Günstige Aufklärungsdrohnen: U.S. Army testet Alternativen aus dem 3D-Drucker

Aufklärungsdrohnen gehen schnell "verloren". Das ist teuer. US-Soldaten haben Drohnen entwickelt, die selbst gedruckt werden können und wenig kosten.

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Ein Soldat startet eine Aufklärungsdrohne aus der Hand.

Die militärische Aufklärungsdrohne aus dem 3D-Drucker wird aus der Hand gestartet.

(Bild: U.S. Army / Pfc. Brent Lee)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die U.S. Army beabsichtigt, bei einer Übung in Polen im Mai erstmals mit dem 3D-Drucker gefertigte Aufklärungsdrohnen zur Erfassung gegnerischer elektromagnetischer Signaturen einzusetzen. Das berichtet Task & Purpose am Montag. Die Drohnen sollen von den Einheiten im Einsatz bei Bedarf selbst hergestellt werden können und nur einen Bruchteil von Drohnen kosten, die von der Militärindustrie angeboten werden.

Aufklärungsdrohnen haben es nicht leicht: Werden sie bei einer Mission vom Feind erkannt, werden sie meist bekämpft und sind dann verloren. Solche von Rüstungsunternehmen gefertigten kleinen Aufklärungsdrohnen können schnell bis zu 28.000 US-Dollar kosten. In einem Konflikt kann sich das zu einem stattlichen Betrag summieren.

Soldaten des in Mainz-Kastel stationierten 2nd Multi-Domain Effects Battalions haben nun einen Weg gefunden, die Kosten für den Bau einer Aufklärungsdrohne, die visuelle Bilder und elektromagnetische Signaturen des Gegners liefern kann, deutlich zu drücken. Die von ihnen entwickelten Drohnen sollen sich für 2000 bis etwa 3000 US-Dollar fertigen lassen, so das Versprechen.

Bis es so weit war, hatte die Einheit der U.S. Army viel zu lernen. Die strukturellen Komponenten stammen aus dem 3D-Drucker. Entsprechend mussten sich die beteiligten Soldaten mit dem 3D-Druck beschäftigen, um die richtige Druckqualität zu finden, um die nötige Stabilität bei möglichst geringem Gewicht der Drohne zu erhalten.

Außerdem mussten Erfahrungen mit der nötigen Steuerungs- und Aufklärungselektronik gesammelt werden. Sergeant 1st Class Tyler Baumgartner, Leiter des Drohnenlabors, erklärte gegenüber Task & Purpose, dass dazu "viele Stunden im Selbststudium" nötig waren. Wussten die Soldaten mal nicht weiter, holten sie sich Tipps von Freunden und Partnern.

Das war jedoch nicht der schwierigste Teil des Projekts. Viel komplizierter sei das Genehmigungsverfahren gewesen, um die Erlaubnis und eine Finanzierung vom US-Verteidigungsministerium zu erhalten. Das langwierige Verfahren habe auch die Kosten pro Drohne erhöht. Von acht Monaten habe man etwa 90 bis 120 Tage "mit Papierkram" verbracht und auf Genehmigungen gewartet. Entsprechend konnten in der Zeit auch nur sieben Drohnen gebaut und in die Luft gebracht werden.

Zusätzlich hatten die Soldaten mit der Beschaffung der nötigen Komponenten wie der Elektronik zu kämpfen. Aus bestimmten Ländern, wie etwa China, dürfen diese nicht bezogen werden. Entsprechend teuer fallen die Alternativen aus und erhöhen den Preis der Aufklärungsdrohnen.

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Die ersten Tests der Drohnen verliefen allerdings nicht erfolgreich. Das Team habe jedoch aus den Fehlern gelernt und stetig Verbesserungen erzielen können. Nun seien die Drohnen einsatzfähig. Getestet werden sollen bis zu zwei Drohnen in einem realistischen Szenario bei einer Militärübung in Polen im Mai. Dabei soll festgestellt werden, ob sie sich tatsächlich zur Fernaufklärung eignen.

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(olb)