Google Pixel Watch 3 erkennt Herzstillstand und alarmiert Rettung
Googles Smartwatches sollen im Notfall Leben retten, indem sie Sturz, Unfall und Pulsverlust erkennen. Nun werden Funktionen fĂŒr deutsche Nutzer freigeschaltet.
(Bild: Google)
Google hat nun auch fĂŒr deutsche Nutzer Gesundheitssicherheitsfunktionen fĂŒr seine Smartwatches und Smartpones freigeschaltet, diese werden seit dem 05. Dezember in Deutschland ausgerollt.
Die Autounfallerkennung gibt es auf Google-Pixel-Smartphones sowie fĂŒr die Pixel Watch 2 und 3. Die Sturzerkennung wird laut Blog-Eintrag von allen Pixel-Watch-Generationen unterstĂŒtzt. FĂŒr die Pixel Watch 3 gibt es darĂŒber hinaus eine "Pulsverlust-Erkennung".
Es ist nicht neu, dass smarte Wearables oder Sensoren StĂŒrze erkennen und Notfalldienste alarmieren können. Bisher konnte jedoch noch keine Smartwatch gleichzeitig den Puls beurteilen und das Ereignis eines Pulsverlustes feststellen, um dann als "technischer Zeuge" die Rettung zu alarmieren.
Ein Pulsverlust kann beispielsweise durch einen Herzstillstand ausgelöst werden, der Menschen jeden Alters treffen kann â dann zĂ€hlt in der Notfallrettung jede Minute. Die Smartwatch kann den medizinischen Notfall erkennen und automatisch die Rettungsleitstelle alarmieren, wenn der betroffene Mensch dazu selbst nicht mehr in der Lage, bewusstlos oder hilflos ist und es keinen anderen Menschen gibt, der die Notlage erkennt und Hilfe leistet. Um die neue Funktion aktiv zu schalten, muss der Nutzer im Rahmen eines gefĂŒhrten Onboarding-Prozesses per Opt-in zustimmen.
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Von der Ereignis-Erkennung zum Notruf
Google hat fĂŒr die Erkennung des Pulsverlustes und die Alarmierung des Rettungsdienstes ein mehrstufiges Verfahren entwickelt. Die Smartwatch ĂŒberwacht fortwĂ€hrend den Puls des Nutzers mit dem grĂŒnen Lichtfrequenzsensor fĂŒr die Herzfrequenz. Wenn sie Anzeichen fĂŒr eine Pulslosigkeit erkennt, werden weitere Infrarot- und Rotlichtsensoren (Photoplethysmography) aktiviert, um nach zusĂ€tzlichen Anzeichen eines Pulses zu suchen, wĂ€hrend der Bewegungssensor nach Bewegungen des Nutzers sucht. Ein auf kĂŒnstlicher Intelligenz basierender Algorithmus kombiniert die Informationen der Sensoren, um einen Pulsverlust, also den Herzstillstand, zu bestĂ€tigen und löst dann einen ersten Alarm in Form eines Sicherheitschecks aus. Dazu vibriert die Uhr und auf dem Display erscheint die Frage, ob es dem Nutzer gut geht. Gleichzeitig wird nach Bewegung gesucht. Wenn die Person nicht auf die Frage reagiert und keine Bewegung erkannt wird, wird die nĂ€chste Stufe aktiv. Es erscheint ein Countdown, die Uhr vibriert kontinuierlich und gibt auch einen akustischen Alarm ab.
Nutzer kann Countdown jederzeit manuell abbrechen
Reagiert der Nutzer nicht, versucht die Smartwatch als LTE-Uhr oder das Smartphone, mit dem die Pixel Watch 3 verbunden ist, nach Ablauf des Countdowns selbststĂ€ndig den Notruf abzusetzen und ruft dazu den Rettungsdienst an. Kommt eine Verbindung zustande, wird eine Sprachnachricht in der Sprache, die am festgestellten Standort des Nutzers vorherrscht, abgespielt. In der Nachricht wird der Rettungsleitstelle mitgeteilt, dass die Smartwatch einen Pulsverlust festgestellt hat und der Nutzer nicht reagiert, auĂerdem wird der Standort des GerĂ€ts in Form von X und Y-Koordinaten mitgeteilt. Wenn der Emergency Location Service (ELS) aktiv ist, kann Android im Hintergrund ĂŒber Advanced Mobile Location im Notfall mehr Daten an die Leitstelle senden.
