Wine 11.0 entkorkt: Neue WoW64-Architektur ist fertig

Wine 11.0 ist verfĂĽgbar. Die Entwickler heben besonders die neue WoW64-Architektur sowie die UnterstĂĽtzung von Linux NTSync hervor.

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(Bild: BLACKDAY / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die „Windows-Ausführungsschicht“ Wine (is not an emulator) ist in Version 11.0 erschienen. Viele kleine Änderungen und Verbesserungen sind darin eingeflossen, insgesamt rund 6300 Einzeländerungen und mehr als 600 Fehlerkorrekturen.

In ihrer Versionsankündigung von Wine 11 heben die Entwickler insbesondere den Support für Linux-NTSync und die Fertigstellung der neuen WoW64-Architektur hervor. Letztere hat nun Funktionsparität mit dem alten WoW64-Modus erreicht und unterstützt etwa auch 16-Bit-Anwendungen. Alte WoW64-Installationen lassen sich im neuen WoW64-Modus nutzen, indem die Variable WINEARCH=wow64 gesetzt wird; das setzt voraus, dass der Prefix als 64-Bit erstellt wurde, was jedoch das Standardverhalten darstellt. Reine 32-Bit-Prefixe mit WINEARCH=win32 werden hingegen nicht mehr unterstützt. Den wine64-Loader haben die Programmierer rausgeworfen und einen einzigen wine-Loader erstellt, der den korrekten Modus anhand der ausgeführten Datei selbst auswählt. Bei Binärdateien mit 32- und 64-Bit-Versionen präferiert der Loader die 64-Bit-Fassung.

Wine 11 setzt auf das NTSync-Kernel-Modul von Linux, sofern es verfügbar ist, um die Performance von Synchronisierungswerkzeugen zu verbessern – es ist seit Linux-Kernel 6.14 Bestandteil. Die Prioritäten von Threads kann Wine nun unter Linux und macOS anpassen, wobei unter Linux die „nice“-Begrenzung greift. Auf ARM64-Systemen kann Wine nun 4k-Seitengrößen auf größeren Seitengrößen des Hostsystems simulieren, typischerweise von 16K oder 64K. Die Unterschiede lassen sich laut den Entwicklern jedoch noch komplett kaschieren, wodurch anspruchsvolle Software nicht korrekt laufen könnte – in diesen Fällen empfehlen sie die Nutzung eines Kernels mit 4K-Seitengröße.

In den WindowsCodecs gibt es nun viele Umwandlungen zwischen diversen Pixelformaten mehr, die unterstützt werden. Zudem haben die Programmierer Unterstützung für die Vulkan-API 1.4.335 ergänzt. Mehrere Erweiterungen und Verbesserungen betreffen OpenGL. Nachdem die letzte Wine-Version standardmäßig auf Wayland umgeschwenkt ist, verbessert Wine 11 noch mal die Integration in X11-Window-Manager. Exkusiver Vollbildmodus wird nun unterstützt und der D3D-Vollbildmodus verbessert. Der Wayland-Treiber kann jetzt auch mit der Zwischenablage umgehen.

Mit „Vulkan Video“ haben die Programmierer Hardware-beschleunigte H.264-Video-Dekodierung mittels Direct3D-11-Video-APIs umgesetzt. Dafür muss natürlich der Vulkan-Renderer genutzt werden.

Diverse weitere Korrekturen und Verbesserungen listet die Versionsankündigung auf. Sie betreffen etwa die Direct3D-Hilfsbibliotheken, Eingabe- respektive HID-Geräte, Bluetooth, Scanner-Unterstützung (etwa Untestützung für die TWAIN-2.0-API, womit 64-bittige Apps scannen können), Mutlimedia und DirectMusic, die Mono-, .Net- und WinRT-Umgebungen, Internet/Netzwerk, Datenbanken, mitgelieferte Apps oder verbesserte Internationalisierung.

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Wine 11 steht als Quellcode-Tarball zum Herunterladen bereit. Die Wine-Entwickler stellen jedoch auch fertig kompilierte Binärpakete auf einer eigenen Download-Seite zur Verfügung.

Vor etwa einem Jahr erschien Wine 10.0. Dort fanden die Programmierer der Ausführungsschicht für Windows-Programme den standardmäßig aktivierten Wayland-Support und das FFMPEG-Backend die wichtigsten Neuerungen.

Siehe auch:

  • Wine bei heise download

(dmk)