Umfrage: Mehrheit der Deutschen hat Angst vor Cyberkrieg

Ein Großteil sieht Cyberkriminalität als große Gefahr und findet, dass Deutschland schlecht auf Cyberangriffe vorbereitet ist. Das zeigt eine Bitkom-Umfrage.

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(Bild: JLStock/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Ein Großteil der Deutschen (70 Prozent) sieht Cyberkriminalität als große Gefahr und fast ebenso viele (64 Prozent) glauben, dass Deutschland schlecht auf Cyberangriffe vorbereitet ist. Sechs von zehn befürchten sogar einen Cyberkrieg. Das geht aus einer anlässlich der Münchner Cybersicherheitskonferenz veröffentlichten Umfrage des Branchenverbands Bitkom hervor, an der 1115 Befragte ab 16 Jahren teilgenommen haben.

Die größte Cyberbedrohung geht den Befragten zufolge vor allem von ausländischen Geheimdiensten aus (78 Prozent) und von organisierter Kriminalität (67 Prozent), danach kommen politische oder religiöse Extremisten (59 Prozent) und einzelne Kriminelle (41 Prozent). Die größte Bedrohung geht nach Sicht der Befragten von Russland aus (98 Prozent), danach folgen China mit 84 Prozent, Nordkorea mit 44 Prozent und ein Drittel sieht die USA als Bedrohung für die Cybersicherheit in Deutschland.

Der Großteil ist sich sicher, dass Kriege in Zukunft mit digitalen Mitteln geführt werden. 63 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen eine größere Bedrohung darstellen als "konventionelle militärische Angriffe". Zwei Drittel sind laut Umfrage daher überzeugt, Cyberangriffe müssen wie militärische Angriffe behandelt werden. Weitere zwei Drittel zeigten sich durch Anschläge auf Unterseekabel beunruhigt und dass der internationale Datenverkehr "so leicht zu sabotieren" ist. Während 80 Prozent dafür sind, zur Stärkung der Unabhängigkeit mehr Kabel zu verlegen, sind 60 Prozent für eine "lückenlose Satellitenüberwachung" der Kabel. 63 Prozent erwarten zudem, dass sich "private Akteure durch Cyberangriffe" häufiger in Krisen einmischen.

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Insgesamt werden Behörden und Verwaltungen als "schlecht vorbereitet" auf Cyber-Bedrohungen eingeschätzt, wie die Umfrageergebnisse zeigen. 75 Prozent fordern "die Gründung eines digitalen Katastrophenschutzes" und 73 Prozent mehr Investitionen in den Schutz von kritischen Infrastrukturen. 64 Prozent fordern der Umfrage zufolge "Investitionen in Cyber-Abwehreinheiten" und 56 Prozent in Notfallschulungen. Gleichzeitig fand der Bitkom heraus, dass von 30 Cybersicherheitsvorhaben in der Nationalen Sicherheitsstrategie erst zwei umgesetzt worden sind. "Umgesetzt sind Prüfmöglichkeiten für systemkritische Komponenten in Kommunikationsnetzen, auch die Cyberagentur hat wie geplant ihre Arbeit aufgenommen und vergibt gezielt Forschungsaufträge", lautet das Fazit des Bitkom.

Eigentlich wollte die Ampel-Regierung das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch unabhängiger aufstellen, allerdings wurde daraus nichts. Außerdem sollen alle Behörden Schwachstellen an das BSI melden, nur Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste nicht. Andere Vorhaben, wie verstärkte Investitionen in die Cybersicherheit von KRITIS, wurden ebenfalls nicht umgesetzt.

"Die Erhöhung der Cybersicherheit muss eine zentrale Aufgabe der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der künftigen Bundesregierung sein", fordert daher Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Die Grenzen zwischen Cybercrime und hybrider Kriegsführung, zwischen privaten und staatlichen Akteuren seien seiner Ansicht nach inzwischen fließend. Er ist sich sicher, dass sich die Bedrohungslage verschärfen wird: "Wir müssen deshalb unsere nationale Sicherheit sowohl klassisch als auch im digitalen Raum stärken – in Behörden und der Verwaltung, aber auch in kritischer Infrastruktur und in den Unternehmen."

(mack)