GenomDE: Teilnahme von bis zu 100.000 Menschen fĂĽr Modellprojekt erwartet

Bei vielen Kindern in schlechtem Gesundheitszustand habe das Projekt GenomDE für eine bessere Behandlung gesorgt, sagt der BMG-Staatssekretär.

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Georg Kippels vom BMG

Der Parlamentarische Staatssekretär, Georg Kippels, auf dem GenomDE-Symposium.

(Bild: TMF e.V./Volkmar Otto)

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Vor rund einem Jahr ist das Modellvorhaben Genomsequenzierung gestartet. Koordiniert und vorbereitet wird GenomDE von der Technologie- und Methodenplattform fĂĽr die vernetzte medizinische Forschung, kurz TMF. Im Mittelpunkt stehen dabei Patienten mit seltenen Erkrankungen oder onkologischen oder neurologischen Leiden, fĂĽr die die Genommedizin neue Hoffnung und konkrete Verbesserungen verspricht. Beim 4. GenomDE-Symposium "Genommedizin: Chancen nutzen, Menschen helfen" diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Patientenorganisationen ĂĽber aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Genommedizin.

"Wir werden heute und morgen zeigen, wie alles zusammenkommt und warum es sich lohnt, in Infrastruktur zu investieren", sagte Prof. Oliver Kohlbacher vom Universitätsklinikum Tübingen, die zu einer teilnehmenden Kliniken gehört. Die sich im Aufbau befindende Forschungsdateninfrastruktur sei dafür essenziell. Der Start des Modellvorhabens war laut Kohlbacher für alle ein "Gewaltmarsch". Essenziell beteiligt habe sich dabei das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinzprodukte (BfARM).

Dr. Georg Kippels, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG), stellte die nationale Strategie für Genommedizin vor. Ziel ist es, allen Patienten in Deutschland langfristig Zugang zu den Vorteilen der Genommedizin zu ermöglichen. Ein zentraler Baustein ist das Modellvorhaben zur Genomsequenzierung. Bereits kurz nach dem Start im Frühjahr nahmen über 2.000 Patienten daran teil. Während der fünfjährigen Laufzeit soll GenomDE bis zu 100.000 Menschen einschließen.

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Besonders erfolgreich sei das Modellvorhaben bei Kindern in kritischem Gesundheitszustand: In vielen Fällen habe die umfassende Diagnostik laut Kippels zu einer deutlichen Verbesserung des Gesundheitszustands geführt: "Nach Berichten der Zentren hat bei jedem zweiten Kind, an manchen Zentren sogar bei drei von vier Kindern umfassende Diagnostik" zu einem verbesserten Gesundheitszustand gesorgt, sagte Kippels. Insgesamt stünden bereits 28 spezialisierte medizinische Therapien zur Verfügung. Für die Zukunft seien die Überführung von Therapien in die Regelversorgung und die Ausweitung auf andere Erkrankungen geplant.

Nach jahrelangen Verhandlungen sei es zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und Leistungserbringern zu einer Einigung gekommen und auch die Privaten Krankenversicherungen wollen sich an dem Vorhaben beteiligen. Das spricht Kippels zufolge fĂĽr den Erfolg des Vorhabens.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei die enge Verknüpfung von Genomdaten mit klinischen und phänotypischen Daten. Wenn Patienten einwilligen, werden diese Daten laut dem BMG-Staatssekretär der Forschung zugänglich gemacht – pseudonymisiert und in einer sicheren Verarbeitungsumgebung. Das Robert Koch-Institut dient dabei als Vertrauensstelle. So entstünden Kippels zufolge hochwertige, strukturierte Datensätze, die präzise Diagnosen, personalisierte Therapieempfehlungen und die Entwicklung neuer Therapien ermöglichen.

Auch die Verknüpfung mit anderen Datenbeständen, etwa Krebsregisterdaten, ist im Gesundheitsdatennutzungsgesetz bereits vorgesehen. Ein Registergesetz, das alle 400 medizinische Register verknüpfen soll, ist in Arbeit. Ein Vorbild ist nach Ansicht von Kippels Dänemark, das im Bereich der Sekundärdatennutzung als Vorreiter gelte und seit dem 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat.

Die medizinische Biotechnologie spiele eine immer größere Rolle in der Arzneimittelforschung und -entwicklung. Entsprechende Start-ups sollen künftig besser unterstützt werden, sagte der BMG-Staatssekretär. Neue Therapien wie mRNA- und CAR-T-Zelltechnologien eröffnen laut Kippels innovative Behandlungsmöglichkeiten für bislang schwer behandelbare Krankheiten. Die beschleunigte Impfstoffentwicklung während der Covid-19-Pandemie habe gezeigt, wie schnell und effektiv die Branche auf neue Herausforderungen reagieren kann. Inzwischen seien 16 Gentherapeutika und Genvakzime in der EU zugelassen.

Durch bessere Rahmenbedingungen sollen die Pharmastrategien weiterentwickelt und die Biotechnologie gestärkt werden. Deutschland soll weltweit zum innovativsten Standort werden. Innerhalb der EU habe Deutschland bereits die kürzeste Wartezeit vom EMA-Zulassungsbescheid bis zum Markteintritt neuer Arzneimittel, wie auch eine Analyse des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) belegt. Zudem adressiere die EU-Kommission die Biotechnologie bereits in EU-Strategien. Auch der europäische Gesundheitsdatenraum spielt Kippels zufolge eine große Rolle. Mit der Umsetzung auf nationaler Ebene wurde der Grundstein für ein "vernetztes Gesundheitsdatenökosystem" gelegt.

(mack)