Gehaltserhöhungen bei SAP: Betriebsrat und Gewerkschaft unzufrieden

Trotz starker Umsätze im Vorjahr bleibt SAP bei den Gehaltserhöhungen deutlich unter der Forderung. Betriebsrat und Gewerkschaft zeigen sich enttäuscht.

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(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

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Für Angestellte des Softwarekonzerns SAP gibt es rückwirkend zum Jahresbeginn durchschnittlich 2,4 Prozent mehr Geld. Das gaben der Betriebsrat des Unternehmens und die IG Metall bekannt. Zuvor hatten die Arbeitnehmervertreter ein Gehaltsplus von mindestens fünf Prozent gefordert. Entsprechend enttäuscht gibt sich Betriebsratsvorsitzender Eberhard Schick: Diese Erhöhung "wird die Belegschaft nicht motivieren, die durch den Abgang vieler erfahrener Kollegen entstandenen Lücken zu stopfen." Zuletzt verließen in Deutschland 3500 Mitarbeiter das Unternehmen.

Die konkreten Gehaltserhöhungen seien von der Leistungseinschätzung des Managements abhängig, heißt von IG Metall. Die Hälfte der Belegschaft erreiche den Durchschnittswert nicht, jedoch habe der Betriebsrat versucht, eine Nullrunde für die meisten Beschäftigten zu vermeiden. Beim Großteil der Angestellten rechnen die Arbeitnehmervertreter mit einer Erhöhung von mindestens 0,72 Prozent. "Aus unserer Sicht als Gewerkschaft ist das ein mehr als unzureichendes Ergebnis für die Beschäftigten von SAP", meint Julia Wegner, Gewerkschaftssekretärin von IG Metall in Heidelberg.

SAP verweist hingegen darauf, dass wegen der Gehaltserhöhung nicht nur das Jahreszielgehalt steige, sondern sich auch die Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge und zu den Mitarbeiteraktien erhöhen würden. Unter Berücksichtigung der Arbeitgeberzuschüsse und der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens führe der Besitz von Mitarbeiteraktien zu einem durchschnittlichen Plus von 5,3 Prozent. Nach Angaben der IG Metall profitieren viele Angestellte von den starken Geschäftszahlen auch über Bonuszahlungen. Diese stiegen zwischen 8 und 16 Prozent.

Ebenfalls kritisiert IG Metall die Gehaltspolitik von SAP gegenüber Berufsanfängern. Zwar gehören sie in den ersten zwei bis drei Jahren zum Early-Talents-Programm, für das ein zusätzliches Gehaltsbudget bereitsteht, erhalten aber keine Gehaltserhöhungen, wenn sie zum Stichtag nicht im Unternehmen beschäftigt waren.

Zählen Angestellte nach Ablauf dieser Zeit nicht mehr zu den Early Talents, "benachteiligt das SAP-Gehaltssystem diejenigen massiv, die über den Erwerb von Berufserfahrung für das Unternehmen signifikant wertvoller werden wollen", heißt es von Johannes Reich, Vertreter der Betriebsratsliste Pro Mitbestimmung der IG Metall. Das betreffe vor allem Mitarbeiter in den ersten zehn Jahren ihrer Karriere. Das Softwareunternehmen äußerte sich dazu nicht.

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Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte SAP seinen Umsatz um 10 Prozent auf 34,2 Milliarden Euro. Mit 3,15 Milliarden Euro blieb aber nur die Hälfte des Gewinns von 2024 übrig. Das Unternehmen hatte für Abfindungen von Tausenden Mitarbeitern mehrere Milliarden ausgegeben, die das Unternehmen freiwillig verließen oder in den Vorruhestand gingen. Der Stellenabbau ist Teil der Strategie, das Geschäft mit künstlicher Intelligenz vorantreiben.

(sfe)