Bluetooth-Industrie hofft auf anhaltenden Boom

Erst von rund drei Monaten erreichte die Bluetooth-Funktechnik die Marke von zwei Millionen Chips pro Woche; mittlerweile werden laut Marktforschern drei Millionen Bluetooth-Chips pro Woche ausgeliefert.

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Von
  • Dusan Zivadinovic

Das Marktforschungsunternehmen IMS Research meldet, das gegenwärtig rund drei Millionen Bluetooth-Chips pro Woche ausgeliefert werden. Bluetooth kann also anscheinend endlich auf ein stabiles Wachstum hoffen, denn die aktuelle Meldung kommt nur knapp drei Monate nach dem Sprung über die Marke von zwei Millionen Chips pro Woche.

Die Marktforscher von In-Stat/MDR schätzen den Bluetooth-Markt in diesem Jahr auf 1 Milliarde US-Dollar und sagen für 2008 rund 1,7 Milliarden voraus. Den Trend scheinen auch die jüngsten Zahlen des Marktführers unter den Bluetooth-Chip-Herstellern zu bestätigen: CSR berichtet, allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 95 Millionen US-Dollar eingefahren zu haben, während es im gesamten Jahr 2003 noch 67 Millionen US-Dollar waren. Im August lieferte CSR seinen 50millionsten Bluetooth-Chip aus.

Ursprünglich als Kabelersatz-Technik gestartet, findet sich Bluetooth in Produkten von über 3000 Unternehmen, etwa von Apple, AVM, BMW, IBM, HP, Logitech, Microsoft, Motorola, Nokia, PalmOne, Sony Ericsson oder auch Toyota. Den Hauptantrieb für die Verbreitung liefert wie zu Beginn der Bluetooth-Ära die Schnurlos-Telefonie und ihr Umfeld. Beispielsweise hat die Ford Motor Company kürzlich US-Carrier Sprint beauftragt, Bluetooth-Handys zu liefern, die für die schnurlose Telefonie über Kfz-Freisprechanlagen des Auto-Herstellers geeignet sind. Bluetooth-Handys sind aber auch für viele PC-Nutzer der Auslöser für die Anschaffung von Bluetooth-Adaptern für den USB-Port, die es bereits ab 20 Euro gibt. Darüber hinaus fasst die Funktechnik auch in weniger offensichtlich passenden Bereichen Fuß, etwa in der Medizin oder dem Transportwesen (bei Nonin Medical's respektive UPS).

Die Bluetooth Special Interest Group, unter deren Fittichen Bluetooth entwickelt und spezifiziert wird, sieht den Nahfunk mittlerweile auf breiter Front akzeptiert und führt das auf verbesserte Interoperabilität von Geräten der zweiten und dritten Generation zurück sowie auf attraktive Anwendungen wie Headsets. Den Blick richten die Bluetooth-Macher allerdings nach vorn. Michael Foley, Executive und Technical Director der Bluetooth SIG, meint, Bluetooth werde weiterhin neue Märkte erschließen und an der Spitze der Entwicklung neuer Funktechniken bleiben. "Dafür wollen wir die Spezifikation kontinuierlich verbessern und in Bereichen wie Energiesparsamkeit, Übertragungsleistung, Sicherheit und Quality of Service zulegen", fährt Foley fort. Man kann das als Entgegnung auf die allmählich unüberschaubare Zahl an Funkverfahren nehmen, die auf die eine oder andere Weise um die Gunst des PC-Nutzers konkurrieren -- WLAN mit den zahlreichen Abarten fällt sofort als Stichwort, aber auch kommende Techniken wie UWB, ZigBee oder auch die Nearfield Communication wollen auch auf den Schreibtisch oder in die Hemdtasche.

Der nächste Meilenstein der Bluetooth-Spezifikation steht schon fest. Noch in diesem Jahr will die SIG die Spezifikation namens Enhanced Data Rate ratifizieren und so im Rennen um immer höhere Geschwindigkeiten ein wenig Boden gut machen. Während die WLAN-Entwickler just die Marke von 50 MBit/s überspringen (100 MBit/s brutto), liefert Bluetooth bisher netto maximal 723,2 kBit/s; mit EDR werden es netto maximal 2,1 MBit/s. Beobachter halten natürlich entgegen, dass man Äpfel mit Birnen vergleiche. WLAN sei schließlich eine Vernetzungstechnik, die ähnlich Ethernet den steigenden Anforderungen an die Geschwindigkeit folgen muss, während Bluetooth für mobile Anwendungen mit geringer Stromaufnahme maßgeschneidert sei. So kommt es, dass schon jetzt mancher WLAN-PC den Schreibtisch mit einem Bluetooth-Handy teilt. Irgendwo dazwischen werden wohl auch UWB und Konsorten ihren Platz finden. (dz)