WÀhrend des Notrufs ist das Mikrofon des GerÀts dauerhaft aktiviert, sowohl der Nutzer als auch Umstehende können mit der Rettungsleitstelle sprechen.
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Google will die Pixel Watch fĂŒr die Nutzer zum "HĂŒter ihrer Gesundheit und Sicherheit" machen. Bei der Entwicklung der neuen Funktion arbeitete Google mit Kardiologen zusammen. Der Algorithmus wurde mit hunderttausenden Stunden realer Nutzerdaten, die aus einer vielfĂ€ltigen Gruppe von Menschen stammen, getestet. Ziel war es, die HĂ€ufigkeit unbeabsichtigter Notrufe zu reduzieren. Bei der EinfĂŒhrung neuer automatischer Notruffunktionen kommt es manchmal öfter zu Fehlalarmen, wie Apples Unfallerkennung in Skigebieten oder bei Achterbahnfahrten zeigte.
Die Björn Steiger Stiftung mahnt an, dass durch die Sturzerkennung in Smartwatches ausgelöste falsche Notrufe wichtige Ressourcen der Rettungsdienste binden, die möglicherweise anderswo benötigt werden. Googles Smartwatch mit Pulsverlusterkennung wird von der Stiftung als erster konkreter Schritt zur Verbesserung der Alarmierung im Fall des unbeobachteten Herzstillstands begrĂŒĂt: âDies könnte die Reaktionszeit erheblich verbessern und die Ăberlebenschancen erhöhenâ.
Um zu bestĂ€tigen, dass das System in Notfallsituationen funktionieren kann, fĂŒhrte Google Tests mit Stunt-Darstellern durch. Ein kĂŒnstlich hervorgerufener Pulsverlust wurde durch das Anlegen von Tourniquets ausgelöst, die Testpersonen simulierten anschlieĂend StĂŒrze, die bei einem plötzlichen Pulsverlust passieren können.
Google erklĂ€rt, dass die Funktion in einer klinischen Studie validiert worden sei. An der Studie nahmen demnach 135 Erwachsene unterschiedlicher Herkunft, Geschlechts und Alters teil. Die Ergebnisse hĂ€tten eine SensitivitĂ€t von 69,3 Prozent bei 135 Benutzern gezeigt. Das heiĂt, wenn 100 Personen einen Pulsverlust erleiden, erkennt das GerĂ€t dies bei 31 Personen nicht. Die SpezifitĂ€t sei anhand auswertbarer Daten von 131 Teilnehmern dieser Studie analysiert worden. Die Auswertung habe ergeben, dass es in ĂŒber 7,75 Benutzerjahren nur einen falsch positiven Anruf gab, also einen Fall, in dem das GerĂ€t meinte einen Pulsverlust erkannt zu haben, obwohl keiner vorlag.
Bisher nur in Europa zugelassen und verfĂŒgbar
Die neue Funktion unterliegt ZulassungsbeschrĂ€nkungen bei den Regulierungsbehörden fĂŒr MedizingerĂ€te. Da hier automatisch Notrufe initiiert werden, mĂŒssen auĂerdem Absprachen mit den PSAP (Public Safety Answering Point - zentrale Notrufabfragestelle) in den jeweiligen LĂ€ndern getroffen werden.
Die "Loss of Pulse Detection" ist als Software gemÀà der Medizinprodukteverordnung der EU in der European Database on Medical Devices (EUDAMED) gespeichert. Sie ist in der Klasse IIa eingestuft worden, die im Allgemeinen ein geringes bis mittleres Risiko aufweist.
Ab September 2024 hat Google begonnen, die Pulsverlust-Erkennung fĂŒr die Google Pixel Watch 3 in "ausgewĂ€hlten europĂ€ischen LĂ€ndern" verfĂŒgbar zu machen. Derzeit kann die Funktion in Deutschland, Ăsterreich, der Schweiz, Belgien, DĂ€nemark, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden und im Vereinigten Königreich genutzt werden.
"Weitere LĂ€nder werden hinzugefĂŒgt, sobald die behördliche Genehmigung vorliegt" teilt Google mit. In den USA ist die "Loss of Pulse Detection" als Produkt bisher weder von der US-amerikanischen FDA zugelassen noch bewertet worden.
AusfĂŒhrliche Informationen zu den Sicherheitsfunktionen in Notfallsituationen fĂŒr die verschiedenen Generationen der Google Pixel Watch und zur Pulsverlust-Erkennung gibt es auf den Google-Hilfeseiten. Dort wird auch erklĂ€rt, wie sich die Funktionen deaktivieren lassen.
(mack)