KI als Sprachtrainer: Drei Apps im Test
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Ihr wollt eine Sprache lernen, habt aber niemanden, mit dem ihr die Sprache üben könnt? Warum nicht mit KI sprechen – die steht immer zur Verfügung. Immer mehr Anbieter bringen Tools auf den Markt, die helfen sollen, durch Konversation mit KI-Charakteren Sprachen zu lernen.
Wir haben drei solche Tools getestet, mit denen man Dialoge führen kann, ohne dafür ein menschliches Gegenüber zu brauchen. Wo die Vor- und Nachteile dieser Tools liegen, erfahrt ihr jetzt.
Sprachen lernen mit KI
2024 habe ich mit einer KI angefangen, Spanisch zu lernen. Das hat insgesamt gut funktioniert. Dazu gibt es bereits ein Video.
Heute, im Jahr 2025, lerne ich neben Spanisch noch Japanisch. Früher habe ich auch mal Schwedisch geübt; das würde ich auch gerne wieder auffrischen. Sprachkurse dafür werden in meiner Nähe gerade nicht angeboten und wären auch nicht ganz günstig. Ich habe auch weder Schweden noch Japaner in meinem Bekanntenkreis. Kurzum – ich werde wieder auf künstliche Intelligenz zurückgreifen.
Natürlich ist das Lernen mit einer KI nicht das Gleiche wie mit menschlichen Muttersprachlern. Aber die künstliche Intelligenz kann helfen, mehr zu sprechen. Und ich blamiere mich nicht vor anderen, wenn ich mal etwas Falsches sage.
Die Apps
Wir haben für unseren Vergleich drei der meistgenutzten Apps getestet, deren Fokus auf der Konversation liegt. Also keine lektionsbasierten Kurse wie bei Duolingo, Babbel und Co., bei denen Sprechübungen eher selten sind. Die Programme laufen sowohl unter Android und iOS, als auch am Rechner über einen Browserzugang.
Die Apps Langotalk (Android / iOS / Browser), TalkPal (Android / iOS / Browser) und Univerbal (Android / iOS / Browser) gehören mit Bewertungen von 4,4 von 5 Sternen und höher zu den bestbewerteten Apps im Feld der KI-Sprachtrainer.
Das Layout der Apps ist auf den Handybildschirm optimiert; beim Browserzugriff ist die Anzeige auf das Breitbild des Monitors angepasst. Bei TalkPal und Univerbal sind die Funktionen in der App und am Rechner allerdings die gleichen. Bei Langotalk bietet der Zugang über den Browser eine leicht abgespeckte Variante. Möchtet ihr den vollen Umfang genießen, nutzt ihr besser die App.
Funktionsumfang
Was die Funktionen angeht, liegt der Fokus der drei Apps auf dem Dialog. Es soll sich natürlich und menschlich anfühlen, wenn man mit den KI-Charakteren spricht. Das funktioniert am Handy über das integrierte Mikrofon, wie bei einem Anruf oder einer Sprachnachricht. Am Rechner muss ein Mikrofon angeschlossen sein, um die Programme zu nutzen.
Neben dem Dialog gibt es allerdings auch weitere Funktionen, die die drei Apps bieten.
Langotalk
Bei Langotalk könnt ihr Gespräche zu unterschiedlichen Themen mit verschiedenen KI-Charakteren führen. Bücher, Filme, Sport oder Politik – für jeden dürfte hier was dabei sein. Dabei ist die KI nicht ganz auf dem heutigen Stand. Den Film "The Brutalist" kennt Langotalk beispielsweise nicht. "Oppenheimer", den Oscar-Gewinner von 2024 allerdings schon. Nutzt ihr die Smartphone-App, könnt ihr euch neue KI-Chatpartner wie bei einer Dating-App auswählen. Ihr seht verschiedene Charaktere mit einer Kurzbio, die ihr mit einem Swipe nach links oder rechts ablehnt oder für einen Chat hinzufügt.
Ihr habt auch Zugriff auf Lektionen. Die bieten eine große inhaltliche Vielfalt. Von einfachen Themen, wie der Begrüßung, über Alltägliches, wie einen Restaurantbesuch, bis hin zu – sagen wir mal – speziellen Themen wie japanisches Bondage. Das kommt daher, dass User selbst Lektionen erstellen können und diese der Community zugänglich machen.
