Nager ohne Nager
Forscher am MIT Media Lab haben ein besonders platzsparendes Eingabesystem fĂĽr PCs entwickelt: Eine unsichtbare Maus.
Forscher am MIT Media Lab haben ein besonders platzsparendes Eingabesystem fĂĽr PCs entwickelt: Eine unsichtbare Maus.
Als sich Mitte der 80er Jahre Rechner mit fensterbasierten grafischen Benutzeroberflächen durchzusetzen begannen, fand auch das von Douglas Engelbart bereits 1963 vorgestellte Konzept einer Cursor-Steuerung per Maus erstmals weite Verbreitung. Seither hat sich viel getan: Heutige Mäuse sind zumeist ergonomisch, bieten eine Vielzahl an Tasten, arbeiten oft kabellos oder besitzen gar eine berührungsempfindliche Oberfläche für die Gesten-Steuerung. Daneben gibt es längst zahlreiche Maus-Alternativen vom Trackball (der historisch betrachtet noch älter ist) über den in die Tastatur eingelassenen Trackpoint bis hin zum bei Laptops verbreiteten Trackpads. Daneben benutzen Designer oder Entwickler auch noch allerlei spezialisierte Eingabemedien wie etwa das Grafiktablett.
Wenn es nach Forschern am MIT Media Lab geht, kommt bald ein weiteres Eingabesystem hinzu: die unsichtbare Maus. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Infrarot-Laser und einer dazu passenden Kamera, die die Bewegungen der Maushand aufzeichnet. Der Nutzer des Systems bewegt seine Hand genauso, wie er das von der Maus gewohnt wäre – nur dass dieser eben nicht mehr vorhanden ist. Schiebt er die Hand nach links, wandert der Mauszeiger nach links, schiebt er sie nach rechts, oben oder unten, folgt er auch diesen Bewegungen. Auch für das Klicken gibt es Gesten: Dazu muss man nur seinen sonst auf dem Tisch ruhenden Zeigefinger kurz heben und wieder absenken, so wie man das bei einer Maus auch tun würde. Den rechten Mausklick erledigt die gleiche Geste mit dem Mittelfinger.
Noch ist das "Mouseless" genannte Projekt in einer frühen Phase. Projektleiter Pranav Mistry, Forschungsassistent und Doktorand am Media Lab, der vor seinem Gang ans MIT bei Microsoft an neuen Nutzerschnittstellen arbeitete, glaubt aber an eine schnelle praktische Umsetzung. Beim aktuellen Prototyp sitzt der Laser neben der Tastatur eines Laptops, die Kamera ist wiederum am Deckel montiert. Beides ist nicht besonders elegant, ließe sich aber sehr einfach miniaturisieren. Den Materialwert der Technik gibt Mistry mit gerade einmal 20 Dollar an. Die Hauptarbeit sitzt in der Software. Sie erkennt über die Kamera, an welcher Stelle Hand und Finger das vom Laser losgeschickte IR-Licht verändern. So lässt sich die Position im Raum sehr genau bestimmen.
Auch wenn die Demonstration der Technik in einem Video anfangs recht merkwürdig wirkt – unergonomisch ist die unsichtbare Maus nicht. Der Nutzer kann seine Hand samt Fingern die ganze Zeit auf dem Schreibtisch ruhen lassen, Klicks werden auch dann erkannt, wenn es nur ganz leichte Fingerbewegungen gibt. Zudem soll es nicht bei der einfachen Mauszeigersteuerung und simplen Mausklicks bleiben. Mit der Verfeinerung des Bilderkennungsalgorithmus sind komplexe Gesten vorstellbar, die weit über das hinausgehen, was sonst mit einer Maus möglich ist.
Mistry hat einige Erfahrung mit der Technik. Im Rahmen der Fluid Interfaces Group hat er unter anderem eine Kombination aus Gestenerkennung und Projektor geschaffen, mit der physikalische Objekte um Daten aus dem Internet ergänzt werden können. (bsc)