Deutsches Kinderhilfswerk: digitale Medien schränken freies Spiel ein

Anlässlich des Weltspieltags hat das Deutsche Kinderhilfswerk Umfrageergebnisse veröffentlicht. Digitale Medien sollen die Hauptverhinderer freien Spiels sein.

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FuĂźball spielende Kinder auf einer Wiese

(Bild: Natalia Deriabina/ Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks gibt es einen klaren Übeltäter, weshalb sich Kindergarten- und Grundschulkinder in ihrer Freizeit nicht für analoge kreative Aktivitäten motivieren und begeistern können: die ständige Verfügbarkeit digitaler Medien. Dem Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hoffmann, zufolge, ist das ein Problem: "Kinder kommen von Beginn an über ihre Sinne in Kontakt mit der Welt und wollen diese auf spielerische Weise mitgestalten." Das sei nicht nur zu fördern, sondern gemäß der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder auch ein Recht auf freies Spiel. Um das zu gewährleisten, müssten Erwachsene aktiv werden.

Das Kinderhilfswerk macht in Hinblick auf den Weltspieltag (International Day of Play) am 11. Juni auf das Thema aufmerksam. Im Vorfeld hat es Forsa mit einer repräsentativen Befragung beauftragt, die unter 1001 Bürgerinnen und Bürgern ab 18 Jahren in Deutschland vom 14. bis zum 16. April 2025 durchgeführt wurde. Demnach sind nur 51 Prozent der Befragten der Meinung, dass Kinder heute außerhalb von Kita und Grundschule ausreichend Zeit und Möglichkeiten haben, kreativen Aktivitäten nachzugehen. 41 Prozent sehen dies hingegen nicht so.

Gründe dafür können vielfältig sein. Die größte Einigkeit unter den Befragten bestand aber in Bezug auf die Beurteilung digitaler Medien. 81 Prozent gehen davon aus, dass deren ständige Verfügbarkeit es Kindern erschwere, sich für analoge kreative Aktivitäten zu motivieren. 75 Prozent der Befragten sehen einen möglichen Grund darin, dass viele Eltern ihre Kinder nicht ausreichend bei kreativen Aktivitäten unterstützen oder ihnen nicht genug Freude daran vermitteln. Und 61 Prozent der Befragten führen finanzielle Einschränkungen als mögliches Hindernis an. Etwas weniger als die Hälfte – 45 Prozent – sagen, dass ein möglicher Faktor auch sein kann, dass Kinder heute einen großen Teil ihres Tages in Kita und Schule verbringen. Das laste sie anders aus. Zuletzt gehen 38 Prozent davon aus, dass es zu wenige attraktive und gut erreichbare Angebote für freies Spiel für Kinder gibt.

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Holger Hofmann leitet aus den Umfrageergebnissen eine klare Aufgabe ab: "Wir Erwachsenen müssen dafür sorgen, der spielerischen Auseinandersetzung [der Kinder] mit ihrer Umwelt und ihrem eigenen künstlerischen Ausdruck auch ausreichend Raum und Zeit zu geben." Das stärke auch ihre Selbstwirksamkeit, individuelle Entwicklung und schaffe ein Erlebnis von Gemeinschaft. Kinder haben laut dem Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf freies Spiel. Das bedeute auch, dass sie ihr "natürliches Spielbedürfnis" ausleben dürfen, "ohne äußere Zwänge und Vorgaben". Es sei wichtig, dass sie früh mit vielfältigen Angeboten von Kunst, Kultur, Spiel und Medien in Berührung kommen. Und Hofmann betont: "Dabei ist kulturelle Teilhabe gerade für finanziell benachteiligte Kinder wichtig, denn mit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit entwickelt sich die notwendige Resilienz im Umgang mit Armut".

Der Großteil der Befragten kann sich in den Grundschulen – insbesondere im Ganztagsbereich – mehr freies Spiel vorstellen. 89 Prozent von ihnen fänden eine entsprechende Umgestaltung sehr gut (55 Prozent) oder eher gut (34 Prozent). Nur 8 Prozent fänden dies weniger bzw. überhaupt nicht gut.

Befragt zu der Wichtigkeit verschiedener Arten des freien Spiels für Kinder im Kita- und Grundschulalter, zeigten sich die Befragten recht einig. Mit nur einem geringen Vorsprung von ein oder zwei Prozentpunkten wurden sportliche Aktivitäten von 97 Prozent an die Spitze gewählt, indem sie diese als "sehr wichtig" oder "eher wichtig" einstuften. Darauf folgen schon mit 96 Prozent kreative Aktivitäten wie beispielsweise Malen, Basteln, Theaterspielen oder Musikmachen, die als "sehr wichtig" oder "eher wichtig" erachtet werden. Beim freien Spiel sehen das 95 Prozent so. Aufgrund der von Forsa eingeräumten Fehlertoleranz von -/+ drei Prozentpunkten kann ein geteiltes Siegertreppchen für alle drei "Spielarten" aufgestellt werden.

Der Weltspieltag am 11. Juni steht für das Deutsche Kinderhilfswerk in diesem Jahr unter dem Motto "Lasst uns spielen – mit allen Sinnen!" Damit will es gemeinsam mit seinen Partnern im "Bündnis Recht auf Spiel" auf die Verknüpfung der Themen Spiel und Kultur aufmerksam machen. Botschafter des Weltspieltags 2025 ist der Fernsehmoderator und Autor Ralph Caspers. Die Schirmherrschaft über den Weltspieltag hat der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages übernommen.

(kbe)