ICANN sucht noch Kandidaten
Ingesamt zeigte sich der Vorsitzende des ICANN-Vorstands, Vint Cerf, hochzufrieden mit den Ergebnissen des Treffens der Internet- und DNS-Verwaltung ICANN in Kuala Lumpur.
Das Nominierungskomitee der Internet- und DNS-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ist auf Kandidatensuche. Bei der abschlieĂźenden Vorstandssitzung in Kuala Lumpur sagte der Chef des Nominierungskomitees, der France-Telecom-Manager Jean-Jacque Damlamian, die Zahl der Kandidaten fĂĽr die zu besetzenden drei Vorstandssitze und weitere ehrenamtliche Posten innerhalb der ICANN sei noch zu klein. FĂĽr die verschiedenen Aufgaben brauche man einen groĂźen Pool an Leuten.
Mögliche Bewerber können sich anhand der bei der Vorstandssitzung getroffenen Beschlüsse gleich einen Überblick darüber verschaffen, worum sie sich in ihren Ämtern kümmern sollen. Der Vorstand richtete unter anderem ein neues Komitee ein, das die Möglichkeiten erkunden soll, komplett internationalisierte Domains zu schaffen, bei denen auch der Name der Adresszone aus Nicht-ASCII-Zeichen besteht. Es gibt allerdings noch unterschiedliche Meinungen darüber, ob ICANN bei solchen Neuentwicklungen eine aktive Rolle spielen oder technische Neuerungen nur auf die Verträglichkeit mit dem existierenden System hin prüfen soll.
Reagiert hat man bei der Nutzung der Wildcards für VeriSigns umstrittenen Sitefinder-Service. VeriSign hatte im vergangenen Herbst ohne große Vorankündigung alle Anfragen nach nicht existierenden Domains -- oder schlichte Vertipper -- auf seine eigenen Server umgeleitet und damit eine Welle der Entrüstung unter Netzwerkadministratoren ausgelöst. ICANN untersagte den Service, will nun aber auch noch das Internet Architecture Board (IAB) um eine Einschätzung des eigenen Urteils bitten. Man erhofft sich dadurch eine Klarstellung der technischen Grundlagen-RFCs. Auch in der Sitefinder-Debatte, in der ICANN große Unterstützung erfahren hat, gab es vereinzelt mahnende Stimmen, die warnten, dass ICANN nicht zu sehr ins Marktgeschehen eingreifen dürfe.
Ingesamt zeigte sich der Vorsitzende des ICANN-Vorstands, Vint Cerf, hochzufrieden mit den Ergebnissen des Meetings. Er hob besonders die Einführung von IPv6 in die DNS-Rootzone hervor, die auch die französische Länderregistrierstelle Afnic bejubelte. Afnic hatte zu denjenigen gehört, die seit Jahren die Eintragung der IPv6-Adressen in die DNS-Rootzone gefordert hatten.
Bei vielen Entscheidungen, die in Kuala Lumpur gefällt wurden, gibt es im Übrigen noch Nachbesserungsbedarf, etwa beim Budget. Das 15,83-Millionen-Budget der privaten DNS-Verwalter wurde zwar verabschiedet, allerdings wird über die Schüssel bei der Aufteilung unter den Registraren noch diskutiert. ICANNs CEO Paul Twomey meinte, man werde vor allem einen Teil der Überschusszahlungen aus den Per-Domain-Gebühren (0,25 US Cent pro Domain und Jahr) dafür reservieren, um den Fixkostenanteil der Registrare (3,8 Millionen US-Dollar) zu mindern. Außerdem soll es Sonderregelungen für bestimmte kleinere Registrare geben. Über die Details soll Twomey noch mit den Registraren verhandeln, hieß es bei der Vorstandssitzung. Eine große Veränderung zum im Vorfeld bereits heftig kritisierten Budget ist das nicht. Allerdings war der erwartete Aufstand der Registrare in Kuala Lumpur dann doch ausgeblieben.
Zum Meeting der Internet- und DNS-Verwaltung siehe auch:
- Wie groĂź soll die Netzverwaltung sein?
- ICANN, WSIS und die Selbstständigkeit der Internet-Verwaltung
- Ochsentour internationalisierte Domains
- Das Geschäft mit den Domains
- Telekommunikationsunternehmen gegen Sonderrolle der IP-Registries
(Monika Ermert) / (jk)