Neue Autos 2026: Die große E-Welle

Der Absatzkrise auf dem europäischen Markt treten die Hersteller mit einer Reihe von frischen Modellen entgegen. Ihre Chancen sind höchst unterschiedlich.

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Volvo EX60

(Bild: Volvo)

Lesezeit: 24 Min.
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Krisenstimmung, Absatzflaute, trübe Aussichten, rigide Sparpläne samt Arbeitsplatzabbau: Die Autoindustrie hat ein vielstimmiges Wehklagen angesetzt. Zum Redaktionsschluss dieses Beitrags lässt sich allerdings festhalten, dass in den ersten elf Monaten minimal mehr Neuwagen in Deutschland abgesetzt wurden als im Vorjahreszeitraum. Nun könnte man sagen, 2024 ist wirklich nicht als Boomjahr in Erinnerung geblieben. Der komplette Absturz blieb allerdings aus, obwohl der Staat Milliarden an Subventionen aus dem Markt gestrichen hat, Stichwort „Wegfall der E-Auto-Kaufunterstützung“.

Bis Ende November wurden hierzulande 2.611.152 Autos erstmals zugelassen, im Vorjahreszeitraum waren es 2.592.610. In der Übersicht finden Sie im Titel die Zulassungszahlen 2025 und 2024, jeweils bis Ende November. Die Zahlen für das Gesamtjahr folgen erst im Januar 2026. Wie nicht anders zu erwarten, lief das Jahr 2025 für die Hersteller recht unterschiedlich. Heftiger Ausreißer nach oben war die Marke BYD, die fast 20.000 Autos absetzen konnte. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum nur etwas mehr als 2000. Bei Tesla waren es dagegen nur noch 17.358 statt 33.669 im Vorjahreszeitraum. Die Überarbeitungen von Model 3 und Model Y haben für keine Belebung der Nachfrage gesorgt oder kompensieren können, was Elon Musk auf anderen Bühnen produziert hat.

2026 könnte es beim Autoabsatz insgesamt in Deutschland weiter nach oben gehen. Die Renaissance der staatlichen Kaufunterstützung für Elektroautos wird dazu beitragen, die Welle an nicht mehr ganz so teuren, neuen Elektroautos unter anderem von Volkswagen vermutlich auch. Unsere Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr haben wir uns bemüht, die wichtigsten Modelle zusammenzutragen.

Die Marke Audi hat fraglos keine einfachen Zeiten hinter sich, gut sichtbar unter anderem an der Schließung des kleinen Standorts Brüssel. Die Aussichten sind angesichts dessen, was BMW und Mercedes als direkte Konkurrenten unter viel Beachtung im kommenden Jahr auffahren, auch nicht zwingend besser. Für die Märkte in Asien und Nordamerika sind die Weltpremieren von Q7 und Q9 sicher von gehobener Bedeutung, für den europäischen Raum bei den Absatzzahlen dagegen kaum. Wichtiger dürfte die umfassende Modellüberarbeitung des Q4 e-tron werden. Wie beim ID.4 plant der Volkswagen-Konzern auch hier einen tiefen Eingriff ins Design.

Das E-SUV Q4 e-tron wird Mitte des Jahres vor allem optisch verändert. Die Spitzenwerte bei Ladeleistung und Energiegehalt dürften leicht steigen.

(Bild: Audi)

In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Projekt A2 e-tron zu einem Serienmodell verdichten. Wir erwarten technisch einen ID.3, der optisch allerdings eigenständig auftreten wird. Die Premiere ist wohl noch 2026, die Auslieferung beginnt aber ziemlich sicher erst 2027.

BMW konnte seine Absatzzahlen in Deutschland im vergangenen Jahr leicht steigern. Die Marke ist solide im Geschäft, die Modelle finden offenkundig Anklang. Mit dem iX3 wurde im Spätsommer 2025 der erste Vertreter auf Basis der „Neuen Klasse“ vorgestellt. Zunächst ist nur das vorläufige Topmodell zu bestellen, und die Nachfrage scheint gewaltig zu sein. Nicht in jedem Fall kann eine Auslieferung noch 2026 garantiert werden. BMW dürfte also vorerst keine Eile an den Tag legen, um die etwas weniger teuren Versionen nachzuschieben.

