Swift Student Challenge: Frankfurter Student ĂĽberzeugt Apple mit App

Anton Baranov hat es aus dem Stand zu höchsten Ehren bei der Swift Student Challenge gebracht. Wie er Apple überzeugte und was ihn und 49 andere jetzt erwartet.

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Anton Baranov vor dem Schriftzug der Swift Student Challenge

Anton Baranov vor dem Schriftzug der Swift Student Challenge. Der 22-Jährige zählt zu den Preisträgern des diesjährigen Programmierwettbewerbs und wurde von Apple zur WWDC nach Cupertino eingeladen.

(Bild: Apple, Bearbeitung: heise medien)

Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der App von Anton Baranov ist eine von der Sorte: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Nein, nicht gleich die vom Tellerwäscher zum Millionär, aber immerhin vom Küchentisch nach Cupertino hat es der 22-Jährige gebracht. Seine erste Reise in die USA. All das gelang mithilfe der Apple-Programmiersprache Swift. Und mit großem Engagement und Zeiteinsatz, was er im Gespräch eher beiläufig erwähnt.

Für Anfang Juni hat Apple ihn nach Kalifornien, in den Apple Park, den futuristischen Stammsitz des iPhone-Herstellers, eingeladen. Dort beginnt am 8. Juni 2026 die Entwicklerkonferenz WWDC. Baranov ist einer von 50 geladenen Nachwuchsentwicklern aus aller Welt, die beim jährlichen Wettbewerb Swift Student Challenge die Jury begeistern konnten und dorthin eingeladen wurden.

Aus dem Stand hat der Student es geschafft, gleich bei seiner ersten Teilnahme an der Challenge in die erste Reihe der Distinguished Winners aufzusteigen. Die Reise nach Cupertino ist die höchste Ehre. Manche brauchen dafür Jahre, viele schaffen es nie. Insgesamt hat Apple 350 junge Menschen aus 37 Ländern ausgezeichnet. 50 erhielten den Titel des „Distinguished Winner“ – für herausragende Einreichungen. Die frohe Botschaft erreichte ihn im Frankfurter Hauptbahnhof, erinnert er sich. „Ich habe die Mail aufgemacht und dachte erst: Okay, ich habe verloren. Weil die normalerweise direkt mit Glückwunsch anfangen.“ Er öffnet sie trotzdem. Liest. Liest noch einmal. Und war begeistert.

Die App, um die es geht, heißt „Pitch Coach: Sicher auftreten“ und sie ist seit März im App Store verfügbar. Pitch Coach analysiert Sprache in Echtzeit. Die App erkennt Füllwörter wie „ähm“, „halt“ oder „irgendwie“ und misst die Redegeschwindigkeit. Nach jeder Sitzung wird eine KI-generierte Auswertung angezeigt. Das Besondere: Die gesamte Verarbeitung läuft auf dem Gerät selbst. Kein Ton, keine Daten verlassen das iPhone. Möglich macht dies Apples Foundation-Models-Framework, das seit iOS 26 für Entwicklerinnen und Entwickler zugänglich ist.

Noch eine Funktion sticht heraus: Wer AirPods trägt, bekommt auch Feedback zur Körperhaltung. Die Bewegungssensoren in den Ohrhörern verraten, ob jemand den Kopf hängen lässt, ob die Haltung kippt. „Ich habe irgendwo gelesen, dass AirPods so einen Sensor haben. Einfach gegoogelt – und es hat funktioniert“, sagt Baranov. „Voll cool.“

Die Idee zur App entstand am heimischen Küchentisch. Seine Mutter, von Beruf Professorin, erzählte vom Uni-Alltag. Von talentierten Studenten, die hinter ihren Möglichkeiten bleiben, weil Sprache und Haltung nicht das ausstrahlen, was sie können. Baranov hörte zu – und erkannte sich selbst. Dass es darauf ankommt, wie man sich präsentiert, wie man spricht, wie man wirkt. Eine App, die dabei hilft, fand er im App Store nicht.

Die gute Idee ist das eine, die Umsetzung aber nochmal eine ganz andere Sache. Im August 2024 fing der 22-Jährige an, erste Projekte mit Swift umzusetzen, las Bücher und veröffentlichte Apps im App Store. Hier war es von Vorteil, dass Baranov Softwaretechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) studiert – dual, in Kooperation mit der Deutschen Bank.

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Seine App wurde inzwischen 9000 Mal heruntergeladen – das Neunfache dessen, was er sich als Ziel bis zum Sommer vorgenommen hatte. Und das Interesse dürfte durch die Medienberichterstattung über die Student Challenge noch zunehmen. Die Lokalisierung in 20 Sprachen ist bereits erledigt, weitere Updates sollen folgen. Und mit jedem User kommen neue Ideen. Manche Nutzungsszenarien überraschen ihn, sagt er. „Ich dachte, die Menschen bereiten Präsentationen vor, üben für Vorstellungsgespräche. Und dann schickt mir jemand eine Audio-Datei von einem Rap. Jemand anderes übt Stand-up-Comedy.“ Er zuckt mit den Schultern. „Users define the app. Wenn sie sie dafür benutzen, dann ist das eben so.“

Vibe-Coding – die Möglichkeit, dass jeder ohne Programmierkenntnisse heutzutage eine App per Zuruf erstellen kann – bereitet dem Challenge-Gewinner übrigens keine großen Sorgen. Man müsse wissen, welche Libraries gefragt sind, welche APIs genutzt werden, wie man ein Problem überhaupt präzise beschreibt. „Man steuert das trotzdem.“ Damit bestätigt er, was Forscher zuletzt in Studien herausgefunden haben: Entwickler mit solidem Hintergrundwissen sind die besseren Vibe-Coder – weil sie KI-Werkzeugen genau sagen können, was sie brauchen. Baranov sieht das pragmatisch: Die Tools erleichtern die Arbeit, aber sie machen nicht die Arbeit.

Und wo geht seine Reise nach diesem Erfolg beruflich hin? Die WWDC sieht Baranov auch als große Chance an, zu netzwerken. An seiner derzeitigen beruflichen Laufbahn bei der Bank will er aber aktuell nicht rütteln: Diese Erfahrung sei wertvoll, sagt er. Aber dass der Bilderbuchstart bei der Swift Student Challenge irgendwann doch in eine Solo-Karriere mündet – wer möchte das schon ausschließen?

(mki)