MIT Technology Review 1/2017
S. 86
Meinung

Kein Bisphenol A ist auch keine Lösung

Die Europäische Union will das in vielen Kunststoffen enthaltene Bisphenol A deutlich stärker regulieren. Schließlich wirkt es auf das menschliche Hormonsystem. Leider hat die Maßnahme einen Pferdefuß: „BPA-frei“ bedeutet nicht unbedingt ungefährlich.

In diesem Jahr geht die Überprüfung von Bisphenol A durch die European Food Safety Authority (EFSA) in eine neue Runde. Sicherheitshalber hatte die EFSA die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) bereits 2015 von 50 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht auf vier Mikrogramm herabgesetzt. Vorigen Februar hat wiederum die EU-Kommission die Klassifizierung der Chemikalie, die in vielen Kunststoffen enthalten ist, sogar um eine Gefahrenstufe angehoben: Der Weichmacher gilt nun als giftig für die menschliche Fortpflanzung. Damit sind die Voraussetzungen für seine Identifizierung als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC) erfüllt. Dieses Verfahren hat Frankreich auf den Weg gebracht. Am Ende könnte es dazu kommen, dass die EU-Kommission jeden Einsatz genehmigen muss.

1891 von dem russischen Chemiker Alexander Dianin zum ersten Mal synthetisiert, wird der Stoff seit den 1950ern in der Industrie zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen verwendet. Heute ist er in unzähligen Produkten enthalten: CDs, Zahnfüllungen, Druckfarben von Lebensmittelverpackungen, Plastikbesteck und Spielzeug. Selbst im Hausstaub findet sich BPA – durch Abrieb von epoxidhaltigen Bodenbelägen, Klebstoffen, Lacken, elektronischen Geräten und Leiterplatten. Eine Hauptquelle für BPA in der Nahrung sind die Innenbeschichtungen von Konservendosen. Thermopapier ist die zweitgrößte Quelle der BPA-Exposition für den Menschen, denn der Stoff ist im Farbentwickler enthalten. Kassenzettel, Etiketten oder Veranstaltungstickets bringen uns täglich damit in Kontakt.

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