BMW kommt derzeit mit der Produktion des iX3 kaum hinterher: Wer jetzt bestellt, wird nur im Ausnahmefall noch in diesem Jahr sein Auto bekommen.

(Bild: BMW)

Für das dritte Quartal ist die Doppelpremiere des kaum noch wiederzuerkennenden Dreiers mit Verbrenner und der i3-Limousine vorgesehen. Mit beiden will BMW jene verbliebene Kernklientel ansprechen, die mit dem Format SUV fremdelt. Der i3, der ab 2027 auch als Kombi ins Sortiment einzieht, dürfte je nach Version 80 bis 100 kWh Energiegehalt mitbringen und Spitzen-Ladeleistungen von mehr als 300 kW bieten. Ohne ein tiefgreifendes Update ist der i4 (Test) damit technisch in den Schatten gestellt.

Am Jahresende stellt BMW noch den iX4 vor, der vermutlich wieder ein optisch polarisierendes SUV-Coupé wird. Zwischendurch werden 7er und i7 (Test) überarbeitet, gut möglich, dass BMW hier optisch etwas abrüstet. Zumindest erste Bilder der Modellpflege des 5ers erwarten wir ebenfalls 2026, beim Händler dürften Limousine und Kombi aber erst 2027 stehen. Der iX1 gehört trotz stolzer Preise und eher mittelmäßiger Reiseeigenschaften in Bezug auf Reichweite und Ladeleistung zu den derzeit zehn gefragtesten Elektroautos in Deutschland. Sollte sich in dieser Hinsicht eine Änderung abzeichnen, würde BMW wohl zunächst bei der Batterie nachlegen. Es ist durchaus vorstellbar, dass der iX1 im kommenden Jahr ein Akku-Upgrade auf rund 80 kWh bekommt, und sei es nur optional.

Es mag einige chinesische Autohersteller geben, die vom europäischen Markt rasch wieder verschwinden, so sie es überhaupt zu uns schaffen. Der Riese BYD aber wird ziemlich sicher bleiben. Der Absatz in den ersten elf Monaten hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als versiebenfacht. Auf die von der EU verhängten Zölle auf Elektroautos aus China hat BYD rasch reagiert. Der Atto 2 wird ab 2026 auch als Plug-in-Hybrid verkauft. Das kompakte SUV wird als E-Auto zudem mit auch mit einer vergrößerten Batterie angeboten, die sich schneller laden lässt. Geht BYD noch die im Test angemerkten Software-Schwächen an, hat das Auto gute Chancen, sich am Markt zu etablieren.

Das E-SUV Atto 2 wird nun auch mit einer größeren Batterie angeboten, die sich schneller laden lässt.

(Bild: Christoph M. Schwarzer / heise Medien)

Der etwas größere Atto 3 wird leicht überarbeitet, auch hier dürfte sich der Hersteller bemühen, den ein oder anderen Patzer bei der Software zu beseitigen. Der ID.3-Konkurrent Dolphin spielte bislang in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Eine Modellpflege im Sommer soll ihm mehr Resonanz verschaffen.

Neue Autos hat Citroën im kommenden Jahr nicht im Plan. Stattdessen bekommt der ë-C5 Aircross als „Long Range“ eine fast 100 kWh große Batterie, die dann endlich auch eine Vorkonditionierung der Batteriezellen mitbringt. Damit lässt sich die maximale Ladeleistung von 160 kW auch im Winter halbwegs zuverlässig nutzen, sofern die Warmlaufphase lang genug ist. Mit wesentlich weniger als 50.000 Euro Einstiegspreis sollten Interessenten für diese Version allerdings nicht rechnen.

