Hype vorbei? KI in deutschen Büros weniger angesagt
Im globalen Vergleich nutzen Deutsche im Job eher selten KI-Tools. Indes sinkt zunehmend das Vertrauen in künstliche Intelligenz, wie eine Studie zeigt.
(Bild: iX)
An deutschen Arbeitsplätzen kommt künstliche Intelligenz im internationalen Vergleich selten zum Einsatz. Rund 42 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland verwenden für ihren Job bewusst KI-Anwendungen. Das geht aus einer Studie der Universität Melbourne und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor. Weltweit liegt der Anteil der beruflichen KI-Nutzung bei 58 Prozent. In Österreich nutzen etwa 49 Prozent der Arbeitnehmer KI-Anwendungen im Beruf. Mit knapp zwei Dritteln liegt der Anteil in der Schweiz deutlich höher.
Vertrauen in KI-Anwendungen sinkt
Obwohl die Verbreitung von KI-Anwendungen am Arbeitsplatz zunimmt, stellten die Forscher im Vergleich zu Daten aus dem Jahr 2022 ein sinkendes Vertrauen gegenüber KI im Berufsalltag fest. Inzwischen seien Arbeitnehmer stärker mit den Möglichkeiten und Grenzen von KI-Tools in Bezug auf ihre beruflichen Aufgaben vertraut und hätten ihre Erwartungen angepasst. Dazu verweisen die Studienautoren auf mögliche Halluzinationen von Sprachmodellen. Vor dadurch entstandenen Schäden will jetzt eine britische Versicherung schützen.
Mit 43 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, die derzeit KI-Tools im Job vertrauen, liegt der Anteil auf einem vergleichbaren Niveau wie die Nutzung. Trotz höherer Nutzungsrate vertrauen auch 43 Prozent der österreichischen Angestellten den beruflich genutzten KI-Anwendungen. Zwar ist mit 55 Prozent das Vertrauen in der Schweiz höher, jedoch auch die Diskrepanz zur Nutzungsrate von KI. Im weltweiten Durchschnitt vertrauen rund 53 Prozent der Befragten den im Berufsalltag genutzten KI-Tools.
Hälfte der deutschen Firmen fördert KI-Kenntnisse
Rund 50 Prozent der deutschen und österreichischen Unternehmen verfügen über eine KI-Strategie, mit der sie den Einsatz von künstlicher Intelligenz in die Arbeitsprozesse integrieren und ihre Mitarbeiter zur Nutzung von KI-Anwendungen ermutigen. Ein ähnlich hoher Anteil der Betriebe bietet Trainingsmöglichkeiten für den Umgang mit KI-Tools an, etwa Schulungen oder Peer-Education. In der Schweiz verfügen etwa zwei Drittel der Unternehmen über eine KI-Strategie und Schulungsangebote für Mitarbeiter. Am stärksten unterstützen Firmen der IT-Branche sowie des Versicherungs- und Finanzwesen ihre Mitarbeiter bei der KI-Nutzung.
In diesem Workshop lernen Führungskräfte, wie sie die Basis für erfolgreiche KI-Projekte im Unternehmen legen. Dabei werden die Schritte erklärt, die es bis zum ersten KI-Projekt benötigt: eine richtige Governance, Use-Case-Auswahl und einer realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten.
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Generative KI-Anwendungen kommen am Arbeitsplatz am häufigsten zum Einsatz. Knapp drei Viertel der Arbeitnehmer verwenden Chatbots mit mehreren Anwendungsmöglichkeiten, etwa ChatGPT oder Copilot. Rund 31 Prozent verwenden KI-gestützte Mediengeneratoren, etwa ein Viertel nutzen beruflich generative KI-Anwendungen mit spezifischen Einsatzzwecken wie Grammarly. Zur Prozessautomatisierung oder Datenanaylse verwenden rund 18 Prozent der Angestellten künstliche Intelligenz. Im Bereich der Robotik sind es etwa 12 Prozent.
Angestellte setzen auf Schatten-KI
Über alle Verwendungszwecke hinweg verwenden rund 70 Prozent der Angestellten frei zugängliche KI-Anwendungen. Etwa 42 Prozent nutzen KI-Tools, für die sie einen Zugang von ihrem Arbeitgeber erhalten haben, knapp ein Fünftel zahlt für ein beruflich genutztes KI-Programm aus eigener Tasche. Indes nehmen es Mitarbeiter mit dem Schutz von Unternehmensdaten nicht immer ganz genau. Fast die Hälfte der befragten Arbeitnehmer gibt an, schon einmal interne Informationen in eine öffentlich zugängliche KI-Anwendung übertragen zu haben.
Ebenfalls geben 44 Prozent der Angestellten in der Studie an, bei der Verwendung von KI gegen Richtlinien in ihrem Unternehmen verstoßen zu haben. Etwa 56 Prozent nutzen KI-Tools, ohne die Regeln ihres Arbeitgebers zu kennen. Rund ein Drittel der Arbeitnehmer berichten, dass ihr Betrieb die Nutzung generativer KI klar regelt, sechs Prozent verweisen auf ein Nutzungsverbot für solche Tools. Hingegen gibt es in 41 Prozent der Unternehmen keine entsprechenden Richtlinien. Ferner geben etwa 60 Prozent an, die Verwendung von KI-Anwendungen zu verschleiern und deren Ergebnisse als eigene Werke vorzustellen.
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Zwei von drei Arbeitnehmern sehen durch KI-Nutzung eine gestiegene Effizienz bei der Arbeit. Mehr als die Hälfte gibt zudem an, mit KI-Anwendungen an verlässliche Informationen zu gelangen und die eigene Arbeitsleistung zu verbessern. Außerdem sehen mehr als ein Drittel der Angestellten eine gestiegene Jobsicherheit durch KI, 17 Prozent glauben hingegen eher an eine zunehmende Unsicherheit ihres Arbeitsplatzes. Laut einer Microsoft-Studie plant derzeit jedes dritte deutsche Unternehmen mit Stellenstreichungen. Stattdessen wollen drei Viertel der Betriebe KI-Agenten als digitale Arbeitskräfte einstellen.
(sfe)