Fit mit dem Smartphone: Drei Fitnessapps im Test

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Ich bin Gregor und dieses Jahr wollte ich schon mal vor den guten Vorsätzen mit den guten Vorsätzen anfangen. Wir testen Sport-Apps, ganz ohne Fitnessstudio, neugierige Augen und teilweise sogar ohne Equipment.

Gerade seit der Pandemie ist das Mobile-Fitness-Segment explodiert. Auch jetzt noch rechnet die Branche mit Wachstum bis 2030. Die drei Apps, die wir uns anschauen, haben teilweise mehrere Millionen Downloads und sind im Apple und Google Store ziemlich gut bewertet. Sie heißen Fitcoach, Gymondo und Workouts zu Hause - ohne Geräte.

Mein Ziel? Etwas gegen den Bürorücken tun, mobiler werden und wenn ich dabei noch ein paar zusätzliche Muskeln aufbaue, umso besser. Wir testen, wie zugänglich die Apps sind, wie sie aufgebaut sind und ob man grundsätzlich versteht, was von einem verlangt wird. Starten wir mit Fitcoach. Entwickler Welltech arbeitet angeblich mit einem intelligenten Algorithmus, der die personalisierten Trainingspläne zusammenstellt. Das klingt natürlich spannend und ich habe in einer Pressemail direkt mal nachgefragt, wie der funktioniert, aber leider keine Rückmeldung bekommen.

Die Fitcoach-App ist nĂĽchtern in WeiĂź gehalten. Alles Wichtige leuchtet in satten Farben, die aber gekonnt minimalistisch eingesetzt werden. Man sieht eine Kalenderleiste, die markiert, wie lange man schon dran ist und darunter, was fĂĽr den jeweiligen Tag ansteht. Auf den Bildern der jeweiligen Workouts sieht man Bilder von stilisierten Menschen, die gerade trainieren. Insgesamt sind die MenĂĽs und die Bedienung gut gelungen.

Hier findet man sich zurecht und man weiß, was zu tun ist und bekommt zusätzlich auch noch Ernährungstipps obendrauf. Fitcoach möchte zu Beginn einige Eckpunkte der User. Also wie viel man wiegt, wie groß man ist, wie oft man sich bewegt, ob man Sport treibt, welche Ernährungsvorlieben man hat und wo man Muskeln aufbauen will. Etwa Beine, Rücken, Schulter.

Insgesamt bietet Fitcoach Angebote für Workouts, Ernährungspläne gehen, Yoga und merkwürdigerweise auch für Gesichtslifting. Wir sind dann beim Workout geblieben. Auch der Trainingsmodus ist ganz gut gelungen, schön übersichtlich und aufgeräumt. Eine Person macht die Übung per Video vor, dabei läuft ein Timer und eine Text-to-Speech-Stimme simuliert den Code und erklärt die Bewegung und lässt ab und zu ein mehr oder minder motivierender Spruch los. Das ist dann manchmal unfreiwillig komisch. Während wir beim Ausfallschritt nach hinten fast umfallen oder gerade Kniebeugen machen, erleuchtet uns die App dann mit Weisheiten wie Konzentriere Dich auf Deine Form. Danke, liebe App. Das ist wirklich ein ganz toller Tipp.

Versteht man einen Bewegungsablauf nicht ganz, kann man pausieren und sich die Übung einmal genauer ansehen. Dazu bekommt man eine Anleitung mit verschiedenen Schritten und ein paar zusätzlichen Tipps. Das hat uns schon oft geholfen. Ich empfehle, die Benachrichtigung auszustellen. Sonst wird man über den Tag verteilt, etwas bombardiert. Der automatische Schrittzähler hängt sowieso schon dauerhaft in der Benachrichtigungsleiste fest und da möchte man sich täglich drei Erinnerungen vielleicht sparen.

Ein größeres Manko ist, dass es regulär keinen kostenlosen Testzeitraum gibt. Also, man muss einen kostenpflichtigen Testzeitraum von einem Monat für 11,99 in Anspruch nehmen, um Fitcoach zu nutzen. Längere Abos kosten dann auf einmal mehr, sind aber auf den Monatspreis gerechten natürlich preiswerter. Insgesamt bekommt man hier aber ein gutes, intensives und manchmal sogar bewegungstechnisch anspruchsvolles Training geboten.