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Dacia ist in Europa vor allem unter privaten Neuwagen-Käufern erfolgreich. Das liegt nahe, wobei auch hier die gehobenen Ausstattungslinien eher gefragt sind als die Versionen, deren Preise durch Werbung immer wieder öffentlichkeitswirksam in den Fokus geschoben werden. 2026 hat die zum Renault-Konzern gehörende Marke kein komplett neues Modell, allerdings einige Überarbeitungen geplant. Sandero und Jogger sind gleich zum Start des Jahres mit einer Modellpflege dran, auch der Duster wird ein wenig aktualisiert. Neu beim Bigster wird die Kombination aus Allradantrieb und Autogas. Dacia ist momentan der einzige Hersteller, der LPG ab Werk überhaupt noch anbietet. Es deutet nichts darauf hin, dass sich das absehbar ändert. Immerhin scheint die Nachfrage bei Dacia groß genug zu sein, um das Angebot auszuweiten.

Kein anderer Hersteller bietet derzeit auf dem deutschen Markt ab Werk in einem Pkw einen Gasantrieb an. Das Angebot im Dacia Bigster soll sogar noch ausgebaut werden.

(Bild: Dacia)

Auch das kleine Elektroauto Spring wird leicht überarbeitet. Es bleibt sich dabei treu, ein minimaler Preis ist unverändert der wichtigste Anziehungspunkt. Um den Preis bei steigenden Kosten halten zu können, wird die Zellchemie der Batterie von NMC auf LFP umgestellt. Sie fasst nur noch 24,3 kWh. Dafür steigt die DC-Ladeleistung von 30 auf 40 kW. Kräftig angehoben hat Dacia auch die Leistung der Antriebe, die auf 53 und 75 kW klettert.

Ford hat in den ersten elf Monaten 2025 mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. Die meistverkauften Modelle waren Focus, Kuga und Puma. Der Focus wurde im November eingestellt, der Kuga (Test) befindet sich im Spätherbst seiner Bauzeit und der Puma als Elektroauto ist eine Verlegenheitslösung. Fords Problem ist, dass die Marke die Stammkundschaft vorerst nur noch eingeschränkt bedienen kann. Explorer, Capri und Puma werden 2026 leicht überarbeitet, doch größere Impulse dürfte das kaum auslösen. Ford hat eine Durststrecke vor sich, und die wird sehr hart. Erst Anfang 2028 soll das erste von zwei bei Renault produzierten Elektroautos auf den Markt kommen. Überrascht die Marke nicht noch mit einem Modell, das wir nicht auf dem Schirm haben, liegen vor den Händlern zwei Jahre, an deren Ende es nicht mehr alle Vertretungen geben wird.

Der Puma GenE soll 2026 noch besser werden, verspricht Ford. Doch die offizielle Preisliste beginnt erst bei 36.900 Euro. Das ist auf dem Markt mit einem 4,2-m-SUV und 43 kWh in der Batterie nicht zu erzielen. Das weiß auch Ford und räumt großzügige Rabatte ein.

(Bild: Ford)

Bis in die 1990er-Jahre stand der Name Prelude für ein elegantes Sportcoupé. In Deutschland wurde der Verkauf Ende 2000 eingestellt. Ein neuer Prelude geht 2026 an den Start, dieses Mal mit einem meist seriellen Hybridantrieb: Der Verbrenner dient hier vorrangig als Antrieb für den Generator. Der liefert den Strom für den E-Motor, der das Auto antreibt. Ein solches Konstrukt kann den Spritverbrauch auf ein ziemlich niedriges Niveau drücken. Man darf gespannt sein, wie das von der Zielgruppe aufgenommen wird, denn ein besonders niedriger Verbrauch dürfte hier meist als nachrangig wichtig erachtet werden. Der Preis von mindestens knapp 50.000 Euro wird dem Auto, wohlwollend formuliert, zusätzlich eine hohe Exklusivität sichern.