Böses i!

US-Präsident Obama hat den Informationsüberfluss in einer "iPad- und iPod-Ära" beklagt, weil man mit solchen Gadgets "viel besser lügen" könne als früher. Eine erstaunlich altbackene Einstellung.

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Ausgerechnet Obama. Mit keinem Politiker der Neuzeit wurden mehr Hoffnungen auf einen modernen Staat verbunden als mit dem aktuellen US-Präsidenten. Seinen Sieg hatte er mit einem hochmodernen Wahlkampf davongetragen – unter perfektem Einsatz des Netzes, wie es schien. Egal ob Twitter, Facebook oder Flickr, kein Web 2.0-Dienst schien Obama und seinem Team für seine Botschaften ungeeignet. Die Homepage des Weißen Hauses wurde aufgemöbelt und die regelmäßigen Videos gibt's natürlich in HD. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Menschen Obama als Technikverwender aus?

Offensichtlich erstaunlich schlecht. Bei einem Auftritt vorletzte Woche kokettierte er ausgerechnet vor Studenten damit, dass er selbst weder iPod noch iPad noch Xbox noch Playstation beherrsche. Trotzdem ließ er sich zu der Feststellung hinreißen, dass bei diesen Geräten "Informationen zur Ablenkung" würden, "eine Form der Unterhaltung". Das seien keine Werkzeuge mehr, "die Bürger ermächtigen oder emanzipieren". Lügen könnten so erstaunlich schnell Rückhalt gewinnen.

Nun kann man, wenn man sich einmal das Dauerfeuer aus radikalen Blogs, rechtem Talkradio und konservativen TV-Sendern betrachtet, die es in den USA gibt, in gewisser Weise Mitleid mit Obama haben: Der Präsident schafft es trotz erstaunlich hoher medialer Präsenz nicht, mit seiner moderaten Botschaft durchzudringen. (Oder er hat zumindest das Gefühl, dass das so ist.) Aber dafür nun wie zahllose Politiker vor ihm mal eben auf das Internet einzuprügeln, ist eine erstaunlich altbackene Einstellung. Das Netz ist bekanntlich mindestens ein genauso guter Weg, die Bürger adäquat zu informieren, wie es sich eignet, Menschen mit propagandistischen Fehlinformationen zu verwirren. Man muss nur mitspielen und sich diesem – wenn auch für Obama offenbar höchst nervigen – Wettbewerb stellen. Die Zeiten, in denen es reichte, hier mal einen Zeitungsartikel zu platzieren und dort eine Rede zu halten, sind eben vorbei. Andererseits stimmt es schon nachdenklich, dass der mächtigste Mann der Welt glaubt, ein paar Verrückte im Internet könnten ihm etwas anhaben. Vielleicht spendet Al Gore ihm einfach eines seiner sicher zahlreichen iPads? (bsc)