ENERGIE
Strom aus Verdunstung
Eine bisher ungenutzte Energiequelle wollen Ozgur Sahin und seine Kollegen von der Columbia University anzapfen: die Verdunstung von Wasser (DOI: 10.1038/ s41467-017-00581-w). Mit dem Prototyp eines Verdunstungskraftwerks zeigten sie, wie sich diese Energie prinzipiell nutzen ließe. Er besteht aus speziellen Bakteriensporen, fixiert in einem flexiblen Kunststoffmantel. In feuchter Luft dehnen sich die einige Millimeter langen Sporen aus, in trockener schrumpfen sie wieder. Wechselnde Luftfeuchte führt zu einer mechanischen Bewegung, die eine Drehscheibe in Rotation versetzen und einen Stromgenerator antreiben kann. Noch ist die Stromausbeute gering: Der handgroße Laborprototyp erzeugte einige Mikrowatt – gerade genug für eine Leuchtdiode.
Doch allein für die USA bezifferten die Forscher die nutzbare Leistung der Verdunstung auf offenen Wasserflächen auf bis zu 325 Gigawatt. Wie viel davon tatsächlich in elektrischen Strom umgewandelt werden kann, hängt vom Wirkungsgrad der noch zu entwickelnden Verdunstungskraftwerke ab. Da Wasser zudem Wärme gut speichert, könnten Verdunstungskraftwerke sogar rund um die Uhr laufen. Zudem sollen sie die natürliche Verdunstungsrate senken und dadurch die Gefahr von Dürren reduzieren. JAN OLIVER LÖFKEN