PC überwacht sich selbst
Wenn der Rechner ein paar Monate nach dem Kauf Zicken macht, hat das zumeist mit fehlkonfigurierter Software zu tun. Das Start-up Soluto arbeitet an automatisierten Lösungen für solche Probleme.
Wenn der Rechner ein paar Monate nach dem Kauf Zicken macht, hat das zumeist mit fehlkonfigurierter Software zu tun. Das Start-up Soluto arbeitet an automatisierten Lösungen.
Die israelische Firma Soluto hat nach eigenen Angaben eine neuartige Software entwickelt, die Büro-PCs ständig auf Konflikte zwischen Computer-Hardware, Anwendungsprogrammen und Betriebssystem abklopfen soll. Hat der Benutzer beispielsweise Schwierigkeiten mit einer nur noch träge reagierenden Tabellenkalkulation, kann das System des Start-ups direkte Hilfestellungen geben. Das kann dann bedeuten, dass es empfiehlt, die leistungshungrige Aktualisierung der Virenschutzdatenbank, die ausgerechnet am arbeitsreichen Nachmittag abläuft, in den Abend zu verschieben.
Lösungen liefert das System dabei nicht nur über einen eigens entwickelten Entstör-Algorithmus, sondern schöpft auch aus einer Datenbank, die aus früherer Erfahrungen gespeist wird. "PC Genome", wie Soluto das nennt, wurde auf den Rechnern anderer Nutzer gewonnen. Die Software kann dabei beispielsweise erkennen, welche Einstellung ein User vorgenommen hat, um ein bestimmtes Problem zu beheben und dann entsprechende Empfehlungen für die Rechner anderer Nutzer mit ähnlichen "Krankheitsbildern" anzeigen.
"Antifrustrations-Software" nennt Soluto das. "Millionen PCs bei Millionen Nutzern leiden zwangsläufig unter ähnlichen Problemen. Wenn nur 10.000 Personen den gleichen Stress haben, finden wir Methoden, diese zu beheben", erläutert Gründer Tomer Dvir.
Dabei bedient sich Soluto statistischer Analysen und kann so unter anderem ermitteln, dass bestimmte Softwareversionen nicht miteinander "können". Tritt ein Fehler nur selten auf, prüft das System, ob der Nutzer in letzter Zeit Veränderungen an den Standardeinstellungen vorgenommen hat.
Die zur Erstellung der Hilfsdatenbank notwendige Speicherung verspricht Soluto privatsphärenfreundlich zu gestalten – identifizierende Informationen zum Nutzer würden nicht abgelegt. "Wer einen PC nur eine Stunde benutzt hat, versteht, wie Soluto vorgeht", meint Shmuel Chafets von Giza Venture Capital, einem der Investoren der Firma.
Eine erste praktische Lösung von Soluto ist eine Software, die dabei hilft, die Startzeit von Windows-PCs zu beschleunigen. Dazu wird der Boot-Prozess analysiert und dem Nutzer dann mitgeteilt, ob er sich das automatische Laden bestimmter Programme oder Codeteile überhaupt zumuten muss. Außerdem ist es möglich, beim Booten startende Software auch später aktivieren zu lassen. Diese und andere Informationen zu möglichst rund laufenden PCs landen wiederum in der "PC Genome"-Datenbank, von der alle Soluto-Kunden profitieren sollen. An den darauf aufsetzenden Algorithmen hat das Start-up zweieinhalb Jahre geschraubt.
Noch ist unklar, wie Soluto möglichst massenwirksam vertrieben werden kann. Aktuell bedient sich die Firma dem Direktvertrieb per Internet, könnte aber deutlich mehr Nutzer erreichen, wenn sie beispielsweise Verträge mit großen PC-Herstellern abschließen würde. Ob die mitziehen, ist allerdings fraglich: Das Bestücken fabrikneuer Geräte mit Werbesoftware und Testversionen hat sich nämlich mittlerweile als ein lukratives Nebengeschäft etabliert, auch wenn Nutzer solche "Crapware" überhaupt nicht mögen und sie, sollten sie wissen, wie das geht, gerne auch sofort wieder löschen.
Auch PC-Wartungsfirmen mögen Soluto möglicherweise nicht: Wenn der Kunde sich weitgehend selbst helfen kann, wie es die Vision des Start-ups ist, lassen sich auch keine teuren Supportaufträge erfüllen. Momentan muss die Firma allerdings zunächst beweisen, dass sie ihre technischen Versprechen überhaupt einhalten kann. Bei der Vorstellung der Boot-Optimierung gab es schon mal ein Problem: Der Dienst wurde so stark nachgefragt, dass interessierte Nutzer ihn anfangs eine Woche lang gar nicht erreichen konnten. Außerdem funktionierte die erste Version nur mit der englischsprachigen Variante von Windows korrekt. (bsc)