Zwischen Jura und Gegenwart: Was Plesiosaurier und Schildkröten verbindet
Bei der Analyse der fossilen Haut eines 183 Millionen Jahre alten Plesiosauriers zeigte sich, dass dieser eine Mischung aus glatter und schuppiger Haut hatte.
KĂĽnstlerische Darstellung des untersuchten Plesiosauriers mit Schuppen auf den Flossen.
(Bild: Joschua KnĂĽppe)
Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Forschern der Universität Lund in Schweden hat eine detaillierte Untersuchung von fossilen Weichgeweben eines Plesiosauriers aus dem Jura durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Meeresreptilien eine Kombination aus glatter und schuppiger Haut besaßen, was Rückschlüsse auf ihre Schwimmfähigkeiten und Lebensweise zulässt. Plesiosaurier waren eine Gruppe von Meeresreptilien, die während des Mesozoikums (vor 203 bis 66 Millionen Jahren) die Ozeane besiedelten. Ihre fossilen Überreste wurden weltweit gefunden, doch erhaltene Weichgewebe kommen äußerst selten vor. Insgesamt sind bisher nur acht wissenschaftlich dokumentierte Funde bekannt.
Das Team untersuchte das fossilierte Weichgewebe eines 183 Millionen Jahre alten Plesiosauriers mit der Bezeichnung MH 7. Dieser stammt aus einem Steinbruch bei Holzmaden in Süddeutschland und wurde bereits 1940 ausgegraben. Die Studie wurde im Fachjournal "Current Biology" veröffentlicht.
"Fossilisierte Weichgewebe wie Haut und innere Organe sind außergewöhnlich selten. Wir verwendeten ein breites Spektrum an Techniken, um sowohl glatte Haut im Schwanzbereich als auch Schuppen am Rand der Flossen zu identifizieren", sagt Hauptautor Miguel Marx von der Universität Lund.
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Zwischen Handarbeit und Spektroskopie
Zunächst wurden die empfindlichen Gewebereste vorsichtig mit Handwerkzeugen freigelegt und für den Transport in Aluminiumfolie und sterile Behälter verpackt. Im Labor erfolgte dann eine gründliche Reinigung mit ultrareinem Wasser und die Sterilisation mit hochprozentigem Ethanol. Vor jeder weiteren Analyse wurden die Proben ausführlich fotografisch dokumentiert, um den Ausgangszustand festzuhalten.
(Bild:Â Klaus Nilkens/Urwelt-Museum Hauff)
Ein entscheidender Schritt war laut Marx die Demineralisierung der Proben, die in verschiedenen Gruppen durchgeführt wurde. Dabei wurden die Fossilien über mehrere Wochen in einer speziellen EDTA-Lösung (Ethylendiamintetraessigsäure) behandelt, um die mineralischen Bestandteile zu entfernen und die organischen Strukturen freizulegen. Durch sorgfältiges Spülen mit verschiedenen Pufferlösungen wurden die Proben für die weiteren Analysen vorbereitet.
Die eigentliche Untersuchung erfolgte dann mit einem breiten Spektrum modernster Technologien: Die Forschenden kombinierten Transmissionslichtmikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie, energiedispersive Röntgenspektroskopie, Elektronenrückstreubeugung, Infrarot-Mikrospektroskopie und Flugzeit-Sekundärionenmassenspektrometrie. Durch die Methodenvielfalt konnten die Forschenden nach eigenen Aussagen sowohl die strukturellen Details der fossilen Haut als auch ihre chemische Zusammensetzung analysieren.
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Glatte Haut am Schwanz, Schuppen an den Flossen
Die Überreste zeigten eine bemerkenswert gut erhaltene Hautstruktur mit verschiedenen Schichten wie dem Stratum corneum, Stratum spinosum und Stratum basale. Sogar einzelne Keratinozyten mit Zellkernen und Pigmentzellen (Melanosomen) waren laut den Wissenschaftlern noch nachweisbar. Zu ihrer Überraschung entdeckten sie eine Kombination aus glatter Haut am Schwanz und kleinen, dreieckigen Schuppen an den Flossen. "Die schuppenartigen Strukturen könnten die Versteifung der Flossen bei den Paddelbewegungen beim Schwimmen bewirkt oder diese beim Grasen auf dem Meeresboden geschützt haben", schreibt der an der Studie beteiligte Sven Sachs vom Naturkundemuseum Bielefeld auf Bluesky.
Zum Vergleich untersuchten die Forscher weitere Plesiosaurier-Fossilien aus der Region, die ebenfalls Weichgewebereste an den Flossen und Hinweise auf fleischige Schwanzflossen zeigten. Zusätzlich analysierten sie Hautproben heutiger Reptilien wie Schildkröten und Warane. "Die außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien aus Deutschland zeigen das große Potenzial von Weichgeweberesten für unser Verständnis der Biologie längst ausgestorbener Tiere", betont Marx. Er vergleicht die Haut des untersuchten Plesiosauriers mit einer Mischung aus der schuppigen Grünen Meeresschildkröte und der glatthäutigen Lederschildkröte.
(vza)