Es gibt auch Lernkurse, die in aufsteigender Schwierigkeit Sprachkenntnisse vermitteln sollen. Bei den meisten Sprachen besteht so ein Kurs jedoch nur aus einem Chat mit der KI. Manche Sprachen – beispielsweise Spanisch – bieten zusätzlich noch Grundlagenkurse. Hier lernt man tatsächlich hilfreiche Grammatik, Phrasen und Vokabeln.
Ähnlich wie bei bekannten Plattformen wie Duolingo wird auch hier euer Fortschritt getrackt und mit Gamification-Elementen versehen. Das soll als Anreiz dienen, regelmäßig die App zu nutzen.
TalkPal
TalkPal bietet eine Vielzahl an verschiedenen Gesprächsmodi. Textchat, Dialog, Bildbeschreibungen oder auch Unterhaltungen mit berühmten historischen und fiktiven Charakteren. So kann man zum Beispiel auf Schwedisch mit dem nordischen Gott Thor über American Football sprechen – und dabei erwähnen, dass das beste Team natürlich die Minnesota Vikings sind.
Oder ihr könnt mit der KI eine Debatte führen, ob die Vier-Tage-Woche sinnvoll ist oder ob künstliche Intelligenz eine Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellt. Das bietet viel Abwechslung und gestaltet das Sprachenüben interessant.
Lektionen oder einen geplanten Lernablauf gibt es in dem Sinne nicht.TalkPal schlägt zwar jeden Tag verschiedene Optionen vor, strukturiertes Lernen findet hier aber kaum statt. Am ehesten bietet noch der "Satzmodus" eine Form von Lektionen. Hier wiederholt ihr Sätze, die für ein gewähltes Szenario praktisch sind. Beispielsweise Sätze für den Restaurantbesuch oder einen Termin beim Arzt. Grammatik oder Satzstruktur werden dabei jedoch nicht erklärt. Der Fokus liegt bei TalkPal somit eher auf unterhaltsamen Szenarien, die das Sprechen spaßig und abwechslungsreich gestalten sollen. Eure Lernstatistiken könnt ihr auch einsehen, also wie lange ihr schon eine Sprache lernt oder wie viele Tage ihr bereits am Stück lernt, ein Punktesystem, Ranglisten oder Ähnliches gibt es hier allerdings nicht.
Univerbal
Univerbal versucht, einen ganzen Sprachkurs inklusive Studienplan für Nutzer zu gestalten – angepasst an deren Niveau und ihre Interessen. Startet man mit einer neuen Sprache, kann man Lieblingsthemen angeben und Wünsche, was man gerne lernen möchte. Entsprechend baut Univerbal einen Kurs, der individuell angepasst ist. Das kommt denjenigen entgegen, die sich etwas Struktur beim Sprachenlernen wünschen.
Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass die KI in den Lektionen hin und wieder Fehler macht. Bei einer Übung auf Spanisch sollte ich den Satz mit einer von drei Antwortmöglichkeiten komplettieren. Leider hat grammatikalisch keine dieser drei Optionen gepasst und der "korrekte" Satz war schlichtweg falsch. Übersetzt würde das heißen: "Ich habe Jahre, ich habe zehn und ich spiele Fußball.", statt "Ich bin zehn Jahre alt und spiele Fußball.".
Auch werden in den Lektionen die verwendeten Vokabeln nicht vorher erklärt. Wenn man mit diesen Vokabeln dann einen Satz bilden soll, gestaltet sich das äußerst schwierig. Die Lektionen sind somit nur mit Vorkenntnissen gut zu meistern.
Gesprächsqualität
Wir haben verschiedene Sprachen mit den KIs getestet. Englisch, Spanisch, Schwedisch und Japanisch. Der Wechsel zwischen Sprachen stellt kein Problem dar und funktioniert bei allen drei Anbietern unbegrenzt.
Langotalk
Die Gespräche mit Langotalk laufen größtenteils sauber. Die Spracherkennung funktioniert in allen getesteten Sprachen gut und die Ladezeiten sind kurz. Ihr könnt einzelne Begriffe anklicken, um ihre Übersetzung zu erfahren.
