ICANN-Meeting: das Geschäft mit den Domains

Bei der Internet- und DNS-Verwaltung stehen neue Top Level Domains in den Startlöchern: Die Entscheidungen sollen bis zum Herbst fallen. Seltsames Geschäftsgebahren von Registraren stellt ICANN aber vor neue Probleme.

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Von
  • Monika Ermert

Eine nach der anderen wird die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) im Herbst neue Top Level Domains (TLD) zulassen oder ablehnen. Das sagte heute beim ICANN Treffen in Kuala Lumpur ICANNs Vizepräsident für "Business Operations" Kurt Pritz. Derzeit evaluieren ein technisches, ein Finanz- und ein juristisches Team die zehn Bewerber. Die Identität der neun Gutachter hält ICANN geheim, sie kommen aus acht verschiedenen Ländern, sagte Pritz unter Verweis auf das Bemühen um Internationalität.

Bis Ende Juli erhalten die Bewerber die Gutachten zur Stellungnahme. ICANNs Vorstand werde die Domains zulassen, die die Ausschreibungsbedingungen erfüllen. Das Verfahren unterscheidet sich damit grundsätzlich von der Runde eins vor fast vier Jahren: Damals hatte der Vorstand in einer einzigen Mammutsitzung die Evaluation von über 40 Bewerbern und auch die endgültige Auswahl durchgezogen. Auch die zukünftige Zulassung neuer Top Level Domains darf man sich im neuen Stil vorstellen. ICANN bietet damit deutlich weniger Angriffsfläche als bei einer öffentlichen Auswahl.

Kritisch sieht eine von den DNS-Verwaltern in Auftrag gegebene Studie zur ersten Runde neuer TLDs, die ebenfalls in Kuala Lumpur präsentiert wurde, vor allem die allzu ausführlichen Verträge. Zukünftige Verträge mit den neuen Domain-Registries könnten eindeutig schlanker ausfallen, so die von ICANN beauftragte Gutachterin Miriam Shapiro, die einen dicken Abschlussbericht in Papierform mitgebracht hatte. Bis Ende September muss ICANN -- auch dies ist eine Auflage des US-Handelsministeriums -- eine Strategie dazu vorlegen, wie es mit den Zulassungen und dem TLD-Markt insgesamt weitergehen soll. Endgültig fertig möchte man die Roadmap für die Zukunft des TLD-Markts aber erst im Dezember haben, meinte ICANNs Geschäftsführer Paul Twomey. Wie auch bei den von Twomey angesprochenen Strategien zur weiteren finanziellen Entwicklung und zur Notfallplanung hat ICANN noch keine schriftlichen Entwürfe vorgelegt.

Relativ schnell sollte sich die ICANN-Spitze dagegen ihr Vorgehen bei einem völlig neuen Phänomen im Domaingeschäft überlegen. Über 100 neuen Akkreditierungen als Registrar liegen seit neuestem bei der ICANN vor, die meisten gehen offensichtlich auf die Initiative eines einzelnen Unternehmens, des Domainverkäufers eNom beziehungsweise seiner Reseller, zurück. Das Ziel, so warnte Keith Teare vom Registrar Snapname, sei dabei nicht die klassische Registrartätigkeit, sondern das Lauern auf auslaufende Domains. "Bei 20 Neuakkreditierungen heißt das 20 mal die entsprechenden Zugriffsmöglichkeiten auf den Batch-Pool der zu löschenden Domains," erläutert Eric Schätzlein, Vorstandsmitglied bei Schlund+Partner und bei Afilias. Trotz der für die Registrare mit dem neuen Budget steigenden Fixkosten und auch der Kosten pro Domain ist das nach Einschätzung von Schätzlein bares Geld wert. Dringend, forderte Teare, müsste ICANN nun den längst verabschiedeten, aber nicht unumstrittenen Waiting List Service einführen: Beim WLS müssen die Registrare ihre Vorregistrierwünsche direkt bei der Registry einreichen, die diese genauso behandelt wie normale Domainregistrierungen -- first come, first serve.

Erstaunlich ruhig verhalten haben sich trotz viel Kritik im Vorfeld die Registrare heute mit Blick auf ihre steigenden ICANN-Beiträge, die neue Pauschalsumme für akkreditierte ICANN-Registrare soll bis zu 17.000 Euro betragen. Während es bei den Fixbeiträgen Sonderregelungen für kleine Registrare gibt, müssen sie für jede einzelnen Domain künftig 0,25 Cent statt noch 0,18 Cent vor einem Jahr hinblättern.

Zum Meeting der Internet- und DNS-Verwaltung siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk)