Drahtlose Selbstverständlichkeiten

Müssen Kunden auf den begrenzten Investitionswillen großer Netzversorger Rücksicht nehmen oder dürfen sie darauf hoffen, dass deren Systeme zukunftsfähig gemacht werden?

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Als ich neulich darüber berichtete, dass der exklusive amerikanische iPad- und iPhone-Netzbetreiber AT&T erstmals Limits bei der Internet-Versorgung seiner Kunden einzieht und sie damit potenziell von der Nutzung der gerade erst populär gewordenen mobilen Multimediatechnik abhalten könnte, kam es zu interessanten Reaktionen: Erstaunlich viele Kommentatoren zeigten Verständnis für die Sorgen und Nöte von Telekom, Vodafone und Co. Das Gigabyte-Limit (das sich z.B. durch intensive Nutzung von in den USA verbreiteten TV-Angeboten durchaus in unter einer Woche erreichen lässt) sei doch okay, hieß es da unter anderem, Drosseln müssten sein, damit es nicht zu Netzüberlastungen käme.

Ohne nun unterstellen zu wollen, dass bei dem Text besonders viele entnervte Mitarbeiter groĂźer Mobilfunkkonzerne reagierten: Ich frage mich hierbei schon, in welcher Zeit wir leben. MĂĽssen Oligopole, wie sie die nur vier Besitzer eines eigenen Mobilfunknetzes in Deutschland definitiv darstellen, geschont werden?

Natürlich gibt es physikalische Beschränkungen, was mit aktueller Funktechnik alles durch den Äther kann - und das Zupflastern der Innenstädte mit immer mehr Basisstationen ist ebenfalls unbeliebt. Doch Luft ist durchaus noch genug da - wenn man mit einem cleveren Netzmanagement arbeitet, eventuell einmal überlegt, alternative Technologien einzusetzen und allgemein damit aufhört, sich alte Zeiten zurückzuwünschen, in denen Daten mobil vor allem aus simplen SMS-Bits bestanden.

Es ist glasklar, dass der Datentraffic in den nächsten Jahren weiter massiv zunehmen wird. Drosseln einzubauen und die Menschen darauf zu trainieren, dass es sich hier um eine besonders wertvolle Ressource handelt, wird diese Entwicklung nicht aufhalten. Zudem steht mit LTE schon die nächste Evolutionsstufe vor der Tür, die deutlich mehr Bandbreite verspricht. Soll dort dann auch bei ein paar lausigen Gigabytes im Monat Schluss sein, weil das für die Carrier, deren Oligopol-Konstrukt im Übrigen auch in den nächsten Jahren gesichert bleibt, dann am einfachsten ist? Das Ausbremsen moderner Entwicklungen, Preisdiskriminierung und das möglichst Aufrechterhalten fetter Margen darf bei der Zukunft der mobilen Datennetze keine Rolle mehr spielen. Die Technik sollte so selbstverständlich verfügbar sein wie Luft. (bsc)