Japan: Entwickler kritisieren Apples neue GebĂĽhren

Nach EinfĂĽhrung des Mobile Software Competition Act (MSCA) in Japan gibt es massive Kritik. Entwickler fordern ein Einschreiten gegen Apple und Google.

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App-Store-Icon vor wolkigem Hintergrund

(Bild: Tada Images / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Apple muss sich nicht nur in der Europäischen Union mit Regulierung seines App Stores auseinandersetzen. Auch in Großbritannien, Brasilien und Japan greifen Wettbewerbsbehörden per Gesetz ein. In Japan, wo die Regelungen im Dezember in Kraft traten, ging es dabei allerdings zwischen Apple und den Behörden im Vorfeld deutlich harmonischer zu als zwischen Cupertino und Brüssel: So gab es keinen gegenseitigen öffentlichen Tadel und keine Klagen. Aus dem Umfeld des Unternehmens war gar zu hören, dass man zwar Regulierung weiterhin nicht für nötig hält – so wie mit Japan wäre sie aber erträglich. Doch bewirkt die Regulierung in Japan auch wirklich Positives für die Entwickler? Daran werden jetzt erste Zweifel laut.

Eine Koalition aus sieben IT-Branchenorganisationen, darunter die Computer Entertainment Supplier's Association, hat eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie Apple und Google auffordert, die neuen Provisionen für App-Entwickler umgehend zu streichen. Dies berichtet Japan News. Die Verbände vertreten gemeinsam mehr als 600 Unternehmen, darunter große IT-Firmen, Spieleentwickler und Software-Hersteller. Die neu erlaubte Möglichkeit externer Zahlungen sei faktisch unwirtschaftlich, kritisieren sie. Einige gehen sogar so weit, zu sagen, dass sie im Vergleich zur Nutzung von Apples Zahlungssystemen noch teurer ist. Bereits Ende Januar hatte das Mobile Content Forum, eine der beteiligten Organisationen, erste Kritik geäußert. Mit der gemeinsamen Erklärung weitet sich der Protest nun branchenweit aus.

Der japanische Mobile Software Competition Act (MSCA) soll eigentlich Verbesserungen für App-Entwickler bewirken und deren Position gegenüber den Big-Tech-Firmen aus den USA stärken. Dazu zählt, dass sie sich den Zahlungssystemen von Apple und Google entziehen können. Apple und Google verlangen aber trotzdem 15 bis 20 Prozent Provision auf externe Umsätze. Dies ist gegenüber den vorher üblichen 30 Prozent Provision auf In-App-Käufe zwar auf den ersten Blick eine Senkung. Die Verbände argumentieren aber, dass bei externer Abwicklung zusätzliche Gebühren durch Zahlungsanbieter hinzukommen. Sie verweisen darauf, dass in den USA vergleichbare Regelungen existieren und werfen Apple vor, japanische Entwickler zu benachteiligen.

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Das japanische Gesetz sieht neben der Liberalisierung der Zahlungssysteme auch alternative App Stores sowie Auswahlbildschirme für Suchmaschinen und alternative Browser-Engines. Damit ähnelt es teilweise dem Digital Markets Act (DMA) in der EU. Europas Vorschrift ist aber zum Beispiel weitreichender in Fragen der Interoperabilität. Während in Japan Apple und Google Anfragen von anderen Herstellern, ihre Systeme für deren Geräte zu öffnen, mit Verweis auf Sicherheitsgründe ablehnen können, schreibt die EU explizit Öffnungen vor. Jüngst musste Apple etwa mit iOS 26.3 Öffnungen bei seinen Benachrichtigungen vornehmen. Apple vertritt die Auffassung, dass die EU-Regulierung damit unter anderem die Sicherheit der Nutzer gefährdet.

In Japan richtet sich der Blick jetzt auf die Japan Fair Trade Commission. Sie hatte bereits im Vorfeld angekündigt, im engen Dialog mit Apple und Google die Implementierung der neuen Regeln zu begleiten. Sie behält sich außerdem das Recht vor, weitere Änderungen zu verlangen, wenn das bisherige Entgegenkommen der Tech-Firmen als unzureichend erachtet wird. Sie kann dazu Untersuchungen einleiten und bei festgestellten Verstößen auch empfindliche Strafgelder verhängen.

(mki)