Wenn der Computer beim Zähneputzen hilft

Es existiert kaum eine Kuriosität, die es nicht auch noch mit PC-Anschluss gibt -- selbst das Patentamt kann ein Lied davon singen: so manches Seltsame findet sich auch unter den knapp 1700 neuen Patentanmeldungen im Bereich Datenverarbeitung.

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  • Tobias Schormann
  • dpa

Es existiert kaum eine Kuriosität, die es nicht auch noch mit PC-Anschluss gibt -- selbst das Patentamt kann ein Lied davon singen, denn so manches Seltsame findet sich auch unter den knapp 1700 neuen Patentanmeldungen in der Abteilung für Datenverarbeitung.

"Wer braucht denn solchen Schnickschnack?" Das dürfte sich so mancher PC-Anwender fragen, wenn er das erste Mal eine elektrische Zahnbürste mit USB-Anschluss sieht. Die Antwort liegt auf der Hand: Niemand braucht eine USB-Zahnbürste. Und gerade deshalb ist sie ein Kultobjekt für PC-Fans, die in ihrem Rechner mehr als einen grauen Kasten unter dem Schreibtisch sehen. Computer sind heute eben im wahrsten Sinne des Wortes Alleskönner, und das bringt Erfinder und PC-Bastler auf die kuriosesten Ideen. Warum sollten die kleinen Superhirne zum Beispiel nicht auch die Kaffeetasse warm halten oder die vom Tippen klammen Finger massieren. Mit dem richtigen Zubehör und etwas Fantasie bringt man den PC dazu, Dinge tun, die man ihm früher nicht im Traum zugetraut hätte: Das reicht von der selbstgebauten Videoüberwachungsanlage bis zum digital gesteuerten Duftspender.

"Heute gibt es kaum noch etwas, wofür man den PC nicht benutzen kann -- der Fantasie der Erfinder sind kaum noch Grenzen gesetzt", sagt Bernhard Neumayer, Patentprüfer beim Deutschen Patent- und Markenamt in München. Knapp 1700 neue Patentanmeldungen gingen 2003 in seiner Abteilung für Datenverarbeitung ein. Nachdem der PC längst nicht mehr nur als Schreibmaschine benutzt werde, seien darunter häufig auch kuriose Erfindungen. So liegt Neumayer beispielsweise die Anmeldung eines Gebrauchsmusters für einen Kaffeetassenwärmer mit USB-Anschluss vor: Wenn man bei der Kaffeepause gestört wird, hält der PC den Kaffee solange warm.

Gerade USB-Geräte bieten zahlreiche ausgefallene Funktionen, denn sie lassen sich schnell und einfach an einen gewöhnlichen Standard-PC mit einer USB-Schnittstelle anschließen. Neben dekorativen Accessoires wie einer USB-Quietschente mit leuchtenden Augen finden Anwender hier jede Menge Zubehör, das mindestens so komisch wie praktisch ist: einen USB-Ventilator für den Sommer oder ein USB-Heizkissen für den Winter beispielsweise. Noch kurioser wirkt das Produkt der Firma TalVaro in Rosdorf: Sie hat einen PC-gesteuerten Duftspender mit USB-Anschluss entwickelt, mit dem der Rechner die Nase des Anwenders verwöhnen kann.

Ebenso ausgefallen erscheint der USB-Massageball der Firma Hama in Monheim (Bayern): Das 15 Euro teure Gerät soll die Finger nach der Tipparbeit entspannen. "Das richtet sich natürlich an echte PC-Freaks", sagt Hama-Sprecherin Susanne Uhlschmidt. Ähnlich wie beim Case-Modding, bei dem PCs mit allerlei Spezialzubehör verschönert werden, sei das extravagante Accessoire für PC-Liebhaber ein Gag. Aber daneben habe es durchaus einen praktischen Nutzen: Wer viel vor dem PC sitze, könne es sich so komfortabler am Arbeitsplatz einrichten.

Für Raucher bietet Hama daher ein maßgeschneidertes Extra -- einen Fronteinbau mit Zigarettenanzünder. Außerdem lassen sich über die Buchse sämtliche Geräte mit 12-Volt-Anschluss wie eine Kühlbox benutzen. "Vor allem auf LAN-Partys kommt so etwas gut an", sagt Uhlschmidt. So könnten PC-Spieler die ganze Nacht vor dem Rechner verbringen und seien dabei rundum versorgt. Passend dazu finden Anwender im Internet einen USB-Aschenbecher, der automatisch den Rauch der Zigarette einsaugt -- so stört der Raucher die anderen Spieler nicht. Für saubere Luft sorgt auch der USB-Staubfilter der Firma Unicopie in Düsseldorf, der vom TÜV Rheinland geprüft ist. Der Staubsauger soll krankheitserregenden Bakterien, Schimmelpilzen und Allergenen aus dem PC vorbeugen und kostet 17 Euro.

"Das meiste ist reine Spielerei -- wozu soll ich ein Gerät über USB benutzen, wenn ich es auch in die Steckdose stecken kann?", fragt etwa Michael Nickles, der in seinem Technik-Forum Nickles.de Tipps für PC-Bastler gibt. Für sinnvoller hält Nickles es, den PC als Videoüberwachungsanlage zu benutzen. Mit einer Webcam und der zugehörigen Software könne der Rechner jede ungewöhnliche Bewegung zu Hause aufzeichnen und bei Bedarf den Besitzer via E-Mail alarmieren. Auch als Steuerung für die Modelleisenbahn oder die Disco-Lichtorgel werde der PC eingesetzt. Und mit Hilfe einiger Funksensoren könne er sogar Klimadaten sammeln und als eigene Wetterstation dienen.

In Zukunft könnte es vielleicht sogar einmal ganz alltäglich sein, sich mit Hilfe des PCs die Zähne zu putzen, meint Patent-Prüfer Neumayer. Schließlich predigen die Computerfirmen heute schon, dass in zukünftigen Haushalten der PC auch Waschmaschine, Kühlschrank und Garagentor kontrollieren wird. (Tobias Schormann, dpa) / (jk)