Die App Gymondo stammt von einem deutschen Entwickler und ist mit knapp 2 Millionen Downloads die am wenigsten heruntergeladenen App unter den drei Platz hier schon im Test. Gymondo ist stylish in Pastelltönen gehalten, aber leider etwas unübersichtlicher als zum Beispiel Fitcoach. Die vielen Videos und Kurse haben mich ein wenig erschlagen und die Menüführung ist nicht immer ganz intuitiv. Nach der Anmeldung gibt man Gewicht, Alter, Fitnesslevel und so weiter. Nach der Erfassung der persönlichen Eckdaten sucht man sich einen der zahlreichen Kurse aus. Die dauern meistens so um die sechs bis zehn Wochen und der große Unterschied zu den anderen beiden Kandidaten. Hier treten reale, echte Menschen auf und sprechen mit dir.

Das Training läuft in Videoform. Dabei steht ein Trainer im Mittelpunkt und macht die Übung vor, erklärt und motiviert. Tipp mit den Zehen. Denk dran, sie sind ein Teil deines Körpers. Okay? Im Hintergrund stehen ein bis zwei andere Sportler und machen mit. Das hilft bei der Übersicht und man kann sich Bewegungsabläufe ganz gut abgucken. Nachteil daran, die Trainings sind natürlich nicht in dem grad personalisiert wie bei den anderen Kandidaten. Die Kurse sind wie in einem Fitnesscenter aufgebaut. Die Kurse führen besonders knackigen Po, eine bessere Haltung, klassische Aerobics, Schattenboxen und wie man seinen Eintrainer richtig einstellt. Oder ganze Body Transformation Programme. Man sucht sich seinen Kurs aus und wird vom Coach angeleitet und motiviert.

Die ruhigeren Übungen, die mehr in eine Yoga-Richtung gehen, sind sehr achtsam und entspannt aufgebaut. Das war schon sehr angenehm für mich. Ich würde es ein bisschen bewegungsintensiver, drehen die Trainer voll auf. Dann läuft Techno, die Leute geben sich High-Fives und lächeln die ganze Zeit aggressiv in die Kamera. Das fühlt sich dann so ein bisschen an, wie eine überdrehte Gameshow oder amerikanisches Teleshopping aus den 90ern. Ob einem das gefällt, ist natürlich Geschmackssache. Ich zumindest fand das ganz witzig.

Eins und zwei, eins und zwei. Mach weiter, los. Du kannst das, aber du musst dran bleiben, dass du es kannst, ja? In Ordnung. Wenn man sich registriert, bekommt man zwei Workoutkurse gratis. Bei den Trainingszielen dieser Kurse entscheidet man sich zwischen Abnehmen, Strafen, Muskelaufbau, Beweglichkeit. Zusätzlich gibt es Rezepte und passende Ernährungspläne. Wer den ganzen Umfang der App nutzen will, zahlt wahlweise 14,99 Euro für einen Monat oder etwas über 60 Euro für ein ganzes Jahr.

Gymondo bietet aber auch einen siebentägigen Probezeitraum an. Der kostet dann erst mal nichts. Gymondo war für mich eine angenehme Abwechslung zu der sehr harten und drillähnlichen Herangehensweise der anderen Apps. Man wird persönlich angesprochen bekommen, tatsächliche Menschen zu sehen und versteht meistens ganz gut, was zu tun ist.

Der dritte Kandidat heißt Workouts zu Hause ohne Geräte. Diese App gibt es nur im Android Store und da hat sie aber mehr als 100 Millionen Downloads. Der Einfachheithalber kühlt sich mal ab und nennt die App nur Workouts. Workouts ist in blau-weiß gehalten und sieht vom Aufbau ähnlich wie Fitcoach aus. Man hat eine Kalenderansicht, seine persönlichen Ziele im Blick und die Minüs und alles andere sind übersichtlich gestaltet.

Man hat auf dem Schirm was heute ansteht und wie man sich bis jetzt geschlagen hat. Nur hier sind auf zahlreichen Bildern unfassbar muskulöse Körper zu sehen wie bei Bodybuildern aus den frühen 70ern. Das fand ich etwas merkwürdig, andere spawnt das vielleicht an. Auch hier wieder das gleiche Spiel beim ersten Start. Geschlecht, körperliche Verfassung, Motivation angeben. Eins macht Workouts aber anders. Die App fragt, wie viele Liegestütze man schafft.

