Großbritannien: Apple und Google sagen App-Store-Öffnung zu
Apple und Google haben in Großbritannien Zugeständnisse an die Regulierer gemacht. Der Dialog soll konstruktiver sein als mit der EU.
(Bild: hyotographics / Shutterstock.com)
Apple und Google haben in Großbritannien Zugeständnisse an die Regulierer gemacht, die ab Mai in Kraft treten könnten. Wie die zuständige Wettbewerbsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) mitteilte, verpflichten sich die beiden US-Konzerne zu Maßnahmen, die für mehr Fairness in den App Stores und Interoperabilität in iOS sorgen sollen. Apple lobte in einem offiziellen Statement den positiven Dialog mit den Behörden. Inoffiziell ist aus Unternehmenskreisen zu hören, dass das Unternehmen froh ist, dass die Behörden in Großbritannien wie zuvor schon Japan und Brasilien aus Sicht Apples konstruktiver an Lösungen interessiert seien als die Europäische Union.
Laut den Vorschlägen, die von der CMA jetzt in einer mehrwöchigen öffentlichen Auslegung bis 3. März zur Konsultation gestellt wurden, verpflichten sich beide Unternehmen dazu, App-Ablehnungen künftig klarer zu begründen und konkrete Lösungswege aufzuzeigen. Entwickler sollen weitreichenden Zugang zu eigenen App-Daten wie Downloads und Umsätzen bekommen und ihre Beschwerden schneller verarbeitet werden. Zugeständnisse gibt es auch beim Prüfprozess für neue Apps. Regelmäßig soll an die CMA berichtet werden.
Status quo oder wirkliche Zugeständnisse?
Apple will ferner mit einigen Maßnahmen den Vorgaben zur Interoperabilität Genüge leisten. Dazu zählen detaillierte Dokumentationen von iOS-Funktionen und Entwicklerschnittstellen (APIs), eine transparente Roadmap für Änderungen in iOS, gleichzeitiger Zugang zu neuen Hardware-Funktionen für Drittanbieter und die Möglichkeit für Entwickler, Zugang zu bestimmten Funktionen beantragen zu können. Apple kann dann abwägen, ob dieses Begehren die Sicherheit seiner Systeme oder der Daten seiner Nutzer gefährdet.
Videos by heise
Unklar bleibt, ob die Unternehmen damit nur festschreiben, was sie heute ohnehin schon praktizieren, oder ihre Zugeständnisse wirklich darüber hinausgehen und britische Entwickler mehr bekommen als Entwickler im Ausland. So begründet das App Review von Apple beispielsweise schon seit Langem, aus welchem Grund eine App abgelehnt wurde, und nennt vielfach auch Lösungswege.
Weiterhin kein Verständnis für EU-Regulierung
Wie schon in Japan und Brasilien soll Apple mit den Zugeständnissen in Großbritannien wohl leben können, hat heise online aus Unternehmenskreisen erfahren. Zwar erachtet Apple die Regulierung für nicht notwendig, wolle sich dieser aber nicht versperren, wenn sie Grundwerte des Unternehmens wie Datenschutz, Urheberrechte und Sicherheit achte. Kein Verständnis hat man in Cupertino aber offenbar weiterhin für das Vorgehen der EU. Es verhindere Innovation, zwinge Apple dazu, sein geistiges Eigentum anderen auszuliefern, bevor es den eigenen Nutzern zugutekommt und sei getrieben von den Interessen einzelner Multimilliarden-Dollar-Konzerne.
Im Oktober 2025 hatte die CMA Apple und Google als „strategische Marktakteure“ eingestuft, ähnlich dem Gatekeeper-Status, den die Europäische Union laut Digital Markets Act (DMA) vergibt, um Akteure mit einer bestimmten Reichweite als besonders marktrelevant einzustufen. Diese Unternehmen unterliegen damit strengeren Verpflichtungen zur Öffnung ihrer Plattformen und fairer Behandlung von Entwicklern.
So geht es weiter
Nach Abschluss der öffentlichen Konsultation wird die CMA darüber entscheiden, ob die Maßnahmen konkret umgesetzt werden. Das soll am 1. April erfolgen. Die Verpflichtungen würden dann zunächst für fünf Jahre gelten. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Milliardenstrafen, die bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen können. Parallel prüft die CMA noch Apples Browser-Engine und Google Play.
(mki)