Elektroauto-Förderung: Zahlen des Statistikamts hinter der sozialen Komponente

Nach Zahlen des Statistikamts sind E-Autos meist in Händen von Haushalten mit hohem Einkommen. Die Förderung soll weniger bemittelten den Einstieg erleichtern.

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Elektroauto Dacia Spring

Elektroauto Dacia Spring (Test)

(Bild: Florian Pillau / heise Medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mehr Geld im Haushalt erhöht die Wahrscheinlichkeit für den Kauf eines Elektroautos. Diesen angesichts meist höherer Preise und einem knappen Gebrauchtwagenangebot für Elektroautos wenig überraschenden Zusammenhang belegt eine aktuelle Analyse des Statistischen Bundesamts auf Basis von Daten aus dem Jahr 2023. Sie unterstreicht die Bedeutung der sozialen Komponente der neuen Elektroauto-Förderung, die Privatpersonen ab Anfang 2026 für Kauf oder Leasing eines neuen Elektroautos oder Plug-in-Hybride (BEV oder PHEV) gewährt wird.

Von den insgesamt sechs Prozent der Halter solcher (teil)elektrischer Fahrzeuge waren 2023 lediglich 1,3 Prozent Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnetto unter 2600 Euro. Zwischen 2600 und 3600 Euro waren es 3,5 Prozent, bei 3600 bis 5000 Euro 5,4 Prozent. Bei einem Netto von über 5000 Euro waren bereits 13,4 Prozent mit einem oder mehreren BEV oder PHEV versorgt.

Was Elektroautos kosten

Dass ein gewisser Anteil Haushalte sich die zum Teil noch teureren Elektroautos nicht leisten kann oder möchte und gleichzeitig der Gebrauchtwagenmarkt wegen des knappen Angebots zeitgemäßer Fahrzeuge noch keine tragfähige Alternative ist, liegt auf der Hand. Die neu aufgelegte Kaufprämie setzt hier an und soll finanziell schwächer gestellte Haushalte stärker unterstützen. Die Förderobergrenze ist daher gestaffelt. Sie umfasst Haushaltseinkommen von bis zu 80.000 Euro. Die Basisförderung für ein batterieelektrisches Auto beträgt dann 3000 Euro, für ein PHEV 1500. Haushalte mit einem Jahreseinkommen von bis zu 60.000 Euro erhalten 4000 Euro, für ein PHEV 2000, solche mit 45.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen 5000 Euro Zuschuss für ein BEV und 2500 für ein PHEV.

Erste Hersteller wie Stellantis haben bereits reagiert und versuchen im Aufwind der Prämien mit Preissenkungen Kunden zu gewinnen. Eine Familie mit zwei Kindern in der geringsten Einkommensstufe kann dank der Fördersumme von 5000 Euro das günstigste Elektroauto am Markt, einen Dacia Spring, aktuell für 5900 Euro erwerben. Die Marke erlässt bis zum 28. Februar 2026 Privatkunden und Kleingewerbe 5000 Euro auf Fahrzeugpreis respektive Leasing- oder Finanzierungsangebot bei Zulassung bis zum 30. September 2026. Ganz nebenbei zeigt dieses Beispiel, dass die aktuellen Preise offenbar zum Teil noch eine Menge Spielraum bieten. Sollte die Prämie auf diesem Weg einen Wettbewerb lostreten, wäre das möglicherweise im Sinne weiterer Kundenkreise.

Gebrauchtwagen werden indes nicht gefördert. Verbände und Parteien kritisieren, dass damit ein großes Potenzial nicht berücksichtigt werde. Mit 48,5 Prozent besaß eine große Mehrheit mindestens ein neu gekauftes E-Auto oder einen neu gekauften Plug-in-Hybrid, einen entsprechenden gebraucht gekauften Wagen besaßen dagegen nur 15,2 Prozent der Haushalte.

Familien mit Kindern sind bereits überdurchschnittlich oft E-Auto-Käufer. Während nur 7,5 Prozent Paare ohne Kinder im Haushalt elektrisch fuhren, besaßen 11,5 Prozent der Paarhaushalte mit nicht volljährigen Kindern mindestens ein BEV oder PHEV. 10,6 Prozent aller e-mobilen Paare hatten ein Kind, 12,6 Prozent zwei und 10,7 Prozent drei und mehr Kinder. Der Gegensatz zu 2,2 Prozent BEV oder PHEV-Besitz unter allen Alleinlebenden ist hoch.

Dass Familien mit Kindern eine klimaschonende Fortbewegung unterstützen, liegt wohl vor allem am Alter dieser Personengruppe. Ihre in eine weitere Zukunft reichende Verantwortung dürfte zur Entscheidung beitragen. Die Förderung unterstützt die bei Familien ohnehin begehrten Autos. Pro Kind erhöht sich die Förderung um 500 Euro, maximal zwei Kinder werden berücksichtigt.

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Die Zulassungszahlen steigen in Deutschland steil: 2025 waren rund 30 Prozent aller neu zugelassenen Pkw BEV oder PHEV. Im Jahr 2024 hatten beide Antriebsarten zusammen 20,3 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland ausgemacht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 856.545 Pkw erstmals zugelassen, die zumindest ein paar Kilometer rein elektrisch fahren können. Darunter waren 545.142 BEV, die 19,1 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen des Jahres 2025 ausmachten, während es 2024 erst 13,5 Prozent waren. Für 2026 rechnet das Gewerbe mit 740.000 bis 800.000 BEV-Neuzulassungen. Letztere Zahl nannte auch die Bundesregierung bei der Vorstellung der Elektroautoförderung am 19. Januar. Mithilfe der vielen neuen Modelle, die demnächst erscheinen, scheint diese Schätzung nicht einmal unwahrscheinlich.

(fpi)