Auto auf Knopfdruck

Wer zur Rush Hour schon einmal nach einem Taxi gesucht hat, würde sich wünschen, alle freien Fahrzeuge in der Nähe direkt kontaktieren zu können. Ein Hamburger Start-up will das mit einer Smartphone-Anwendung ermöglichen.

vorlesen Druckansicht 7 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.

Wer zur Rush Hour schon einmal nach einem Taxi gesucht hat, würde sich wünschen, alle freien Fahrzeuge in der Nähe direkt kontaktieren zu können. Ein Hamburger Start-up will das mit einer Smartphone-Anwendung ermöglichen.

Franz von Brandenstein will zum Retter aller entnervten "Taxi, Taxi!"-Rufer werden, die sich regelmäßig zu Stoßzeiten an den Straßen deutscher Großstädte bilden. Der Geschäftsführer der Hamburger Talex GmbH hat eine Smartphone-Anwendung entwickeln lassen, die auf Knopfdruck alle freien in der Nähe verfügbaren Fahrzeuge kontaktieren kann. "Taxibutton" genannt, handelt es sich um eine zweiteilige Lösung: Sowohl die Fahrgäste als auch die Fahrer haben ein passendes Programm auf dem Handy. Untereinander verbunden werden sie mittels mobilem Internet, die Positionsangaben des Fahrgastes kommen per GPS.

Ob das Modell Taxibutton aufgeht, hängt deshalb stark davon ab, ob sich genügend Fahrer finden, die mitziehen. "Es ist ein Henne-Ei-Problem", sagt Brandenstein. Rund 6000 hat der Unternehmer inzwischen bundesweit zusammen, die Nutzung der Anwendung funktioniere etwa in Frankfurt und Mainz flächendeckend, in Großstädten wie Stuttgart, Köln, Essen Hamburg oder Berlin in immer mehr Bereichen. Um sein Angebot weiter zu verbreitern, hat Talex neben der anfänglichen iPhone-App mittlerweile auch eine Anwendung für die Google-Mobilplattform Android entwickelt. Außerdem arbeitet die Firma an einer Fahrer-Version für Windows Mobile, einem Betriebssystem, das auf vielen der Smartphones läuft, die die Taxizentralen stellen.

Mittlerweile läuft die Technik im Regelbetrieb. Trotzdem kostet Taxibutton in der aktuellen Aufbauphase weder die Fahrgäste noch die Fahrer etwas. Mittelfristig sollen aber zumindest letztere zahlen: Geplant sind 33 Cent pro Bestellung, die sich entweder per Premium-SMS oder In-App-Payment, also direkt in der Applikation per Kreditkarte, begleichen lassen. Das wäre für Fahrer noch immer deutlich billiger als die aktuell durchschnittlich 1,50 Euro, die bei den Zentralen für die Vermittlung fällig werden können, sagt Brandenstein.

Doch das eichhörnchenhafte Einsammeln von Cent-Beträgen ist nicht das Endziel des Talex-Gründers. Er will auf lange Sicht anderweitig Geld verdienen – mit der momentan boomenden mobilen Werbung. Will dann ein Fahrer nicht für die Taxibutton-Vermittlung zahlen, wird ihm in der Wartephase vor Bestätigung der Bestellung Reklame eingeblendet – beispielsweise für ein auf Taxibetriebe spezialisiertes Serviceunternehmen. Umgekehrt könnte auch der Fahrgast in der Wartephase mit mobiler Werbung "bespielt" werden – ebenfalls statt einer auf lange Sicht geplanten Vermittlungsgebühr.

Brandenstein war vorher im Unternehmensberatungsgeschäft tätig und finanziert Talex derzeit selbst, kann sich aber auch vorstellen, ab einem bestimmten Punkt Risikokapital aufzunehmen. Solange ist die Firma explizit kleingehalten, um die Ausgaben kontrollieren zu können. Die Entwicklung der Software erfolgt zugleich inhouse und in Form von Outsourcing.

Die Hamburger sind indes nicht das einzige Unternehmen, das derzeit dabei ist, Smartphones und Taxis in Deutschland zu vernetzen. Brandenstein kennt mindestens eine Handvoll weitere direkte wie indirekte Konkurrenten. Einige bieten nur die per GPS an den Ort angepasste Rufnummer der Taxizentralen mittels App an, ein Wettbewerber vermietet iPhones samt App an Fahrer. Und dann gibt es da noch das Projekt einer Taxizentrale, die eine eigene Anwendung geschrieben hat.

Überhaupt die Taxizentralen – begeistert scheinen die von Brandensteins Idee nicht gerade zu sein. Es sei natürlich verständlich, dass diese auf ihre Umgehung durch Produkte wie Taxibutton sauer seien, doch dürfe man den Taxifahrern eben nicht verbieten, sich nach Alternativen umzusehen. Tatsächlich schrumpft in diesem Bereich der Wettbewerb: So taten sich in Berlin erst kürzlich mehrere vorher eigenständige Zentralen zu einem gemeinsamen Call Center zusammen, so dass der Kunde faktisch nur noch eine Alternative hat, sollte einer der Anbieter in Stoßzeiten nicht ans Telefon gehen. Mit Taxibutton gibt es nun eine weitere. (bsc)