Helsing und Loft Orbital wollen mit KI Echtzeitinformationen aus dem All liefern

Eine "Multisensor-Satellitenkonstellation" von Helsing und Loft Orbital soll Europas Verteidigungs- und Sicherheitsakteure mit KI-Situationsanalysen versorgen.

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Satellitennetzwerk ĂĽber Erde

(Bild: NicoElNino/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Münchner Softwareunternehmen Helsing, das auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Rüstungssektor spezialisiert ist, hat eine Kooperation zur Überwachung aus dem Weltraum mit dem französisch-amerikanischen Raumfahrt-Start-up Loft Orbital angekündigt. Gemeinsam wollen beide Firmen demnach eine "Multisensor-Satellitenkonstellation" entwickeln. Diese soll laut Helsing mithilfe von KI "Europas Verteidigungs- und Sicherheitsakteure mit Echtzeit-Informationen" direkt aus dem All unterstützen. Das System wird dem Plan nach bei Aufgaben wie der Grenzüberwachung, der Beobachtung von Truppenbewegungen und dem Schutz kritischer Infrastrukturen (Kritis) helfen.

Die Satellitenflotte soll mit mehreren künstlichen Erdtrabanten von Loft Orbital starten, die hochsensible Mess- und Aufnahmegeräte wie Kameras und Funksensoren an Bord haben. Diese werden laut der Mitteilung die KI-Technik von Helsing direkt im Weltraum nutzen, "um militärische Objekte weltweit aus dem erdnahen Orbit in Echtzeit zu erkennen und zu identifizieren". Kurze Reaktionszeiten, hohe Wiederholungsraten und sofortige Datenverarbeitung ermöglichten dabei "taktische Entscheidungen und schnelle Reaktionen".

Herkömmliche satellitengestützten Aufklärungssysteme wie etwa das Spähsystem Georg des Bundesnachrichtendiensts (BND) verarbeiteten Daten erst nach der Mission, erläutert Helsing. Die geplante Konstellation könne durch die KI-Verarbeitung an Bord dagegen "sofortige Erkenntnisse liefern". Schlüsselbereiche ließen sich dabei kontinuierlich im Blick behalten. Letztlich verschafften so "Echtzeitwarnungen den militärischen Entscheidungsträgern einen operativen Vorteil". Die Satelliten befänden sich bereits in der Produktion, Start-Slots seien gesichert. Die ersten dieser Himmelskörper könnten so 2026 abheben.

"Der Ukraine-Krieg zeigt, dass KI und Satelliten das Schlachtfeld immer durchschaubarer machen", begründete Helsing-Mitgründer Gundbert Scherf die Initiative. Loft und Helsing wollten Verteidigungskunden damit "eine dauerhafte und schnelle Aufklärung bieten". Europa brauche jetzt eigenen Zugang zu solchen Weltraum-Ressourcen. Deshalb investieren beide Unternehmen eigenes Geld, um diesen Ansatz zu beschleunigen. Nach den jüngsten Sabotageakten auf kritische Unterwasserinfrastrukturen in der Ostsee entsandte die NATO jüngst eine kleine Flotte zum Schutz von Kabeln in das Meeresgebiet. Solche Missionen könnten von dem Überwachungsvorhaben profitieren.

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Im Rahmen des AI Action Summit in Paris annoncierte Helsing zudem am Montag eine weitere strategische Partnerschaft "zur gemeinsamen Entwicklung von KI-Systemen der nächsten Generation für die Verteidigung Europas" mit Mistral AI an. Das französische Unternehmen veröffentlichte gerade eine neue Version seines Chatbots le Chat und gilt als weit vorn beim Entwickeln großer Sprachmodelle made in Europe. Das gemeinsame Projekt mit Helsing soll sich auf "Vision-Language-Action-Modelle" konzentrieren.

Sie werden der Ankündigung zufolge eingesetzt, damit "Verteidigungsplattformen ihre Umgebung verstehen, auf einfache Weise mit Bedienern kommunizieren" und diese so "schnellere, zuverlässigere Entscheidungen in komplexen Szenarien treffen" können. Die Münchner wollen dabei ihr mit Kampfdrohnen in der Ukraine und im Rahmen der elektronischen Kriegsführung des Eurofighters gesammeltes Know-how einbringen. US-Whistleblower monieren seit Längerem, dass hinter dem Drohnenkrieg eine "Kill Cloud" stehe, die den Tod übers Internet bringe.

(olb)