Desktop-Management von Linux-Clients
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NWC
L-Pack 1 von NWC ermöglicht die Installation des Betriebssystems auf Desktop- und Server-Systemen. Konfigurationsänderungen am bestehenden Betriebssystem sind zentral nicht out of the box, sondern durch das Erstellen und Deployment von angepassten Scripten und Konfigurationsdateien unter Linux möglich. Ein zentrales Management dieser Eigenschaften ist mit L-Pack 3 geplant. L-Pack 1 ist ein Add-On für enteo OSD 3.2. Die Installation ist innerhalb weniger Minuten vollzogen. Das Produkt integriert sich zu 100% in enteo NetInstall. Der integrierte SetupBuilder ermöglicht es dem Anwender, das Design der Administrationsoberfläche anzupassen und Einstellungen zu parametrisieren. Laut Aussage von NWC ist enteo NetInstall bei der Softwareverteilung im Windows-Umfeld Marktführer im deutschsprachigen Raum mit etwa 2500 Kunden und rund 2,5 Millionen verwalteten PCs. Diese Lösung spricht in erster Linie bestehende enteo Kunden an, die nun auch Linux-Systeme mit der bekannten enteo Umgebung installieren und später auch verwalten und pflegen möchten. Zudem sind Unternehmen angesprochen, bei denen die Windows-Plattform dominiert, die jedoch auch die Linux-Plattform in ihrer heterogenen Umgebungen verwalten wollen.
Red Hat
Red Hat Network Satellite zeigt sich als Produkt für das gesamte Lifecycle Management von Red-Hat-basierten Systemen. Die Zusammenfassung von Maschinen in Gruppen ermöglicht eine übersichtliche Organisation der verwalteten Systeme. Das Konzept der Activation-Keys erlaubt beschränkte Installationen von Softwarepaketen und deren Inventarisierung. Red Hat Network Satellite wurde für die Verwaltung von Red-Hat-Systemen entwickelt und ist hierfür wohl am besten geeignet.
Univention
Univention bietet mit dem Univention Corprate Server (UCS) eine integrierte Lösung zur Verwaltung von Clients nach dem Domain-Konzept auf Linux-Basis. UCS setzt auf Debian GNU/Linux und anderen Open-Source-Komponenten auf und bietet eine zentrale Administration für Benutzer, Benutzergruppen und Rechner sowie für weitere Infrastrukturkomponenten wie DNS, DHCP und Mail durch die Integration von Kolab 2, Scalix oder Open-Xchange. Durch diesen Ansatz ist UCS in unterschiedlichsten Umgebungen einsetzbar – von 20 Systemen ohne eigenes IT-Personal bis zu Umgebungen mit 3000 Systemen. Neben dem hier untersuchten Managed Client bietet Univention mit dem Mobile Client ein weiteres Desktop-System für die Installation auf mobilen Rechnern und mit der integrierten Thin-Client-Umgebung eine Lösung für festplattenlose Rechner. Das System steht unter GPL und die Quellen stehen als ISO-Images auf der Univention Website zur Verfügung.
Xandros
Die xMC von Xandros ist in C++ geschrieben und integriert sich vollständig in KDE, den Standard-Desktop von Xandros. So sind DHCP und DNS über Assistenten konfigurierbar. Über eine Reihe von Assistenten für verschiedene Desktop-Konfigurationen, zum Beispiel Netzwerk, fällt dem geübten Windows-Anwender die Konfiguration dieses Linux-Desktops leicht. Die betrachtete Version baut auf Debian GNU/Linux 3.1 (Sarge) auf; die nächste Version wird Debian GNU/Linux 4.0 (Etch) als Unterbau verwenden. Über Xandros Networks versorgt sich xDMS mit Sicherheitsupdates, sodass die verwalteten Desktops auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Eine Verwendung von Debian-Repositories ist ebenso möglich. Xandros positioniert xDMS als Produkt für kleine und mittelständische Unternehmen.
Fazit
Bei der Auswahl geeigneter Lösungen spielt neben der aktuell eingesetzten Umgebung der Umfang der IT-Umgebung und der Kenntnisstand des hauseigenen IT-Personals eine Rolle. Einige der untersuchten Lösungen können mit einer erprobten Linux-Mannschaft eingesetzt werden. Andere richten sich an Microsoft-Anwender, die mehr oder weniger sanft in Richtung Linux gehen möchten.
Die prinzipielle Bereitstellung der Clients funktioniert bei allen Lösungen architektonisch gesehen gleich über PXE-Boot. Je nach Fokus der Lösungen divergieren die weiteren Schritte für die Bereitstellung der Clients, sodass sich Anwender abhängig von ihren Anforderungen in einer der beschriebenen Lösungen wiederfinden können. Die Gespräche bei den Reviews haben auch gezeigt, dass die Hersteller ihre Lösungen stetig weiterentwickeln, um auch jene Features einzubauen, die der Anforderungskatalog des Szenarioteams aufgreift und die in den Produktfokus passen.
Von den acht genauer betrachteten Lösungen stehen lediglich die beiden Produkte von GONICUS und Univention unter der GPL, die beide auf Debian aufsetzen und die freie Distribution selbst beziehungsweise dessen Derivate auf dem Client unterstützen. Distributionsnahe Lösungen wie die von Novell, Red Hat, Univention und Xandros unterstützen prinzipiell ihre eigenen Distributionen am besten, arbeiten jedoch daran, die Unterstützung auf andere gängige Linux-Distributionen auszuweiten. Auch Hersteller bekannter Lösungen zum Desktop-Management auf der Windows-Plattform erweitern ihre Produkte um Funktionen für das Management von Linux-Systemen.
Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass bereits ein lebendiges Marktsegment mit unterschiedlichen Lösungen für das Desktop-Management von Windows- und Linux-Clients existiert. Naturgemäß wird dieser Bereich primär von kommerziellen Anbietern abgedeckt, aber es gibt durchaus auch freie, unter der GPL stehende Projekte. Das Argument eines "fehlenden Desktop-Managements für Linux-Desktops" ist somit entkräftet. Unter den gezeigten Produkten sollte es dem Anwender möglich sein, eine geeignete Lösung zu finden. Wo noch zusätzliche Anwendungen benötigt werden, kann auf Erfahrungen aus dem Netzwerk der Linux Solutions Group zurück gegriffen werden. (odi)