Xeon 600: Neue Workstation-Prozessoren mit aktueller Intel-Technik

Zunächst elf Xeon 600 ab 499 US-Dollar beerben Intels w2500/3500-Workstation-CPUs. Sie haben moderne Intel-Technik und optional rasanten MRDIMM-Speicher.

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Nackter Intel-Prozessor vor blauem Hintergrund

(Bild: Intel)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Intel steht durch AMDs Epyc- und Threadripper-Prozessoren unter Druck, will den Workstation-Markt aber nicht komplett der Konkurrenz überlassen. Der Hersteller knappst daher einige Chips aus der eigentlich ausgebuchten Serverproduktion ab und widmet sie für schnellere Workstations um, als mit den Vorgängermodellen auf Basis der Sapphire-Rapids-Architektur möglich waren.

Die neue Xeon-600-Reihe fuĂźt zwar auf der aktuellen Server- und Chiplet-Technik, ist aber fĂĽr Systeme mit nur einer Fassung und damit vorrangig fĂĽr Workstations gedacht. Die Prozessoren verwenden die Fassung LGA4710-2 und bringen zusammen mit dem W890-Chipsatz bis zu 4 TByte DDR5-6400-Speicher, 128 PCIe-5.0-Lanes, Wi-Fi 7 sowie CXL-2.0-Support mit. Wie bei Workstations ĂĽblich, setzen auch die Xeon 600 teure DDR5-Speichermodule vom Typ Registered-DIMM mit ECC ein.

Im Vergleich zu den Server-CPUs, die laut Intel in Workstation-Boards nicht starten und andersherum, fehlen ihnen vorrangig die Mehrsockelfähigkeit und die spezialisierten Beschleuniger-Schaltkreise Data Streaming Accelerator (DSA), In-Memory Analytics Aceelerator (IAA), QuickAssist (QAT) und Dynamic Load Balancer (DLB).

Sehr wohl vorhanden sind hingegen die Advanced Matrix Extensions (AMX), die sich besonders für KI-Anwendungen mit geringen Genauigkeitsanforderungen eignen. Sie haben auch die Verbesserungen der Architekturgeneration Redwood Cove aus dem Server erhalten und beherrschen jetzt nicht nur bfloat16, sondern auch das „echte“ 16-Bit-Gleitkommadatenformat FP16. Intel nutzt das in seinem Open Image Denoiser ab Version 2.4 und erzielt einen gigantischen Performance-Vorsprung von beinahe Faktor 4 gegenüber der älteren Version 2.3.1 – wie viel davon allerdings nur auf die AMX-FP16-Option zurückgeht, ist fraglich. Denn unser Test-Server spuckte per lscpu | grep amx nur die drei bekannten AMX-Flags amx_bf16, amx_tile und amx_int8 aus. Eine klärende Antwort Intels auf unsere Rückfrage hin steht noch aus.

Immerhin sollen die neuen Xeon 600 nicht nur 9 Prozent schneller im Singlethreading sein, sondern im Vergleich der Spitzenmodelle 698X gegen w9-3595X 61 Prozent mehr Multithreading-Performance haben. Das will Intel im Rendering-Benchmark Cinebench 2026 gemessen haben. Bei Blender sollen es gar 74 Prozent Mehrleistung sein und beim KI-gestĂĽtzten Upscaling in Topaz Labs Video immerhin 29 Prozent.

Auch dank neuerer Fertigungstechnik Intel 3 für das oder die Compute Dies bleibt die Thermal Design Power (TDP), also die spezifizierte elektrische Leistungsaufnahme, im selben Rahmen. Sie sinkt für das Topmodell sogar wieder leicht von 385 Watt beim Xeon w9-3595X auf 350 Watt für den Xeon 698X – die erreichte schon der w9-3495X.