Langotalk gibt euch während der Gespräche Anmerkungen zu euren Sätzen. Etwa zu grammatikalischen Fehlern oder wo eine andere Formulierung eleganter wäre. Die könnt ihr aber auch ignorieren, wenn ihr den Gesprächsfluss gerade nicht aufhalten wollt.
Hin und wieder kommt es bei Langotalk zu kleinen Fehlern in der Anzeige. Mitunter wurden uns in einem spanischen Dialog unsere Sätze auf Japanisch ausgespielt; vermutlich weil wir eben erst zwischen den Sprachen gewechselt haben. Auch bei der Textausgabe kam es gelegentlich zu Problemen. Insgesamt sind diese Fehler aber eher selten und daher verschmerzbar.
Ein Manko von Langotalk: Die Oberfläche kann man nur auf Englisch verwenden. Gebe ich als Muttersprache Deutsch an, werden die Texte in den Gesprächen zwar auf Deutsch übersetzt, Menüführung und Buttons sind dennoch immer englisch. Für die meisten Leute dürfte das zwar kein Dealbreaker sein, dennoch ist es ein Nachteil gegenüber den anderen beiden Programmen.
TalkPal
Auch bei TalkPal funktioniert die Spracherkennung mit wenigen Ausnahmen gut und die Dialoge laufen flüssig. Bei TalkPal erhaltet ihr in Gesprächen ebenfalls Verbesserungsvorschläge. Teils sind die etwas kleinlich oder korrigieren die Rechtschreibung oder Zeichensetzung, die man mit der Aussprache aber nicht zwangsweise beeinflussen kann.
Ein Nachteil bei Gesprächen mit TalkPal ist, dass man nicht die Übersetzung einzelner Wörter anzeigen kann. Nur die Übersetzung ganzer Sätze. Das macht es mitunter schwierig, neue Begriffe zu lernen und zu wissen, welcher Satzteil was bedeutet. Das machen Langotalk und Univerbal besser.
Eine Besonderheit von TalkPal: Nutzt ihr den Sprachchat, könnt ihr eure Aussprache bewerten lassen. Eine nette Idee; wirklich zuverlässig funktioniert das allerdings nicht. In unseren Tests konnten wir Sätze absichtlich sehr unsauber aussprechen und haben eine Bewertung von über 90/100 Punkten erhalten.
Univerbal
Die Spracherkennung bei Univerbal schwächelt im Vergleich zu den anderen beiden Apps öfter. Gerade, wenn man beim Sprechen zwischen Sprachen wechselt oder auch einen Eigennamen in einer anderen Sprache sagt, macht Univerbal Fehler. Sieht man darüber hinweg, läuft der Dialog mit der KI in Ordnung und ohne zu lange Ladezeiten.
Auch Univerbal gibt in der Konversation Hinweise auf Fehler und macht Verbesserungsvorschläge. Gelegentlich korrigiert das Tool unsere Zeichensetzung. Wenn wir per Spracheingabe mit der KI kommunizieren, setzen wir allerdings die Zeichen nicht selbst. In so einem Fall sieht man dann eine Fehlermeldung, obwohl man selbst alles richtig gemacht hat.
Bei Univerbal kann man, wie auch bei Langotalk, einzelne Begriffe anklicken, um ihre Bedeutung anzuzeigen. Allerdings ist das Tool hier etwas unzuverlässig. Einerseits funktioniert das nur mit der zuletzt gegebenen Antwort der KI, andererseits klappt selbst das nicht immer. Manchmal sind die Wörter nicht einzeln übersetzbar. Versteht man den Satzbau aufgrund der Begriffe nicht, ist das ärgerlich.
Eine Besonderheit bei Univerbal: Startet ihr eine neue Sprache, kommt zunächst ein kurzer Einstufungstest. In einem simplen Dialogszenario beantwortet ihr einige Fragen. Je nach Niveau der Antworten wird man auf ein Sprachlevel geschätzt. Die Idee ist gut, funktioniert allerdings nur bedingt zuverlässig. Die Einstufung der KI ist oft sehr niedrig; meist Sprachlevel A1 oder A2. Bei Sprachen, die ihr kaum beherrscht, mag das zutreffen. Aber selbst bei fließendem Englisch ohne grobe Fehler wählt die App wiederholt ein Level von A2 bis B1. Sogar als wir testweise unser Deutsch haben einstufen lassen, kam nur Level B1 dabei heraus.
