Apples Ex-Chefdesigner Jony Ive vermisst die "unschuldige Euphorie" im Valley

Apples früherer Chief Design Officer Jony Ive stellte sich Fragen in San Francisco. Er sparte einmal mehr auch nicht mit kritischen Tönen.

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Apples früherer Chefdesigner Jony Ive im Gespräch auf der Stripe Sessions

Apples frĂĽherer Chefdesigner Jony Ive (links) hatte einen Gastauftritt auf der Konferenz Stripe Sessions in San Francisco.

(Bild: Stripe Sessions/Screenshot)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Malte Kirchner
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Zeiten der Tüftlergaragen-Kultur im Silicon Valley sind bekanntlich vorbei. Apples früherer Chefdesigner Jony Ive bemerkt aber auch einen Sinneswandel im Denken der Entscheider der großen Tech-Konzerne. Habe Anfang der Neunziger noch eine "unschuldige Euphorie" gleichgesinnter Menschen vorgeherrscht, die die Welt verbessern wollten, gehe es heute primär um Geld und Macht, beklagte Ive jetzt in einem Live-Bühnen-Talk der Stripe Sessions in San Francisco. Die Veranstaltung richtete sich an die Payment- und Finanztechnologie-Szene.

Kritische Töne gab es von Ive auch schon bei anderen Gelegenheiten zu hören, zuletzt im Februar in einer Radiosendung der britischen BBC. Einen Punkt, den er dort nannte, die gesellschaftlichen Technikfolgen, sprach er jetzt auch in San Francisco noch einmal an. Wenn man Innovationen schaffe, könne das unbeabsichtigte Konsequenzen haben, sagt er. "Bestimmte Produkte, an denen ich sehr, sehr beteiligt war, hatten einige unbeabsichtigte Konsequenzen, die alles andere als angenehm waren." Bei früheren Gelegenheiten ließ Ive durchblicken, dass er sich dabei wahrscheinlich auf Suchtverhalten bei Menschen bezieht, die ständig ihr Smartphone benutzen oder die sich dadurch in Social Media verlieren beziehungsweise diese Kanäle zum Schaden anderer benutzen. Die Kenntnis darum belaste ihn sehr, sagt er.

Ive fehlen frühzeitige ethische Diskussionen darüber, was die Technik mit den Menschen macht. Die Entwicklung schreite zu schnell voran, um angemessene gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Folglich kämen Diskussionen oft viel zu spät.

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Neben kritischen Gedanken erhalten Zuschauer – das Gespräch ist auch auf YouTube abrufbar – Einblick in die Arbeit des Designers. Erinnerungen an Sonntage, an denen er sich den Kopf zerbrach, wie ein Zubehörkabel ideal eingepackt werden kann, gehören eben dazu, wie wechselseitiges Frühstück-Zubereiten im Designteam und gegenseitige Teambesuche zuhause.

Ohne sich direkt auf die Kritik zu beziehen, begründet Ive aber einmal mehr die Leitlinien seiner Designphilosophie. Kritiker hielten ihm bedingungslosen Minimalismus vor, wenn er Geräte immer dünner und mit weniger Anschlüssen gestaltete. Er betrachtet hingegen seine Arbeit als das Herausarbeiten von Einfachheit, um Zweck und Rolle eines Gegenstands präzise auszudrücken.

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Ive, der Apple vor einigen Jahren verließ, um sich mit seiner eigenen Designfirma selbstständig zu machen, soll angeblich in Zusammenarbeit mit OpenAI etwas Neues in Richtung Künstliche Intelligenz planen, wie Gerüchten zu entnehmen ist. Er selbst schweigt weiterhin dazu. Es gebe aber Projekte, über die er im Moment nicht sprechen könne, räumt er ein: "Aber ich freue mich darauf, irgendwann in der Zukunft darüber sprechen zu können."

(mki)