Vom Coding zur Flugbegleiterin: Was aus Apples Diversitäts-Initiative wurde

Seit 2021 bildet Apple in Detroit iOS-App-Entwickler aus. Eine Untersuchung zeigt nun: Die Erfolgsquote ist gemischt.

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Ein kleines Glas mit MĂĽnzen, auf dem ein aus Pappe nachgebildeter Graduierten-Hut liegt, auf einem Stapel SchulbĂĽcher. Im Hintergrund eine Schultafel.

(Bild: ITTIGallery/Shutterstock.com​)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Sie sollte unterrepräsentierte Bevölkerungsschichten fördern und ihnen einen Zugang in die Tech-Welt gewähren. Doch nach vier Jahren Apple Developer Academy in Detroit (USA) zeigt sich ein gemischtes Bild: 71 Prozent der Absolventen finden nach Recherchen des US-Magazins Wired zwar Vollzeitjobs, allerdings nicht immer in der Softwareentwicklung. Das kostenlose zehnmonatige Programm hat bislang über 1700 Teilnehmer aufgenommen, rund 600 haben abgeschlossen.

Die im Jahr 2021 von Apple an den Start gebrachte Akademie ist Teil eines 200-Millionen-US-Dollar-Pakets und richtet sich gezielt an Menschen aus Detroit, der ärmsten Großstadt der USA, und will Diversität in der Tech-Branche fördern.

Die Finanzierung ist eine Gemeinschaftsleistung: Über vier Jahre flossen rund 30 Millionen US-Dollar. Apple steuerte 11,6 Millionen US-Dollar bei, die Gilbert Family Foundation und die MSU Credit Union mehr als 9,4 Millionen US-Dollar. Steuerzahler und Studiengebühren trugen 2,6 US-Millionen Dollar bei, hinzu kommen 6 Millionen US-Dollar staatliche Stipendien. Pro Teilnehmer entstehen Kosten von etwa 20.000 US-Dollar – Geräte wie iPhones und MacBooks inklusive.

Das Programm läuft von August bis Juni, 20 Stunden pro Woche sind davon in Präsenz abzuleisten. Teilnehmer lernen Swift-Programmierung, UI/UX-Design, Projektmanagement und Marketing. Besonders hervorzuheben: Die Academy integriert mittlerweile generative KI-Tools. Teilnehmer dürfen Code-Generatoren nutzen, müssen den erzeugten Code aber verstehen und erklären können. Workshops zu Vision Pro und Apple TV gehören ebenfalls zum Curriculum.

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Die Abschlussquote von 70 Prozent liegt laut Sarah Gretter, Leiterin der Academy bei der Michigan State University, ĂĽber dem Durchschnitt fĂĽr Erwachsenenbildung. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 30 Jahren, die Spanne reicht von 18 bis ĂĽber 70. Auf Tausende Bewerbungen kommen aber nur wenige Hundert Zusagen.

Doch wer einen der Plätze erhält, landet am Ende trotzdem nicht unbedingt in der Tech-Branche. Wired berichtet von Absolventen, die heute an der Genius Bar im Apple Store, als QA-Tester bei einem Start-up oder als Einzelentwickler arbeiten. Aber es gibt auch Fälle wie den der 25-jährigen Lizmary Fernandez, die keinen Job in der Softwareentwicklung fand und heute als Flugbegleiterin arbeitet.

Sie berichtet davon, dass einige Teilnehmer Lebensmittelmarken beantragen mussten, weil sie mit dem monatlichen Stipendium von 800 bis 1500 US-Dollar nicht über die Runden kamen. Andere hätten einen oder mehrere weitere Jobs neben der Ausbildung.

Die starke Fokussierung auf iOS-Entwicklung ist laut einiger Befragter ein Nachteil. Absolventen berichten, dass fehlende Android-Kenntnisse den Jobzugang erschweren. Hinzu kommt, dass der Arbeitsmarkt für Einsteiger in der Softwareentwicklung derzeit ohnehin mit Problemen kämpft. Hierzu trägt unter anderem der immer stärkere Einsatz von KI-Tools in der Entwicklung bei.

Im August 2025 startete Apple eine zweite Academy in Detroit: Die Apple Manufacturing Academy richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen. Der Fokus liegt auf KI-gestützter intelligenter Fertigung – Machine Learning, Deep Learning, Automation und Datenanalyse. Das Programm ist Teil von Apples 500-Milliarden-US-Dollar-Investment in die US-Fertigung.

Die Developer Academy unterscheidet sich deutlich: Sie bildet Einzelpersonen in App-Entwicklung und Design aus, während die Manufacturing Academy Unternehmen bei der Produktionsoptimierung hilft. Beide Programme werden von der Michigan State University unterstützt.

Mit seiner Erfolgsquote platziert sich Apples Akademie nach Auskunft von Experten im oberen Mittelfeld: Der Forscher Quinn Burke attestiert der Apple Academy eine höhere Qualität als vielen kommerziellen Coding-Bootcamps. Die subventionierte, präsenzbasierte Ausbildung mit hochwertigen Geräten hebe sich von dreimonatigen Crash-Kursen ab. Allerdings liegt die Job-Platzierungsrate von 71 Prozent unter den 95 Prozent, die zum Beispiel Amy J. Ko von der University of Washington für ihr Undergraduate-Programm angibt. Typische Coding-Schools erreichen laut Ko weniger als 80 Prozent.

Seit Start der Academy 2021 ist der Anteil schwarzer Mitarbeiter im US-Tech-Team von Apple paradoxerweise von 6 auf 3 Prozent gesunken – trotz der 200-Millionen-US-Dollar-Initiative.

Gordon Shukwit, Senior Director bei Apple, betont, das Primärziel sei nicht allein die Job-Vermittlung, sondern die Entwicklung von Teamwork-, Forschungs- und Tech-Kenntnissen. Susan Prescott, Vice President Worldwide Developer Relations bei Apple, verweist auf 62 entwickelte Apps und 13 gegründete Firmen. Die Partnerschaft mit der Michigan State University soll fortgesetzt werden.

(mki)