Handvermittlung gegen Dialer auch in Irland

In einem Verordnungsentwurf wird allen Netzbetreibern untersagt, Selbstwähl-Verbindungen zum Satellitentelefon-Betreiber Thuraya nach Mauretanien sowie zu einem Dutzend Inselgruppen anzubieten.

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Handvermittlung für exotische Auslandsgespräche ist das Mittel im Kampf gegen Dialer für die irische Telekommunikations-Regulierungsbehörde ComReg. In einem Verordnungsentwurf wird allen Netzbetreibern untersagt, Selbstwähl-Verbindungen zum Satellitentelefon-Betreiber Thuraya nach Mauretanien sowie zu einem Dutzend Inselgruppen anzubieten. Im englischsprachigen Raum sind Dialer, die gegen den Willen des Anschlussinhabers teure Verbindungen ins Ausland aufbauen, weitaus verbreiteter als im deutschen Sprachraum. Tatsächlich landen die Verbindungen meist gar nicht in den angewählten Netzen, sondern werden unterwegs zu weitaus günstigeren Destinationen umgeleitet. Da dennoch der hohe Tarif anfällt, profitiert der Anbieter des "Dienstes".

Vorbild von ComReg sind die kanadischen Netzbetreiber Telus und Sasktel, die Anfang des Monats eine Reihe von Zielen für den Selbstwählfernverkehr gesperrt haben. Irland dürfte allerdings das erste Land sein, in dem eine solch drastische Maßnahme verordnet wird. Bis 20. August kann jedermann zu dem irischen Entwurf Stellung nehmen, im September dürfte die Verordnung dann erlassen werden. Zwei Wochen später dürften -- nach derzeitigem Stand -- das Thuraya-Netz, die Cookinseln, Diego Garcia, Französisch-Polynesien, Kiribati, die Komoren, Mauretanien, Nauru, die Norfolkinsel, die Salomonen, São Tomé und Príncipe, Tokelau, Tuvalu sowie Wallis und Futuna nur mehr über Vermittlungen erreichbar sein. Nur wenn ein Kunde ausdrücklich verlangt, eine bestimmte Nummer selbsttätig anrufen zu können, kann ihm dies ermöglicht werden, wenn sich der Netzbetreiber zuvor vergewissert hat, dass die Zielrufnummer tatsächlich für Sprachverbindungen genutzt wird. Nach einer Lösung für Faxe wird noch gesucht.

Für Mehrwertnummern ist auf der grünen Insel der Regulierer Regtel zuständig. Sein Jahresbericht 2002/2003 weist nur 49 Nutzerbeschwerden über unautorisierte Dienste, unter anderem Dialer, auf. Der Bericht für das am 31. März zu Ende gegangene Fiskaljahr 2003/2004 ist noch nicht verfügbar, die Beschwerdezahl hat sich aber zumindest verdoppelt. Daher überlegt der Regtel ebenfalls strengere Vorschriften zu erlassen. Derzeit muss jeder Mehrwertdienst zur Genehmigung eingereicht werden, bevor er angeboten werden darf. Kein Anruf darf mehr als 25 Euro kosten, Dialer-Dienste dürfen für das Surfen im allgemeinen Internet nicht nutzbar sein. Vor Aufbau einer Verbindung muss dies am Bildschirm deutlich angezeigt und sichergestellt werden, dass der Nutzer auch der Zahlungsverpflichtete ist.

In Deutschland müssen hingegen seit vergangenen August die Dialer selbst registriert werden. Die RegTP hat bisher mehrere hunderttausend Programme für illegal erklärt. In Österreich dürfen Dialer ab 1. Januar 2005 ausschließlich die Rufnummerngasse 0939 nutzen, bei anderen Mehrwertnummern ist der Kunde nicht zahlungsverpflichtet. 0939-Nummern sind für alle Anschlüsse gesperrt, außer der Anschlussinhaber hat explizit eine Freischaltung. Es ist wahrscheinlich, dass in beiden Ländern vermehrt Dialer für teure Auslandsrufnummern auftauchen werden. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)