einem Schaden einzeln ersetzen. Im Vergleich zu Geräten aus den 1970ern enthält der 1232 fast enttäuschend wenig Elektronik – ein Toshiba-Chip TC83220 erledigt die (gemultiplexte) Ansteuerung des vornehm türkis schimmernden VFDs, der Tastatur und des Druckwerks. Vom TC83220 gab es diverse Varianten, die sich in der Ansteuerung des Druckwerks und einigen Sonderfunktionen unterschieden.

Zeilenweise

Beim 1232 (wie auch einigen nahezu baugleichen Geräten anderer Hersteller) ist das Abrolldruckwerk NMB352 verbaut, das über drei 400mA-Treiber-ICs IR2422 (ähnlich ULN2004) direkt vom Rechner-Chip angesteuert wird. Es druckt immer eine komplette (bis 18-stellige) Zeile. Interessant ist das Funktionsprinzip: 18 Ziffernscheiben sind mit einer gemeinsamen motorgetriebenen Welle über Rutschkupplungen verbunden und können über Elektromagnete einzeln angehalten werden; nach Einstellen der zu druckenden Zahl wird diese über einen Exzenter auf das Farbband und schließlich auf das Papier gedrückt. Übrigens: Farbbänder sind für die fast ein Vierteljahrhundert alten Rechner immer noch erhältlich.

Die Anodenspannung des VFD (ca. 25V) wird aus einer separaten Wicklung des Trafos gewonnen.

Sollte Ihr Flohmarkt- oder Kellerfund nicht mehr so recht wollen (etwa wegen einer defekten Tastatur), lohnt auf jeden Fall das Ausschlachten des 12-stelligen VFDs, das man zum Beispiel als Anzeige für ein Messgerät weiternutzen kann; Anleitungen zur VFD-Ansteuerung gibt es auf einschlägigen Elektronik-Bastelseiten. Vielleicht findet sich ja auch noch eine sinnfreie Verwendung für das Druckwerk – etwa als künstlerischen ASCII-Art-Generator. cm