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Digitale Dividende, LTE und Co.: Wenn es nach der Mobilfunkindustrie geht, ist das Netz künftig komplett drahtlos. Dabei sind die erzielbaren Bandbreiten vergleichsweise mager - und die potenziellen Einschränkungen nicht wirklich akzeptabel.

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Auf den ersten Blick ist es eine tolle Sache: Nach der Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) soll das drahtlose Netz in Deutschland nun flott ausgebaut werden, mit höheren Bandbreiten und vor allem in die (auch dünner besiedelte) Fläche. "Keine Verlierer" soll es bei der Auktion gegeben haben. Ich bin mir da nicht so sicher. Die Teilnehmer der 4,4 Milliarden Euro-Kiste sind allesamt alte Bekannte: Nur die vier großen deutschen Netzbetreiber Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefonica O2 durften überhaupt mitmachen. Sie konnten sich die neuen Frequenzen brav untereinander aufteilen, während neue Player erst gar nicht von der BNetzA zugelassen wurden.

Die Mobilfunkkonzerne versuchen nun, uns das schöne Bild einer komplett drahtlosen Zukunft zu malen. Nach Festnetztelefonanschlüssen soll bald auch das Festnetzinternet dranglauben. Bandbreiten im zweistelligen Megabitbereich in Großstädten wären drin, während man auf dem Land immerhin mit minimal 1 Megabit surfen soll. Doch aus zwei Gründen halte ich diese Vision für weniger erstrebenswert. Punkt 1: Wenn wir, wie wir es derzeit in Deutschland tun, vor allem drahtlos denken, vergessen wir weiterhin den sowieso schon stark hinterher hinkenden Glasfaserausbau. Kann man z.B. in Skandinavien selbst auf dem Land mit 100 Megabit/s ins Netz, krebsen wir höchstens mit DSL durch das Web. Und auch die wirklich breitbandige Zukunft geht nur mit optischen Leitungen, die bis ins Haus führen: Gigabits wird man drahtlos in der Fläche erst in zehn oder mehr Jahren verfügbar haben können, während sie im Glasfasernetz relativ simpel aufgeschaltet werden könnten.

Punkt 2 ist die Tatsache, dass die deutschen Mobilfunkanbieter in Sachen Internet-Versorgung ihren Job nicht vernünftig erledigen. Die Kundschaft wird mit Möchtegern-Flatrates, die bei schlappen 5 Gigabyte im Monat enden (bevor es auf die Kriechspur geht), genervt, konkurrierende Angebote wie VoIP werden geblockt. Das EU-Roaming ist schlicht eine Katastrophe. Die im Festnetz-Internet noch immer gegebene Netzneutralität existiert im Mobilfunkbereich quasi nicht, während die Regulierer zuschauen.

Außerdem ist ein Markt, der nur von vier Playern und einer Schar Wiederverkäufer beherrscht wird, nicht wirklich dazu geeignet, sich selbst zu regulieren. Das zeigt sich schon daran, dass z.B. die Gigabyte-Bremsen (oder schlichte Beschränkungen auf eine monatliche Maximalsumme) bei allen Anbietern genutzt werden und niemand das Gefühl hat, dies aufheben zu müssen. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht – aber in einem solchen Netz will ich nicht eingeschlossen sein. (bsc)