Eutelsat und SES: Europäische Satellitenbetreiber wegen Starlink unter Druck

Die Konkurrenz durch Starlink ist groß: Die europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat und SES geraten finanziell in Bedrängnis, Zinsen für Anleihen steigen.

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Starlink-Antenne im Schnee

(Bild: Oleh Dubyna/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Satelliteninternetanbieter Starlink baut sein Netzwerk Starlink weiter aus und hat bereits mehr als 6000 aktive Satelliten im Einsatz. Für die europäischen Satellitenkommunikationsanbieter Eutelsat und SES indes wird die Luft finanziell dünner und Rückschläge häufen sich. So hat sich beispielsweise die französische Fluggesellschaft Air France im Jahr 2024 dafür entschieden, zusammen mit Starlink Internet in die Flugzeuge zu bringen – auch eine Entscheidung gegen das französische Unternehmen Eutelsat, das ebenfalls breitbandige Internetverbindungen anbietet.

Eutelsat hatte versucht, mit dem Kauf des britischen Unternehmens OneWeb, das wie Starlink ein Netzwerk aus Minisatelliten für den Internetzugang anbieten will, in den Markt einzusteigen – OneWeb war an diesem Versuch fast gescheitert und rutschte zwischenzeitlich in die Zahlungsunfähigkeit und bisher sind weniger als 600 solcher OneWeb-Satelliten in Umlaufbahnen.

Die Analysten der Ratingagentur Moody's stufen die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg von Eutelsat OneWeb angesichts der Konkurrenz als gering ein und straften Eutelsat für den Kauf ab: Ende Januar senkten sie das Rating für Anleihen des Unternehmens auf B2, solche Anleihen gelten als "speculative and a high credit risk". Gegenüber der Financial Times sagte Ernesto Bisagno, Analyst bei Moody’s, die Herabstufung spiegele zum Teil die niedrigeren Gewinnprognosen, den gestiegenen Wettbewerb und den erheblichen Refinanzierungsbedarf im Jahr 2027 zu einem Zeitpunkt wider.

Das steigende Risiko zeigt sich nicht nur in der Bewertung durch Analysten, sondern auch in nackten Zahlen. Eutelsat beschafft sich bereits seit Jahren Kapital über Anleihen und dort ist ein klarer Trend erkennbar: Im Oktober 2020 konnte Eutelsat eine Anleihe mit 1,5 Prozent Zinsen und einer Laufzeit bis 2028 auflegen und so 600 Millionen Euro einsammeln. Im September 2024 beschaffte sich das Unternehmen 600 Millionen Euro über eine Anleihe mit 9,75 Prozent Zinsen, die bis 2029 zurückbezahlt werden muss. Die gestiegenen Zinsen sind nicht allein durch das allgemein gestiegene Zinsniveau zu erklären. Sie spiegeln auch das Risiko, das Investoren im Gegenzug eingehen. Insgesamt hat Eutelsat 2,6 Milliarden Euro Kapital über Anleihen beschafft. Das Jahr 2024 schloss das Unternehmen mit Verlust ab.

Dabei ist Eutelsat nicht das einzige europäische Satellitenunternehmen mit finanziellen Problemen. Auch SES mit Sitz in Luxemburg braucht immer wieder Geld aus Anleihen und schreibt Verluste – erkennbar ist ein ähnlicher Trend: Im Jahr 2021 besorgte sich das Unternehmen 625 Millionen Euro zu 2,875 Prozent per Anleihe, im September 2024 musste man 6 Prozent für eine Anleihe über 500 Millionen Euro bieten, die bis 2054 läuft. Insgesamt hat das Unternehmen 5,7 Milliarden Euro offene Anleihen im Umlauf und es wird zunehmend schwieriger, das Geld zu erwirtschaften: Gewinn gab es zuletzt im Jahr 2021.

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Hoffnung für Eutelsat und SES kommt aus Brüssel in Form des Projekts IRIS2 (Infrastruktur für Resilienz, Interkonnektivität und Sicherheit durch Satelliten). Die von der EU finanzierte Satellitenkonstellation soll vom Industrieverbund Spacerise aufgebaut werden, der aus SES, Eutelsat und dem spanischen Anbieter Hispasat besteht. Europa will mit dem Projekt unabhängiger von US-Unternehmen werden – neben Starlink steht Amazon bereits mit seinem Projekt Kuiper in den Startlöchern. IRIS2 soll nicht nur breitbandiges Internet liefern, sondern auch Kommunikation für Behörden und Katastrophenschutz bereitstellen.

(jam)