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Die Spanne der Neulinge reicht vom Xeon 634 für 499 US-Dollar Großhandelspreis, also zuzügliche Steuern, bis zum 86-Kerner Xeon 698X für 7699 US-Dollar. Ersterer hat nur vier Speicherkanäle, 80 PCIe-5.0-Lanes und lässt sich nicht übertakten. Das Topmodell hingegen ist für Overclocker freigeschaltet, die damit vermutlich wieder auf Rekordjagd bei typischen Benchmarks gehen werden. Dazu darf der Xeon 698X zusammen mit vier weiteren X-Modellen auch das besonders schnelle Multiplexed-Rank-DIMM (auch MCR-DIMMs genannt) mit DDR5-8800-Geschwindigkeit ansprechen. Nur der kleinste Xeon 600X, der 24-kernige 658X, muss auf MRDIMM-Support verzichten. Apropos: MRDIMMs sind derzeit für Endkunden hauptsächlich im Rahmen von Komplettsystemen erhältlich, der Preisvergleich führt derzeit kein einziges Kit.

Außer Takterhöhungen sind auch selektive Taktsenkungen für die besonders energieintensiven AVX-512- sowie Matrizen-Multiplikations-Befehlsketten (TMUL) möglich, die das generelle Taktpotenzial erhöhen können und nur bei entsprechenden Befehlen die Frequenz absenken, damit Hitze und Energiebedarf nicht den Rahmen sprengen.

Die elf neuen CPUs sollen ab dem Ende des ersten Quartals in den Handel kommen und vorwiegend in Komplettsystemen von Systemintegratoren und großen Anbietern wie Lenovo, Dell und HP zum Einsatz kommen. Als Partner für die passenden W890-Boards nennt Intel Asus, Supermicro und Gigabyte. Die Boardpreise dürften sich nicht unter denen der Vorgänger bewegen und in der Regel eher den oberen dreistelligen Bereich besetzen.

Intel Xeon 600: Neue Workstation-Prozessoren mit P-Cores „Redwood Cove“
Xeon Kerne Basis-Takt (Turbo all-core/single-core) Level 3-Cache TDP Speicher MR-DIMM PCIe 5.0 Lanes Boxed Preis (US-Dollar)
698X 86 2,0 (3,0/4,8) GHz 336 MByte 350 W 8 Ă— DDR5-6400 8 Ă— DDR5-8800 128 - 7699 $
696X 64 2,4 (3,5/4,8) GHz 336 MByte 350 W 8 Ă— DDR5-6400 8 Ă— DDR5-8800 128 Ja 5599 $
678X 48 2,4 (3,8/4,9) GHz 192 MByte 300 W 8 Ă— DDR5-6400 8 Ă— DDR5-8800 128 Ja 3749 $
676X 32 2,8 (4,3/4,9) GHz 144 MByte 275 W 8 Ă— DDR5-6400 8 Ă— DDR5-8800 128 Ja 2499 $
674X 28 3,0 (4,3/4,9) GHz 144 MByte 270 W 8 Ă— DDR5-6400 8 Ă— DDR5-8800 128 - 2199 $
658X 24 3,0 (4,3/4,9) GHz 144 MByte 250 W 8 Ă— DDR5-6400 - 128 Ja 1699 $
656 20 2,9 (4,5/4,8) GHz 72 MByte 210 W 8 Ă— DDR5-6400 - 128 - 1399 $
654 18 3,1 (4,5/4,8) GHz 72 MByte 200 W 8 Ă— DDR5-6400 - 128 Ja 1199 $
638 16 3,2 (4,5/4,8) GHz 72 MByte 180 W 4 Ă— DDR5-6400 - 80 - 899 $
636 12 3,5 (4,5/4,7) GHz 48 MByte 170 W 4 Ă— DDR5-6400 - 80 - 639 $
634 12 2,7 (3,9/4,6) GHz 48 MByte 150 W 4 Ă— DDR5-6400 - 80 - 499 $
-: nicht unterstĂĽtzt; alle Kerne mit SMT, alle X-Modelle unlocked fĂĽr Ăśbertakter, alle Xeon 600 unterstĂĽtzen vPro, max. Speicherausbau 4 TByte

(csp)