ESA-Sonde Solar Orbiter fotografiert erstmals solaren Südpol

Weil die ESA die Bahn des Solar Orbiter gegenüber der Bahnebene geneigt hat, konnte die Sonde zum ersten Mal überhaupt den Südpol der Sonne beobachten.

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Südpol der Sonne

Südpol der Sonne, aufgenommen von Solar Orbiter im März 2025

(Bild: ESA & NASA/Solar Orbiter/EUI Team, D. Berghmans (ROB))

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die europäische Sonde Solar Orbiter hat Bilder von einem der Pole der Sonne aufgenommen. Nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA) ist es das erste Mal überhaupt, dass die Sonne aus dieser Perspektive fotografiert wird.

Am 16. und 17. März 2025 gelang es der ESA-Sonde Solar Orbiter, mit drei Instrumenten Aufnahmen des solaren Südpols zu machen: Der Polarimetric and Helioseismic Imager (PHI) erfasst die Sonnenoberfläche im sichtbaren Spektrum des Lichts und kartiert das Magnetfeld der Sonne. Der Extreme Ultraviolet Imager (EUI) beobachtet die Sonnenkorona im extrem kurzwelligen ultravioletten Spektrum. Das Instrument Spectral Imaging of the Coronal Environment (SPICE) schließlich sammelt Daten über die Temperatur des geladenen Gases über der Sonnenoberfläche und erfasst so die verschiedenen Schichten der Sonnenatmosphäre.

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"Heute zeigen wir der Menschheit erstmals überhaupt Ansichten des Sonnenpols", sagte ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell. "Die Sonne ist unser nächster Stern, Spenderin von Leben und potenzieller Störfaktor für moderne Raumfahrt- und Energieversorgungssysteme. Diese neuen, einzigartigen Ansichten unserer Solar-Orbiter-Mission sind der Beginn einer neuen Ära der Sonnenforschung."

Dass es die Bilder gibt, liegt an Bahn der Sonde: Bisher sind alle Sonden auf der gleichen Ebene um die Sonne gekreist wie die Planeten. Deshalb sind alle Bilder auf der Höhe des solaren Äquators entstanden und zeigen unser Zentralgestirn sozusagen von der Seite. Anfang dieses Jahres hat der Solar-Orbiter jedoch die Bahnebene des Sonnensystems verlassen. Der neue Orbit der Sonde ist dieser gegenüber inzwischen um 17 Grad geneigt, als die Bilder im März entstanden, waren es noch 2 Grad weniger.

"Wir wussten nicht genau, was wir von diesen ersten Beobachtungen erwarten konnten – die Pole der Sonne sind buchstäblich terra incognita", sagte Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen.

Zu den ersten Erkenntnissen gehört etwa eine ungewöhnliche Struktur des Magnetfelds: Ein normales Magnetfeld hat einen Nord- und einen Südpol. Die Messungen von PHI aber zeigen am solaren Südpol Magnetfelder mit beiden Polaritäten. Das geschieht laut ESA nur im Sonnenmaximum, einer kurzen Periode des elfjährigen Sonnenzyklus, wenn sich das Magnetfeld der Sonne umkehrt und am aktivsten ist.

Derzeit ist der Sonnenzyklus in dieser Phase. Er hat das Maximum im vergangenen Herbst erreicht. Nach der Umkehrung strukturiert sich das Magnetfeld neu und nimmt eine einzige Polarität an. In fünf bis sechs Jahren wird das Magnetfeld dann geordnet sein und die Sonne erreicht ihr nächstes Minimum mit der geringsten Aktivität.

"Wie genau dieser Aufbau vonstatten geht, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Solar Orbiter hat die hohen Breitengrade genau zum richtigen Zeitpunkt erreicht, um den gesamten Prozess aus seiner einzigartigen und vorteilhaften Perspektive zu verfolgen", sagte Solanki. Die Forscher können die Vorgänger jetzt also aus nächster Nähe beobachten.

Auch der Spektrograph SPICE hat erste Erkenntnisse geliefert, über die Bewegungen von Sonnenmaterial. Das alles sei aber erst der Anfang, sagte Daniel Müller vom Solar-Orbiter-Team. "In den kommenden Jahren wird die Sonde die Ekliptikebene weiter verlassen, um immer bessere Einblicke in die Polarregionen der Sonne zu erhalten. Diese Daten werden unser Verständnis des Magnetfelds der Sonne, des Sonnenwinds und der Sonnenaktivität verändern."

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Bis Ende 2026 bleibt Solar Orbiter auf seiner Bahn. Danach sind weitere Bahnänderungen geplant: Nach einem Venus-Swingby soll er im Januar 2027 eine Bahnneigung 24 Grad erreichen, Mitte 2029 dann 33 Grad. Davon verspricht sich die ESA neue Erkenntnisse über das Magnetfeld der Sonne, den Sonnenzyklus sowie die Funktionsweise des Weltraumwetters.

(wpl)