Eine gute Möglichkeit, um On the Fly das Fitnesslevel zumindest grob einzuschätzen. In dieser App sind die Workouts aneinander gereite Übungen mit Pausen. Also 30 Sekunden Liegestütz, 16 Mal Bauchpresse, Pause und dann vier Kniepushups und so weiter. Im Vorhinein kann man die Reihenfolge der einzelnen Übungen tauschen und ändern. Der Trainingsmodus ist bei Workouts vielleicht sogar etwas zu minimalistisch geraten. Hier hüpfen und sporteln animierte Figuren mechanisch und den Endlosschleife auf dem Bildschirm. Dazu lässt eine Roboterstimme Erklärung los und dann gibt es noch das angenehme Geräusch an der Trillerpfeife, wenn man was geschafft hat.

Wir machen der animierten Figur die Übung nach kurze Pause nächste Übung. Wie auch bei Fitcoach klassisches intensives Intervalltraining. 30 Sekunden Hampelmann Beugt mache eine Pause, nächste, 26, Fersenanschlag, 13 auf jeder Seite. Wer eine Übung nicht ganz versteht, kann Erklärungen nachlesen. An dieser Stelle sind dann YouTube-Videos eingebunden, auf denen man zur Text-to-Speech-Stimme zumindest echte Menschen sieht. Gerade die Übungen für Anfänger sind manchmal ein bisschen eintönig, aber das ändert sich, wenn man höhere Kurse wählt.

Und ein anderer Vorteil, man kann sich das kostenpflichtige Abonnement sparen und Trainingseinheiten freischalten, in denen man Werbung schaut. Sonst zahlt man 41,99 pro Jahr, aber es gibt zumindest eine Woche Gratis zum Testen. Und ein Hinweis noch, wenn man die App das erste Mal benutzt, muss man eine Menge Zustimmung erteilen. Und hier lohnt es sich kurz aufzupassen, viele davon kann man deaktivieren. Ansonsten ist Workouts eine gelungene App mit kleinen Schönheitsfehlern, aber klarer Struktur und einer langfristigen Gratisfunktion. Ich habe jetzt seit gut einem Monat durchgängig Muskelkater. Die Frage im Raum hat sich das gelohnt und kann ich das empfehlen. Und ja, das kann ich. Das ging eigentlich ganz gut und hat schon ein paar kleinere Erfolge gebracht. Wenn ich mal aus dem Muskelkater rausgekommen bin, habe ich schon gemerkt, dass ich viel beweglicher bin. Und ich muss zugeben, morgens, vormittags und abends Sport zu machen, wenn es auch nur sieben Minuten Stretching sind, hat mir oft geholfen, einen klareren Kopf zu haben.

Alle drei Apps ähnen sich in großen Vorzügen und Nachteilen schon. Klar, man kann unabhängig von Zeit und Ort trainieren, wie man möchte. Man sucht sich sein Training selber aus und man kann entscheiden, was man machen möchte. Allerdings droht auch überall die gleiche Gefahr, Übungen einfach nicht ganz sauber oder sogar falsch zu machen. Da ist es dann doch ganz nützlich, wenn ab und zu ein echter Mensch hinguckt und ein bisschen hilft.

Alle drei Apps arbeiten auch mit Elementen von Gamification. Aber so richtig gut hat das für mich nicht funktioniert. Also natürlich möchte man sein Streak, also mehrere Tage Training nicht unterbrechen. Und danke für die Medaillen und den Applaus vom Bund und das Konfetti. Aber ich bin mir sicher, das würde klüger gehen, das könnte man besser implementieren und da würde mehr gehen. Persönlich hatte ich am meisten Spaß mit Gymondo. Dieses knallige, leicht überdrehte war ganz witzig. Aber echte Menschen beim Training zu haben, da hat mir doch dann irgendwie was gegeben.

Trotzdem haben Fitcoach und Workouts ganz klare Vorteile. Der Drill ist härter und man hat klare Ziele und viel bessere Möglichkeiten, seine Erfolge und seinen Fortschritt zu tracken. Die Motivation, um die Apps regelmäßig zu nutzen, muss man aber leider immer noch selber mitbringen. Aber dann sind alle drei Kandidaten geeignet, denn trotz guter Vorsätze, Sport kann man eigentlich auch das ganze Jahr machen. Ich zumindest leg mich jetzt drei Tage in die Eistonne. Kommt ihr gut durch die Woche. (xkr)