9. Olympiade der Computerspielprogramme

In zehn Disziplinen ermitteln Denkspiel-Programme ab heute in Israel ihre Champions. Gleichzeitig findet dort die Weltmeisterschaft im Computerschach statt.

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Von
  • Lars Bremer

Heute beginnt im israelischen Ramat-Gan die neunte Computer-Olympiade. Programme aus aller Welt ermitteln in den Denkspielen Backgammon, Go, Xiangqi (Chinesisches Schach), Hex, Lines of action, Amazons und Octi einen Champion. Wie in den vergangenen Jahren findet gleichzeitig die Weltmeisterschaft im Computerschach statt.

Der Austragungsort hatte für Kontroversen gesorgt. Vielen potenziellen Teilnehmern schien Israel zu unsicher oder zu weit entfernt und damit zu teuer. Frank Berger, mit BGBlitz im vergangenen Jahr Sieger der Backgammon-Konkurrenz, sagte gegenüber heise online: "1500 Euro für ein Wochenende war mir etwas zu viel Geld. Ich bin davon ausgegangen, dass das Backgammon-Turnier ins Wasser fällt, weil auch GnuBG nicht teilnimmt. Nun spielen zwei ganz unbekannte Programme."

Andere Turniere müssen tatsächlich ausfallen. Insgesamt treten die elektronischen Zocker in nur zehn Wettbewerben gegeneinander an -- im vergangenen Jahr waren es noch 13. Auch Programmierer aus arabischen Ländern verspürten keinerlei Neigung, nach Israel zu reisen. Einer der Favoriten auf den Sieg im Schachturnier, das FPGA-Programm Hydra der Pal Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist zu Hause geblieben.

Sieht man vom Fehlen des Hydra-Teams ab, ist das Schachturnier sehr gut besetzt. 14 Programme spielen in elf Runden den Sieger aus. Die Bar-Ilan-Universtät, die das Spektakel organisiert, stellt den Teilnehmern Pentium-4-Rechner mit 2,8 GHz zur Verfügung, das Reglement erlaubt aber auch eigene Hardware. Das deswegen übliche Gigahertz-Wettrüsten gewann diesmal das US-amerikanische Freeware-Programm Crafty, das auf einem Quad Opteron mit 2,4 GHz spielt. Als Titelfavoriten handelt dennoch niemand den Open-Source-Klassiker, der auch Teil der SPEC-Benchmark-Suite ist. Die besten Chancen dürfen sich hingegen die Chessbase-Programme Fritz, Shredder und Junior ausrechnen.

Fritz und Shredder spielen ebenfalls auf Quad Opterons. Sponsor Transtec stellte zwei Maschinen mit 2,0 und 2,2 GHz zur VerfĂĽgung. Die Autoren beider Programme verlosten den schnelleren Rechner unter sich. Fritz gewann den virtuellen MĂĽnzwurf und Shredder muĂź sich mit dem drittschnellsten Rechner im Feld bescheiden. Laut Programautor Stefan Meyer-Kahlen ist das dennoch "der schnellste Rechner, auf dem Shredder jemals lief, dreimal schneller als ein Pentium 4 mit 3 GHz". Wie ĂĽblich gilt Titelverteidiger Shredder als der Top-Favorit. Voriges Jahr hatte das Programm auf einem Dual-Rechner die Quad-Konkurrenz geschlagen.

Die Ergebnisse veröffentlicht der Veranstalter nach jeder Runde auf der Turnierseite. In seinem WM-Tagebuch beschreibt Shredder-Autor Stefan Meyer-Kahlen das Schachturnier aus Sicht eines Teilnehmers. (Lars Bremer) / (anw)