ZVEI fordert Stärkung der Glasfaserkabel-Produktion in Deutschland

Digitale Souveränität brauche auch eine industrielle Basis bei Komponenten in Europa, betont der ZVEI mit Blick auf die lahmende Produktion von Glasfaserkabeln.

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(Bild: bluebay/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Digital- und Elektronikverband ZVEI sorgt sich mit Blick auf Glasfaserkabel um die viel beschworene digitale Souveränität Europas. Die Produktionsmenge optischer Leitungen habe sich in Deutschland von 2014 bis 2024 um über 43 Prozent verringert, schlägt der Verband Alarm. Mittlerweile würden über 60 Prozent aller global genutzten Glasfaserkabel in China hergestellt. Europa halte nur noch einen Anteil von etwa 15 Prozent an der weltweiten Fertigung.

Um langfristige strategische Abhängigkeiten auf diesem Sektor zu vermeiden, fordert der ZVEI in einem Positionspapier zur Resilienz von digitalen Infrastrukturen den Erhalt und Ausbau industrieller Kapazitäten für Netzkomponenten in Deutschland und Europa. Die EU-Kommission müsse die Entwicklung auf dem Markt sorgfältig verfolgen und – wenn notwendig – handelspolitische Maßnahmen ergreifen, betont Verbandsgeschäftsführerin Sarah Bäumchen. Eine starke industrielle Basis sei entscheidend für die Widerstandskraft der Kommunikationsnetze: "Wir dürfen unsere technologische Führerschaft und damit ein Faustpfand nicht aus der Hand geben."

Die aktuellen Produktionskapazitäten bei Glasfaserkabeln sind laut der Analyse in Europa zwar noch ausreichend, "um sich rein rechnerisch selbst zu versorgen". Europa habe einen jährlichen Bedarf von etwa 60 Millionen Faser-Kilometern, die Produktion der europäischen Hersteller liege bei bis zu 70 Millionen. Angesichts der geopolitischen Entwicklungen und wachsender Sicherheitsanforderungen müsse solches Leitungsmaterial aber nicht nur zuverlässig betrieben werden, "sondern auch aus sicheren und nachhaltigen Produktionsprozessen stammen, um die Stabilität von Versorgungsketten zu gewährleisten".

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Die Kommission habe bereits 2021 Dumping- und Subventionspraktiken chinesischer Importeure von Glasfaserkabeln festgestellt und entsprechende Strafzölle verhängt, lobt der ZVEI. Auch die Einfuhren aus Indien verfolge die Brüsseler Regierungsinstitution genau und habe auch hier schon reagiert. Beim Verbau von Glasfaserkabeln könnten aber etwa verpflichtende Mindestquoten für lokale Fertiger einen Beitrag dazu leisten, "Investitionen in Europa zu fördern und die Resilienz von Produzenten in Europa zu stärken".

Eine besondere strategische Bedeutung kommt dem Verband zufolge Seekabeln zu. Gerade hier müssten Sicherheit und Verfügbarkeit der benötigten Komponenten in den Fokus rücken. Die technologische Entwicklung in Europa sei hier speziell zu fördern. Auch im Festnetz sei der Bedarf an Glasfaser hierzulande angesichts einer noch vergleichsweise niedrigen Abdeckung weiterhin hoch. Deutsche und europäische Produzenten müssten aber viele Vorgaben wie Nachhaltigkeitsberichtspflichten und Umweltauflagen beachten, was sie gegenüber internationalen Wettbewerbern ungleich belaste.

(vbr)