Telekommunikationsunternehmen gegen Sonderrolle der IP-Registries
Die regionalen Registries, die für die Vergabe der IP-Adressen in aller Welt zuständig sind, haben seit dem Hick-Hack um die Reform der Namensverwaltung einen Autonomie-Kurs gefahren.
Die vier regionalen IP-Registries (RIRs), zuständig für die Zuteilung von IP-Adressen in aller Welt, sollen keine Sonderrolle innerhalb der privaten Netzverwaltung haben. Das forderte heute beim ICANN-Treffen in Kuala Lumpur der Verband der Europäischen Telekommunikationsunternehmen (ETNO). Das ICANN-interne Gremium der RIRs, die Adress Supporting Organisation (ASO), solle wie auch andere Gremien (ccNSO, GNSO) nicht alleine über die Zusammensetzung seines Vorstands bestimmen, forderte ein Vertreter von France Telecom für die ETNO. ICANNs Nominierungskomitee sollte auch in das ASO-Council Vertreter entsenden.
Die regionalen IP-Registries haben seit dem Hick-Hack um die Reform der Namensverwaltung einen Autonomie-Kurs gefahren. Mit der Gründung der Dachorganisation Numbering Resource Organisation (NRO) hat man sich -- für den Fall der Fälle -- auch darauf vorbereitet, die Zuteilung der IP-Adressblöcke in Eigenregie zu übernehmen. APNic-Chef Paul Wilson erklärte allerdings in Kuala Lumpur: "Wir sind Freunde des ICANN-Modells, also der idealen ICANN, auf die wir alle hinarbeiten." Wilson konterte die ETNO-Kritik mit dem Hinweis, dass man sehr wohl nicht-stimmberechtigte Vertreter anderer ICANN-Gremien einladen werde. Dies ist auch laut dem geplanten Memorandum of Understanding mit der ICANN so vorgesehen. Allerdings wollen sich die RIRs ihre Eigenständigkeit durchaus verbriefen lassen: der ASO-Rat wird ganz einfach von der NRO gebildet.
Wie das Tauziehen weitergeht, dafĂĽr gibt es vielleicht schon bei der morgigen ICANN-Vorstandssitzung einen Hinweis. Eines dĂĽrfte den RIRs nicht so gut gefallen: Nicht nur die ETNO protestierte heute. Auch der Regierungsbeirat (Government Advisory Committee, GAC) der ICANN mahnte in seinem Abschlussdokument, die ASO mĂĽsse den Kreis der Mitglieder erweitern. Die RIRs haben bislang am effektivsten ihre Rolle als echte Selbstverwaltungsgremien behauptet, gegen den Trend zur Koregulierung. ICANN selbst hat die wichtige Rolle der Regierungen innerhalb der Netzverwaltung inzwischen anerkannt.
Dabei beweisen die RIRs aktuell mit dem gemeinsam angestoßenen Aufbau der fünften Schwesterorganisation, der regionalen IP-Registry für Afrika, AfriNic, ihre Stärken. Adiel Akplogan, geschäftsführender Direktor von AfriNIC, sagte in Kuala Lumpur, man stehe, nachdem die Aufbauarbeit praktisch abgeschlossen seien, kurz davor, die formelle Anerkennung bei ICANN zu beantragen. Das soll schon in den nächsten Wochen geschehen. Bislang hatten ARIN und RIPE den schwarzen Kontinent mit IP-Adressen versorgt. Das AfriNic hat sich eine dezentrale Struktur mit Büros in Mauritius, Ghana, Süd-Afrika und Ägypten gegeben.
Zum Meeting der Internet- und DNS-Verwaltung siehe auch:
- Wie groĂź soll die Netzverwaltung sein?
- ICANN, WSIS und die Selbstständigkeit der Internet-Verwaltung
- Ochsentour internationalisierte Domains
- Das Geschäft mit den Domains
(Monika Ermert) / (jk)