Was macht ein Chirurgiemechaniker?
Mit Hightech und Fingerspitzengefühl fertigt er medizinische Implantate und Operationswerkzeuge.
Florian Menner ist wohl der einzige Mensch, der das Instrument, mit dem er operiert wurde, selbst geschliffen hat. Mit einem Sternumsägeblatt aus seiner Werkstatt nämlich wurde ihm bei seiner Herz-OP das Brustbein (Sternum) durchtrennt. Der 25-Jährige arbeitet als Chirurgiemechaniker in der Abteilung Medizintechnik und IT am Klinikum der Universität München. „Präzision und Qualität sind oberstes Gebot“, sagt der gebürtige Münchner, der für die Reparatur, Wiederaufbereitung, Wartung und Endfertigung von Operationsinstrumenten zuständig ist. Oft geht es in seiner Arbeit um überraschende Details. Die Oberfläche beispielsweise darf nicht allzu glänzend sein, sonst würde sie den Chirurgen blenden, wenn sich das helle Operationslicht darin spiegelt. Kommt das Instrument also zu glatt aus der Fräse, muss Menner es beim Sand- oder Glasperlenstrahlen blendfrei machen.
Chirurgiemechaniker sind für die Entwicklung neuer Instrumente gefragt. „Es ist die Synthese aus moderner Fertigungstechnik und unserem handwerklichen Geschick, das letztendlich ein qualitativ hochwertiges Produkt ausmacht“, sagt Christian Borowski von der Aesculap AG. Der 26-Jährige leitet dort eine sechzig Mann große Werkstatt und fertigt neben Sägen, Nadelhaltern, Pinzetten, Skalpellen und Arterienklemmen auch Prothesen und Implantate. Dazu erstellt Borowski mithilfe eines CAM-Systems (Computer Aided Manufacturing) die Bauanleitung für Hüftgelenke und andere Implantate. Daraus entstehen an CNC-Dreh- und Fräsmaschinen zunächst sogenannte Halbzeuge, also halb fertige Produkte. „Ich stelle aus diesen vorgefertigten Teilen hochpräzise und qualitativ anspruchsvolle Instrumente her“, erklärt Borowski.
Dreieinhalb Jahre dauerte seine duale, gewerblich-technische Ausbildung im Metallbereich. Die Auszubildenden sind dafür abwechselnd in ihrem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule für Chirurgiemechaniker, der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule im württembergischen Tuttlingen. In der Region haben sich mehr als 400 Unternehmen angesiedelt, die chirurgische Instrumente herstellen oder reparieren. Es ist also ein guter Ort für berufsspezifische Fächer wie Instrumentenkunde, technisches Zeichnen, Fertigungstechnik und Anatomie. Joseph Scheppach