Hindernis Schriftbild
Ein Punkt, bei dem die drei Apps schwächeln: Bei Sprachen mit einem anderen Schriftbild als unserem, treten manchmal Schwierigkeiten auf. Vor allem einige asiatische Sprachen – in unserem Fall Japanisch – verwenden mitunter Schriftzeichen, die nicht für einen Laut stehen, sondern für eine Bedeutung. Diese Schriftzeichen haben dann im Japanischen nicht nur eine Art der Aussprache, sondern mehrere.
Hier kommt die künstliche Intelligenz hin und wieder durcheinander und schreibt eine falsche Aussprache zu den Schriftzeichen. Die Sprachausgabe hat in unserem Test meist die richtige Aussprache gewählt. Beim Nachlesen können hier allerdings Missverständnisse entstehen, die das Lernen erschweren.
Ein Beispiel: Dieses Schriftzeichen "好" steht im Japanischen für "mögen/gefallen". Die Aussprache des Symbols variiert allerdings – je nach Kontext, in dem man es verwendet. In diesem Kontext hier spricht man es "su" aus. Univerbal schreibt hier aber als Aussprache "ko" über das Symbol. In diesem Kontext die falsche Aussprache.
Sprachen und Preis
Langotalk hat aktuell 24 Sprachen im Angebot. Ihr könnt es 7 Tage kostenlos testen, wenn ihr danach ein Jahresabo abschließt. Innerhalb der 7 Tage könnt ihr aber noch stornieren. Wenn ihr alle drei Monate zahlt, kostet das 15 Euro pro Monat. Ein Abo mit monatlicher Laufzeit gibt es nicht. Langotalk bietet dafür als einziges der drei getesteten Tools einen Zugang auf Lebenszeit an. Der kostet 140 Euro.
TalkPal hat mit aktuell 57 Sprachen die größte Auswahl im Vergleich. Ihr könnt es 14 Tage kostenlos testen. Danach kostet die Nutzung bei monatlicher Zahlung 15 Euro pro Monat. Bei längeren Zahlungsintervallen wird das Abo günstiger. Es gibt auch einen kostenlosen Basic-Zugang. Der erlaubt immerhin 10 Minuten Gesprächszeit pro Tag. Allerdings könnt ihr hier nur die Basischat-Funktion nutzen.
Univerbal bietet momentan 23 Sprachen an und ihr könnt es 7 Tage kostenlos testen. Danach kostet die Nutzung bei monatlicher Zahlung 15 Euro pro Monat. Bei längeren Zahlungsintervallen wird das Abo günstiger.
Ein wichtiger Hinweis: Die Preise, die wir euch genannt haben, gelten nur für den Kauf im Browser. In der jeweiligen App sind die Preise etwas höher.
Fazit
In unseren Tests haben alle drei Programme grundlegend ordentlich funktioniert. Spracherkennung und -ausgabe funktionieren größtenteils sauber und flüssig; Langotalk und TalkPal schneiden hier noch ein Stück besser ab als Univerbal. Bei den verschiedenen Funktionen der KI-Tools kommt es sehr auf die persönliche Präferenz beim Sprachenlernen an.
Langotalk bietet eine breite Auswahl an Gesprächsthemen mit den KI-Charakteren. Lernkurse und die Lektionen, die auch von der Community hinzugefügt werden, versorgen euch mit stets neuen Themengebieten.
Für die größte Abwechslung, was Gesprächsmodi angeht, und auch ausgefallene Funktionen wie das Sprechen mit fiktiven Figuren oder Bildbeschreibungen empfehlen wir TalkPal. Hier müsst ihr jedoch im Dialog auf die Übersetzung einzelner Wörter verzichten.
Univerbal bietet mit dem personalisierten Studienplan zwar ein tolles Feature, die Umsetzung hakelt jedoch hin und wieder noch. Einerseits wegen der etwas schwächeren Spracherkennung, andererseits wegen der fehlerhaften Übungen.
Abschließend müssen wir sagen, dass wir die drei Apps nicht für absolute Spracheinsteiger empfehlen, die noch kein Wort in der Zielsprache können. Eine einfache, logische Einführung in die Sprachen bietet keine der drei Optionen so wirklich. Beherrscht man schon einige Grundlagen oder verwendet die Tools als Unterstützung fürs Sprechen üben, helfen sie allemal.
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