Unterwasserturbinen in der Normandie sollen Strom aus den Gezeiten erzeugen
Frankreich hat bereits in den 1960er Jahren angefangen, Strom mit der Kraft des Meeres zu erzeugen. Vor der Normandie entsteht ein neues Gezeitenkraftwerk.
KĂĽnstlerische Darstellung des Gezeitenkraftwerks NH1
(Bild: Normandie Hydroliennes)
Strom aus dem Meer: Vor der Küste der Normandie soll ein Kraftwerk gebaut werden, das aus der Strömung der Gezeiten elektrischen Strom gewinnt.
NH1 heißt das Projekt, das in der Straße von Alderney, etwa 3,5 Kilometer vor der Küste der Normandie, entstehen soll. Dort sollen auf dem Meeresgrund vier Gezeitenturbinen mit einer Leistung von jeweils 3 Megawatt installiert werden. Die Europäische Union (EU) fördert das Projekt mit 31,3 Millionen Euro.
Die Turbinen vom Typ AR3000 ähneln Windrädern, allerdings sind die Flügel deutlich kleiner. Bewegt durch das vorbeiströmende Wasser sollen sie im Jahr 34 Gigawattstunden Strom produzieren. Das reicht laut Hersteller Normandie Hydroliennes aus, um 15.000 Menschen zu versorgen. NH1 soll 2028 ans Netz gehen.
Strom aus dem Meer
Das Meer ist ständig in Bewegung, und die Bewegungen können dazu genutzt werden, elektrischen Strom zu erzeugen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine ist, die Kraft der Welle zu nutzen, mit schwimmenden oder am Meeresboden befestigten Generatoren, wie etwa der Energieboje CX2.
Die andere Möglichkeit ist, den Gezeitenstrom anzuzapfen, wie etwa der Dragon 12 von Minesto, der Strom für die Färöer-Inseln produziert. Da der Wechsel der Gezeiten regelmäßig erfolgt, ist die Stromgewinnung besser planbar als etwa bei Windkraft- oder Solaranlagen.
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Vor der Küste Frankreichs gibt es sehr starke Gezeitenströme. Dort, wo NH1 entsteht, erreicht der Strom bei Springflut Geschwindigkeiten von bis zu 12 Knoten (etwa 22 km/h). An der französischen Atlantikküste wurde auch das erste Gezeitenkraftwerk der Welt gebaut: Die Usine marémotrice de la Rance in der Bretagne, in der Mündung des Flusses Rance bei St. Malo, liefert seit 1967 Strom.
(wpl)