MIT Technology Review 8/2016
S. 48
Horizonte
Gentechnik

Gesund durch Gentechnik?

Biowissenschaftler entwickeln genveränderte Pflanzen, die gesünder machen sollen. Können sie damit die Verbraucher überzeugen?

Violett und besonders gesundheitsfördernd? 2008 stellte das John Innes Centre die „Purple Tomatoes“ vor. Foto: John Innes Centre

Immer mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder chronische Leiden im Alter: Die britische Biologin Cathie Martin treiben diese düsteren Aussichten um. Die Pflanzenforscherin vom John Innes Centre in Norwich will mit Ernährung gegensteuern. Aber nicht mit irgendwelcher, sondern mit genetisch veränderter Nahrung. Allein acht verschiedene Tomatensorten untersucht ihre Forschergruppe derzeit, um sie fit zu machen für den Kampf gegen Zivilisationskrankheiten. Die Wissenschaftler reicherten beispielsweise Tomaten mit sogenannten Anthocyanen an. Die Pflanzenfarbstoffe kommen in größeren Mengen sonst etwa in Blaubeeren oder Brombeeren vor und stehen im Ruf, vor bestimmten Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit dem Alter verbundenen degenerativen Krankheiten zu schützen.

Erst im vorigen Oktober stellten Martins Kollegen Yang Zhang und Eugenio Butelli mit ihrem Team eine Züchtung vor, die gleich zwei Stoffe in höchster Konzentration enthält: zum einen Resveratrol, eine möglicherweise lebensverlängernde Ingredienz, die auch in Wein vorkommt. Und zum zweiten Genistein, einen natürlicherweise in Sojabohnen vertretenen sekundären Pflanzenstoff. Einigen Studien zufolge hat er das Wachstum von Brustkrebszelllinien gehemmt. Die neue Tomate enthält nun so viel Resveratrol wie 50 Flaschen Wein und so viel Genistein wie 2,5 Kilogramm des Sojagerichts Tofu.

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