Alles so grĂĽn hier: Doc Morris will es wissen
Im Vorjahr hatte der Internet-Händler DocMorris versucht, eine Apotheke im Saarland komplett zu übernehmen, musste aber nach einer Gerichtsentscheidung aufgeben. Nun versucht er es mit einem "Markenpartner"-Konzept.
Mit ganzseitigen Anzeigen in überregionalen deutschen Tageszeitungen begrüßt der Internet-Versandhändler DocMorris die erste "Markenpartner-Apotheke". Sie öffnet am heutigen Montag in St. Wendel, komplett im DocMorris-Grün gehalten. In den nächsten drei Jahren will DocMorris mit seinem Markenpartner-Konzept insgesamt 500 Apotheken auf diese Weise ergrünen lassen.
Im Vorjahr hatte der Internet-Händler DocMorris versucht, eine Apotheke im Saarland komplett zu übernehmen. Dagegen klagten die Apothekerverbände und waren insofern erfolgreich, als DocMorris seine Apotheke zumindest bis zur Entscheidung in der Hauptverhandlung schließen musste. Diese Hauptverhandlung soll noch im Januar stattfinden. Das neue Konzept der "Markenpartner-Apotheke" umgeht das Problem, dass eine Apotheke nach deutschem Apothekenrecht nur von einer natürlichen Person und nicht von einer Kapitalgesellschaft wie DocMorris geführt werden darf. Die ganz in grün gehaltene Apotheke in St. Wendel bleibt Eigentum der Apothekerein Angel. Sie zahlt an DocMorris eine Lizenzgebühr und bezieht dafür viele Medikamente von DocMorris. Zunächst sollen auf diese Weise nicht rezeptpflichtige Mittel bis zu 30 Prozent günstiger verkauft werden.
Nach Angaben von DocMorris ist die Lizenzgebühr sehr niedrig und kaum geeignet, ein großes Geschäft zu werden. In erster Linie geht es dem Versender darum, mit grünen Apotheken und grünen Apothekenkreuzen bekannt zu werden. Der Zuspruch soll vorhanden sein: "Die Apotheker laufen uns die Bude ein", erklärte DocMorris-Chef Ralf Däinghaus gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Schon in der nächsten Woche soll eine grüne Apotheke in Norddeutschland eröffnet werden.
Das Franchising-Konzept des Internet-Versenders wird von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) im Unterschied zur kompletten Apothekenübernahme nicht beanstandet. Dort geht man davon aus, dass nur umsatzschwache Apotheken die Kooperation mit DocMorris eingehen, während Apotheken in guten Lagen kein Interesse haben werden.
Der Vorstoß von DocMorris ist auch vor dem Hintergund der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zu sehen. Wenn sie kommt, sollen Internet-Terminals bei Krankenkassen, in Arztpraxen oder Apotheken aufgestellt werden, mit denen der Karteninhaber "Herr seiner Daten" sein kann und bestimmte Verschreibungen löschen oder verbergen kann. Dabei haben Krankenkassen kein Problem damit, die teuren Terminals zu installieren, weil Adressenänderungen und ähnliche Daten-Updates einer Karte via Terminal ungleich billiger werden. Für Apotheken sieht die Finanzierung solcher Terminals schon viel schwieriger aus. Marketing-Partner von DocMorris sollen dagegen DocMorris-Terminals bekommen und wiederum an den Einnahmen aus diesen Terminals beteiligt werden. Ob das Konzept aufgeht oder ob die Terminals nur genutzt werden, Medikamente zu löschen, die mit erschwindelten Angaben, um einen "gelben Schein" zu bekommen, verschrieben wurden, wird die Zukunft zeigen.
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(Detlef Borchers) / (jk)