Kommentar zum Quantenjahr 2025: Weniger Hype, mehr Verständnis

2025 wird die Quantenphysik 100 Jahre alt. Um Fortschritte in der Quantenphysik wertschätzen zu können, darf man nicht dem Hype verfallen, meint Sabrina Patsch.

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(Bild: Shutterstock.com, bearbeitet durch c't)

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Hurra, die Quantenphysik wird 100 Jahre alt! Um das gebührend zu feiern, haben die Vereinten Nationen 2025 zum Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft und -technologie ausgerufen. 100 Jahre ist es her, dass Werner Heisenberg den Begriff Quantenmechanik geprägt und ihr mathematisches Fundament gelegt hat. Heute versuchen Tech-Giganten und Forschungseinrichtungen aus aller Welt, einen leistungsfähigen Quantencomputer zu entwickeln, der gefühlt alle Probleme der Menschheit lösen soll. Wann und ob es wirklich dazu kommt, kann niemand vorhersagen. Als Quantenphysikerin bin ich optimistisch, dass Quantentechnologie eines Tages tatsächlich sehr viel leisten wird. Höchstwahrscheinlich wird aber auch 2025 diesen großen Durchbruch nicht einleiten.

Ein Kommentar von Dr. Sabrina Patsch
Ein Kommentar von Sabrina Patsch

Sabrina Patsch ist promovierte Quantenphysikerin, Wissenschafts-Bloggerin und leidenschaftlich Science-Slam-Teilnehmerin. Seit 2024 ist sie Redakteurin bei c’t und schreibt über Wissenschaft.

Das macht aber nichts, denn statt weiterer Sensationen, Durchbrüche und bahnbrechender Experimente braucht die Quantenforschung aktuell etwas ganz anderes: eine ordentliche Portion Realismus. Unkontrollierter Hype hilft niemandem, insbesondere nicht der Forschung, die diesen unrealistischen Erwartungen nicht gerecht werden kann. Großartige Forschungsergebnisse treffen dann nicht länger auf Anerkennung, sondern auf Ernüchterung, ja geradezu Enttäuschung.

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Ein Grund für diesen Hype ist, dass kaum jemand, der nicht in dem Gebiet arbeitet, die Quantentheorie wirklich versteht. Noch schlimmer, sie steht im Schatten der Worte von Richard Feynman: "Wer glaubt, die Quantentheorie verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden." Dieses Zitat nutzt so mancher als Freifahrtschein fürs Aufgeben. Doch so allumfassend hatte Feynman es nicht gemeint. Zwar können wir nicht erklären, warum sich Quantenobjekte so verhalten, wie sie es tun, doch verstehen Forscher sehr gut, welchen Regeln die Quantenwelt folgt.

Nicht jeder muss diese Regeln bis ins Mark verstehen. Doch hat jeder die Möglichkeit, einen Blick in die Quantenwelt zu werfen, mit Büchern, Blogs, Videos, Vorträgen und sogar Experimenten für zu Hause – und das Quantenjahr ist die perfekte Gelegenheit dafür. Wer die Quantenphysik besser versteht, lässt sich weniger leicht von übertriebenen Versprechungen blenden und kann gleichzeitig über die faszinierende Welt staunen, die dort im Verborgenen schlummert.

(spa)