MIT Technology Review 7/2019
S. 82
Fokus
Künstliche Intelligenz
Aufmacherbild
Foto: Shutterstock

Tröpfchenweise

KI gilt als Wunderelixier. Sie konkret in Unternehmen zu nutzen, ist jedoch schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Kunst der Parfümherstellung hat sich seit 1880 kaum verändert. Seit dieser Zeit kombinieren erfahrene Parfümeure synthetische Inhaltsstoffe zu immer neuen, verführerischen Düften. Achim Daub, Leiter der Abteilung Scent & Care bei Symrise, einem der weltweit größten Dufthersteller, hat mit dieser Tradition nun jedoch gebrochen.

Daub wollte wissen, was passieren würde, wenn Symrise künstliche Intelligenz einsetzt. Würde eine Software Düfte vorschlagen, an die ein Mensch sich gar nicht erst herangetraut hätte? Er beauftragte IBM mit der Entwicklung eines Computersystems, das über riesige Mengen an Informationen verfügt – Formeln bestehender Duftstoffe, Verbraucherdaten, regulatorische Informationen und so weiter – sodass es in der Lage sein sollte, für spezifische Märkte maßgeschneiderte Düfte vorzuschlagen. Das System heißt Philyra – benannt nach der griechischen Göttin des Duftes. Anders als der Name suggeriert, kann es jedoch nichts riechen. Stattdessen soll es Symrise einen entscheidenden Vorsprung bei der Entwicklung neuer Produkte verschaffen.

Gerade kamen die ersten zwei Parfümkreationen der KI auf den Markt, entwickelt für junge Kunden in Brasilien. Daub ist mit den bisherigen Fortschritten zufrieden. Es hat jedoch fast zwei Jahre gedauert hat, bis es so weit war – und es waren erhebliche Investitionen erforderlich, die sich erst nach einer ganzen Weile amortisiert haben werden.

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