Forscher entdecken ungewöhnliche Dreierkonstellation im Kuipergürtel
Nach 17 Jahren der Beobachtung sind sich Forscher sicher: Was sie für eine Gruppe aus zwei Himmelskörpern hielten, ist eine Dreierkonstellation.
Künstlerische Darstellung von Altjira
(Bild: NASA)
Forscher haben ein ungewöhnliches System im Kuipergürtel entdeckt: 148780 Altjira besteht aus drei Himmelskörpern. Diese auseinanderzuhalten, war nicht einfach.
148780 Altjira ist rund 6 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt und besteht aus drei Kuipergürtelobjekten (Kuiper Belt Objects, KBO), die jeweils etwa 200 Kilometer groß sind.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Entdeckt wurde Altjira mit dem Weltraumteleskop Hubble. Auf den Bildern erschien es jedoch als Zweiersystem: Sie zeigten vermeintlich zwei Objekte, die rund 7.600 Kilometer voneinander entfernt sind. Erst durch weitere Beobachtungen der Bewegungen der KBOs kamen die Forscher darauf, dass es sich bei dem einen der beiden eigentlich um zwei handelt. Diese sind aber so nahe beieinander, dass sie aus der großen Distanz schlecht auseinanderzuhalten sind.
Hubbles Auflösung reichte nicht
"Bei so kleinen und weit entfernten Objekten beträgt der Abstand zwischen den beiden inneren Mitgliedern des Systems auf der Hubble-Kamera nur den Bruchteil eines Pixels, so dass man auf nicht-bildgebende Methoden zurückgreifen muss, um herauszufinden, dass es sich um eine Dreiergruppe handelt", sagte Maia Nelsen, Hauptautorin der Studie.
Das brauchte Zeit: Insgesamt 17 Jahre haben Nelsen und ihr Team das System mit Hubble und dem W. M. Keck-Observatorium auf Hawaii beobachtet und dabei festgestellt, dass sich die Umlaufbahn des äußeren Objekts mit der Zeit veränderte. Ein Dreifachsystem schien dafür die beste Erklärung.
Die Frage ist, wie Altjira entstanden ist. Die Theorie ist, dass Altjira aus dem Gravitationskollaps von Materie in der Scheibe um die Sonne entstand. Auf diese Weise bilden sich auch Systeme mit mehreren Sternen. "Das Universum ist voll von Dreikörpersystemen, einschließlich des der Erde am nächsten gelegenen Sterns Alpha Centauri, und wir stellen fest, dass der Kuipergürtel keine Ausnahme darstellt", sagte Nelsen.
Nur Pluto ist gut erforscht
Der Kuipergürtel befindet sich jenseits des Neptun und besteht aus Überbleibseln aus der Frühzeit des Sonnensystems, das heißt vor 4,5 Milliarden Jahren. Die Zahl der Objekte ist nicht bekannt. Es soll rund 70.000 KBOs geben, mit einem Durchmesser von mehr als 100 Kilometern. Gut erforscht sind bisher nur der Zwergplanet Pluto, das größte KBO, und das Doppelsystem Arrokoth, durch die Sonde New Horizons.
Bisher sind etwa 40 Doppelobjekte im Kuipergürtel bekannt. Bei zweien könnte es sich auch um eine Dreierkonstellation handeln. Altjira könnte also keine so große Besonderheit sein.
Videos by heise
Die Studie zu Altjira ist in der Fachzeitschrift The Planetary Science Journal erschienen. Nelsen und ihr Team wollen das Objekt weiter beobachten. "Altjira ist in eine Verfinsterungsperiode eingetreten, in der das äußere Objekt vor dem Zentralobjekt vorbeizieht. Das wird zehn Jahre lang andauern und den Wissenschaftlern eine großartige Gelegenheit bieten, mehr über das System zu erfahren", sagte die Forscherin.
(wpl)