Was macht eine Physiklaborantin?
Physiklaboranten sind die Handwerker in den Naturwissenschaften. Für Forscher bauen sie Versuche und Messstationen auf, analysieren die Ergebnisse und charakterisieren Materialien.
Altern Solarzellen? Und wenn ja: Verändert sich der Wirkungsgrad mit zunehmendem Alter? „Das wissen wir nicht und wollen es herausfinden, um einem nachlassenden Wirkungsgrad entgegenzuwirken“, sagt Sabine Kasper, 27. Sie ist Physiklaborantin am Forschungszentrum Jülich.
Für den Versuch haben Kollegen Solarzellen auf Glas als Trägermaterial hergestellt. Sie werden nun 1000 Stunden mit künstlichem Sonnenlicht bestrahlt, unter konstanten Laborbedingungen von 50 Grad Celsius. „Nach einem bestimmten zeitlichen Schema werden Stromstärke und Spannung gemessen, um eventuelle Veränderungen zu erkennen“, sagt Kasper. Für die Messungen hat sie einen Probenhalter gebaut, mit dem mittels Vakuum das Glas festgesaugt wird, damit es nicht verrutscht. Zusätzlich hat sie unter den Zellen eine Wasserkühlung eingesetzt, um die Temperatur konstant zu halten.
Physiklaboranten bauen aber nicht nur Versuche auf, sondern führen auch Messungen durch und werten sie aus. Das Forschungszentrum Jülich zählt mit rund 5700 Mitarbeitern zu den großen Forschungszentren Europas. Durchschnittlich bildet es pro Jahr etwa zehn Physiklaboranten aus, von denen zwei parallel an der Fachhochschule Aachen, Standort Jülich, Physikwesen auf Bachelor of Engineering studieren. Die Ausbildung allein zum Physiklaboranten dauert 3,5 Jahre. Jährlich schließen etwa 100, meist Abiturienten, einen Ausbildungsvertrag ab. Etwa die Hälfte aller deutschen Ausbildungsplätze stellt das Forschungszentrum Jülich, andere die BASF oder das Karlsruher Institut für Technologie.
In Jülich werden sie nach der Ausbildung in der Energie- und Klimaforschung, in den Neurowissenschaften oder der Kernphysik eingesetzt. Die nötigen fachlichen Fähigkeiten hängen vom Einsatzfeld ab. Bei Kasper ist es die Elektrotechnik, bei anderen Physiklaboranten die Physik oder Chemie. Grundsätzlich „muss man sehr einfallsreich sein, um Lösungen dafür zu finden, wie man etwas präzise messen kann. Es braucht Ruhe und Ausdauer, weil es oft winzig kleine, aber hoch komplexe Versuchsanordnungen sind“, sagt Kasper. Peter Ilg