Cowboy-Rückruf: Kunden müssen E-Bikes für Rahmentausch selbst zum Hub bringen

Cowboys Rahmentauschprogramm ist in Deutschland angelaufen. Einige Kunden freuen sich über den endlich erfolgten Austausch, andere üben sich in Unverständnis.

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Cowboy Reparatur-Hub mit mehreren E-Bikes und Kartons

Cowboy hat in Deutschland mehrere Rückrufzentren für das C4 ST eröffnet.

(Bild: Cowboy)

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Das Reparaturprogramm des E-Bike-Herstellers Cowboy ist angelaufen. Nun stellt sich aber heraus, dass Besitzer eines der vom Rückruf betroffenen Cowboy-Räder diese auf eigene Kosten zu einem der in Deutschland errichteten Service-Hubs transportieren müssen. Wer also auf dem Lande oder in einer Stadt ohne einen solchen Hub lebt, ist gebeutelt.

Das berichtet ein Leser heise online, der vergangene Woche eine Einladung zum Rahmentausch erhalten hat. „Dein Bike ist jetzt bereit für einen kostenlosen Rahmentausch im Rahmen des Cowboy 4 ST (Edition MR) Rückrufs“, heißt es in der Mail.

Weiter: „Du kannst dein Fahrrad jetzt in jedem der unten aufgeführten Hubs abgeben.“ Ihm stünden der Übersicht zufolge die Möglichkeit der Abgabe in Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder München zur Wahl – es sollen noch Hubs in Frankfurt und Freiburg dazukommen. Der Leser lebt jedoch in Hannover und müsste mit seinem Rad persönlich nach Hamburg reisen, wo das Rad entgegengenommen wird, um es von dort weiter an ein Montagewerk zu versenden.

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Laut der heise online vorliegenden Mail dauert der Rahmentauschprozess etwa anderthalb Monate. Anschließend werde das Rad wieder zurück in den Service-Hub verfrachtet, wo der Kunde es dann wieder abholen müsse. Der Betroffene ergänzt, dass es im ganzen Mai vielleicht eine Handvoll Werktage gebe, an denen man für die Abgabe des Rades vorbeikommen könne. Für Juni seien noch keine Termine freigegeben.

Cowboy stellt damit Besitzer eines der betroffenen Räder erneut massiv auf die Probe. Denn vor ziemlich genau einem Jahr, am 5. Mai 2025, veröffentlichte das Unternehmen den Rückruf für das Tiefeinsteiger-Modell C4 ST (MR) und sprach gleichzeitig die Warnung aus, es nicht mehr zu benutzen. Eine Übergangslösung für Betroffene bot Cowboy damals nicht an. Überdies ließ der Hersteller einem anderen Betroffenen zufolge Service- und Versicherungsverträge weiterlaufen, während die Räder unbenutzt herumstehen mussten. Hier musste der Kunde erst selbst aktiv werden und hat unter Nachdruck sein Geld zurückerhalten.

Das belgische Start-up Cowboy gehört nach Monaten der Unsicherheit und nahenden Insolvenz seit Ende des vergangenen Jahres nicht mehr den Gründern Tanguy Goretti und Adam Roose, sondern der französischen ReBirth Group. Mit der Übernahme hatte der neue Besitzer auch die Kosten des Rahmenaustauschprogramms geschultert und genannte Service-Hubs eröffnet. Auch wenn die Lösung nicht optimal ist und Betroffene lange auf ihren Ersatzrahmen warten mussten und teilweise noch müssen, wird ihr Rad immerhin repariert. Wäre Cowboy etwa wie VanMoof in die Insolvenz gegangen, wären Kundinnen und Kunden womöglich auf ihren defekten Rädern sitzen geblieben.

Dennoch: Eine elegantere Lösung, etwa über die mittlerweile zahlreichen Cowboy-Reparaturwerkstätten, wäre möglicherweise kundenfreundlicher gewesen.

(afl)