Federighi und Apples KI-Ambitionen: Pragmatismus statt Innovation?
Apples KI-Entwicklung: Ein langer Weg steht bevor. Softwarechef Federighi setzt auf pragmatisches Vorgehen und vermeidet große Ausgaben, so ein Bericht.
Apples Softwarechef Craig Federighi.
(Bild: Apple)
Auch nach der Neuaufstellung seiner Führungsstruktur im Bereich KI soll Apple laut einem neuen Bericht noch ein längerer Weg bevorstehen, bis das Unternehmen geeignete eigene große KI-Modelle entwickeln kann, die Apple von Google, OpenAI und anderen KI-Entwicklern unabhängig machen. Laut „The Information“ sollen einige Mitarbeiter sogar befürchten, dass unter der Regie von Softwarechef Craig Federighi eher ein pragmatischeres, vorsichtigeres Vorgehen zu erwarten ist, das stärker auf Hilfe von Partnern setzt, um Funktionen zügig zu liefern, und größere Ausgaben vermeidet.
Federighi gelte einigen im Unternehmen als Erbsenzähler, oder genauer gesagt: als Bananenzähler, weil er dermaßen auf Budgets für Gehälter und Ausgaben achte, dass er sogar die Obstkörbe für die Teams im Blick behalte. Zudem habe er sich in der Vergangenheit mehrfach skeptisch gegenüber KI-Funktionen gezeigt. Vorstöße, den Sperrbildschirm des iPhones per KI dynamisch zu gestalten oder eine neue Bedienoberfläche zu schaffen, seien an ihm abgeprallt. Federighi habe befürchtet, dass Nutzer die Orientierung verlieren könnten. Zudem bevorzuge er es, wenn Funktionen berechenbar zum gleichen Ergebnis führen – etwas, was mit KI schwerlich zu gewährleisten ist.
Federighi gegen zu hohe Gehälter
Erst eigene Versuche mit ChatGPT hätten bei ihm einen Sinneswandel eingeleitet. Federighi sei aber immer noch in der Frage konservativ geblieben, wie weit sich Apple bei der Entwicklung eigener Modelle aus dem Fenster lehnen sollte. Spitzengehälter für KI-Fachkräfte, die über denen des Managements bei Apple liegen, lehne er ab, obwohl diese branchenüblich seien.
Dass Apples langjähriger Senior Vice President für Software die KI nun zur Chefsache macht, hat primär damit zu tun, dass Apple seine gesteckten KI-Ziele sowohl zeitlich als auch funktionell nicht halten konnte. John Giannandra, den Apple von außen ins Unternehmen holte, wurden deshalb Zuständigkeiten weggenommen. Im Dezember gab er seine Position auf und wird im Frühjahr 2026 in den Ruhestand gehen. Branchenexperten sehen darin eher einen geräuschlosen Rauswurf. Apple nutzte die Gelegenheit, die Zuständigkeiten neu zu strukturieren. Amar Subramanya ist neuer Vice President für KI, doch sein Posten ist Federighi untergeordnet. Die Leitung des Siri-Teams ging an Mike Rockwell, der vorher das Vision-Pro-Team leitete.
Abkehr von bisheriger KI-Strategie
Statt weiterhin auf eigene Modelle zu setzen, die mit den großen Large Language Models (LLM) von OpenAI und Google nicht mithalten können, setzt Apple nunmehr unter Federighi auf eine milliardenschwere Kooperation mit Google und dem Einsatz von Gemini. Zudem gebe es Gespräche über eine Nutzung von Googles Cloud-Infrastruktur und deren KI-Beschleunigern (TPUs) für künftige Siri-Versionen. Apple erwäge gar eine deutliche Abkehr von seiner bisherigen Strategie, KI möglichst lokal auf den Geräten zu betreiben oder in einer stark geschützten Cloud-Umgebung, die Apple Private Cloud Compute nennt.
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Mehrere KI-Geräte in Planung
Die Spannungen erklärten auch den Weggang etlicher KI-Fachleute. Apple erwäge für seinen neuen Kurs den Kauf kleiner KI-Firmen mit Expertise in der Miniaturisierung von Modellen. Dies sei als Zeichen zu werten, dass Apple mittelfristig eher mit zugekauften Modellen arbeiten will, auch wenn die Arbeit an eigenen lokalen Modellen weitergehe. Vorrangiges Ziel sei, eine Reihe von KI-Geräten zu ermöglichen. Dazu zählten ein iPad-ähnliches Tischgerät und eine Art AI-Pin, die beide von einer KI-gestützten Siri abhängen.
(mki)